Über den Glauben sprechen – Zum Evangelisieren braucht man 3 Geschichten

Viele Christen, die andere Menschen zum Glauben einladen möchten, greifen dabei auf Systeme wie die «Vier geistlichen Gesetze» oder ihre moderne Form «The Four» zurück. Das ist jedoch einseitig und zu wenig, behauptet der Missiologe Mike Frost.
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Mike Frost
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Die vier Symbole

«Gott liebt dich und hat einen wunderbaren Plan für dein Leben, aber du bist durch deine Sünde auf ewig von ihm getrennt…» Kommt Ihnen das bekannt vor? So oder sehr ähnlich beginnen viele Präsentationen des Evangeliums. Wer in der eigenen Gemeinde oder gar an einer Bibelschule einen Kurs dazu besucht, lernt in der Regel, «das Evangelium» kurz, knapp und möglichst einladend darzustellen.

Daran ist erst einmal nichts verkehrt. Ein Nachdenken darüber, was den eigenen Glauben ausmacht, ist sehr sinnvoll, und das Ganze in Worte zu fassen, kann hilfreich sein. Genauso hilfreich ist es allerdings, sich bewusst zu machen, dass diese Art der Präsentation nicht «das Evangelium» ist, sondern nur eine Form, die einen Teilaspekt davon beleuchtet. Evangelium ist nämlich mehr als eine Story.

The Four und Co

Immer wieder gab es Darstellungen und auch Kurzfassungen des Evangeliums, mit denen sich Gläubige an ihre Umgebung wenden konnten. Keine ist dabei so einflussreich und weit verbreitet wie «The four spiritual laws» (Die vier geistlichen Gesetze) des Campus-für-Christus-Gründers Bill Bright. Zeitgemäss abgeändert erscheinen sie heute in Form von vier Symbolen als «The Four». Kein Zweifel: Diese einfache Darstellung von Glaubenswahrheiten hat eine gewaltige Wirkungsgeschichte. Viele Christinnen und Christen kamen dadurch mit dem Glauben in Berührung. Auf der anderen Seite fühlen sich viele bei einer Präsentation des Evangeliums auf diese Art und Weise wie ein Verkäufer im Verkaufsgespräch. Kein Wunder. Genau hier liegen die Wurzeln der bekannten vier Schritte: in einer leicht erlernbaren Verkaufsschulung. Das wertet den Inhalt in keiner Weise ab, es erklärt allerdings das Unwohlsein vieler beim Anwenden oder Zuhören dieser Präsentation.

Es gibt mehr als eine Geschichte

Der Missiologe Mike Frost sieht das Problem bei dieser Art der Evangelisation auch darin, dass «es eigentlich komplizierter ist. Es geht darum, drei Geschichten zu erzählen.» Das sind:

  • die Geschichte Gottes,
  • die eigene Geschichte Ihres Lebens mit Jesus und
  • die Geschichte Ihrer nichtchristlichen Freunde.

Für Frost entfaltet sich das Evangelium in der Schnittmenge dieser drei Erzählungen. Rückfragen, Einwände und Ergänzungen, die beim klassischen evangelistischen Gespräch als Störfaktoren verhindert werden sollen, gehören hier zum Weg dazu.

Die Geschichte Gottes erzählen

Das Reden über Gott gehört zentral dazu, allerdings nicht als Kurzdarstellung wie im Verkaufsgespräch, die von der Schöpfung zum Kreuz springt und alles dazwischen auslässt. Um dieses Dazwischen geht es gerade! Frost nennt es eine «epische Erzählung». Darin geht es um die Geschichte Gottes, der über alles regiert und dessen Reich von Gerechtigkeit, Schönheit, Freiheit und Liebe geprägt ist. Es geht um Jesus Christus, der gezeigt hat, wie ein gutes Leben aussieht. Auf der einen Seite zeigte er so eine Welt ohne das Böse, voller Gerechtigkeit, Friede und Gemeinschaft.

Auf der anderen Seite setzte er sich mit dem Bösen auseinander, überwand es und brachte Vergebung. Dies hat Auswirkungen auf das persönliche Leben Einzelner und das Zusammenleben als Gesellschaft – beides soll Gottes Himmelreich widerspiegeln. Auch dies ist nur eine Kurzfassung, doch sie zeigt bereits: Es geht um mehr als darum, wie sich die Hölle vermeiden lässt. Das Reden über Gott ist eine Einladung zur Heilung und ein Kommen in seine Gegenwart. Das Erzählen dauert auch länger als drei Minuten, aber wo steht eigentlich, dass ein «Zeugnis» so schnell gehen müsste?

Die eigene Geschichte erzählen

Die eigene Geschichte kennen alle – oder nicht? Tatsächlich ist es sinnvoll, sich einmal Gedanken darüber zu machen, wer Sie sind, wo Sie herkommen, was Sie geprägt hat und wie Gott Ihre Geschichte verändert hat. Wo ist Jesus in Ihrem Leben präsent? Dazu gehören viele Facetten: Wie wir alltägliche Aufgaben bewältigen oder Gastfreundschaft praktizieren, wie wir anderen Menschen vergeben und woran wir scheitern. Wer all das in einer normalen Sprache erzählen kann, gewinnt Menschen.

Frost zitiert Rebecca Manley Pippert, die meint: «Unser Problem in der Evangelisation ist nicht, dass wir nicht genug Informationen haben – wir wissen nicht, wie wir selbst sein können. Wir vergessen, dass wir dazu berufen sind, Zeugen dessen zu sein, was wir gesehen haben und wissen, und nicht dessen, was wir nicht wissen. Unser Schlüssel ist Echtheit und Gehorsam, kein Doktortitel in Theologie.»

Die Geschichte des anderen erzählen

Kann es unsere Aufgabe sein, anderen ihre Geschichte zu erzählen? Frost behauptet: Ja. «Wie ich bereits erwähnt habe, haben viele von uns noch nie über ihre eigene Geschichte nachgedacht und sind daher nur begrenzt in der Lage, über sie zu sprechen. Das gilt auch für Nichtchristen. Das Leben passiert einfach. Wir sind beschäftigt. Wir nehmen uns nicht die Zeit, innezuhalten und unsere eigene Biografie zu untersuchen, geschweige denn sie in Worte zu fassen.» Wenn Sie nun kommen und fragen, interessiert nachhaken, aktiv zuhören und dann Stück für Stück Ihrem Gegenüber spiegeln: «So nehme ich dich wahr. Solch ein wertvoller Mensch bist du. Das hat Gott in dich hineingelegt und könnte es sein, dass dies seine Spuren in deinem Leben sind?», dann kommt etwas in Bewegung.

Die Schnittmenge zählt

Wenn Sie sich diese drei Erzählungen als Kreise vorstellen, die sich teilweise überschneiden, dann sehen Sie, wie Mike Frost Evangelisation versteht. Es ist keine Methode, sondern ein In-Beziehung-Bringen. Wenn nur Sie und Ihr Gegenüber so in Verbindung treten, dann wächst Freundschaft. Aber zusammen mit Gottes Geschichte entsteht in der gemeinsamen Schnittmenge ein Bild des Evangeliums, der guten Nachricht. Zugegeben: Das funktioniert nicht innerhalb von wenigen Minuten an der Kasse des Supermarkts oder mit der Sitznachbarin im Bus, aber es nimmt die (Verkaufs-)Hektik aus der Evangelisation heraus und hilft zu einem wesentlich ganzheitlicheren Verständnis davon. Das Ganze hört sich nicht nach schnellen Erfolgen an, aber nach lebendigen Beziehungen, also ziemlich «jesusmässig». Augenzwinkernd meint Frost dazu: «Hey, Evangelisation ist ganz einfach. Es geht nur darum, drei total komplizierte, schöne und verwirrende Geschichten wirklich gut zu lernen und dann herauszufinden, wie man sie voll Sanftmut, Gnade und Freundlichkeit erzählen kann.»

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