Glaube, Privatsache, Datenschutz – Wo gehört das religiöse Leben hin?

Wir betrachten unsere Privatsphäre als heilig, obwohl sie durch Internet und soziale Medien vielfach durchlöchert ist. Wie ist es mit dem Glauben? Gehört er in die Privatsphäre oder auf die Strasse?
Unsplash / Daniel Gutko
Lasst uns gemeinsam zum Glauben stehen

Kennen Sie den? Die Arzthelferin tritt in das volle Wartezimmer: «Aus Datenschutzgründen darf ich Ihre Namen nicht nennen. Die Dame mit den Hämorrhoiden wäre dann als nächste dran...»

Herrlich paradox. Wir schützen unsere Privatsphäre, obwohl unsere Daten an hunderterlei Orten gespeichert sind. Und spätestens seit Google führen die meisten von uns eine recht gläserne Existenz. Wie ist das mit dem Glauben? Wo gehört er hin? Ist er Privatsache, wie es immer wieder gefordert wird?

Glaube ist eine sehr private Sache

An einem Punkt haben die Leute recht, die den Glauben in die Privatsphäre zurückdrängen wollen (ein Vorgang, der bis in die Aufklärung zurückgeht): Glaube ist etwas sehr Privates. Etwas Persönliches zwischen dir und Gott. Gott spricht uns mit Namen an und erkennt uns unter Tausenden. Es ist zunächst eine sehr «private» Entscheidung, Jesus nachzufolgen. Diese Entscheidung nimmt uns keine Tradition, keine Familie und keine Kirche ab. Die Schicksalsfrage unseres Lebens ist, wie wir persönlich und privat zu Jesus stehen. «Menschen sehen, was vor Augen ist; Gott schaut das Herz an», sagt die Bibel.

Gottes Datenschutz

Wer im Innersten seines Herzens Gott liebt und mit ihm lebt, dessen Name wird von Gott erfasst und im «Buch des Lebens» festgehalten (Buch der Offenbarung, Kapitel 3, Vers 5 und Kapitel 20, Vers 12). Wahrscheinlich ähnelt diese Speicherung eher einem Computerprogramm – Gott kennt und notiert seit Anbeginn der Welt die Menschen in allen Völkern, die sich im persönlichen Glauben an ihn halten. Das bedeutet: Wenn du Jesus nachfolgst und an Gott glaubst, wird das festgehalten. Du bist mit deinem Namen bei Gott bekannt, und kein Hacker der Welt kann dich da auslöschen!

Glaube bleibt keine Privatsache

Auf der anderen Seite gilt: Ein privater Glaube kann sich nicht auf die Privatsphäre beschränken, wenn er echt ist. Er hat immer öffentlichen Charakter. Seine Auswirkungen werden sichtbar. Ein Mensch, der glaubt, wird verändert und verändert etwas. Jesus wurde zu allen Zeiten am meisten durch das persönliche Bekenntnis seiner Nachfolger bekannt gemacht.

Natürlich muss dieses Bekennen mit Takt und Augenmass geschehen. Aber wenn der Zeitpunkt da ist, muss ein Nachfolger dieses Jesus zu seinem Glauben stehen. Der christliche Glaube war immer eine «Gute Nachricht» für den Einzelnen und die Gesellschaft – eine Nachricht, die hörbar gemacht werden soll. Selbst wenn dieser Glaube quer in der gesellschaftlichen Landschaft steht – gerade weil er privat ist, also im Innersten verwurzelt, darf das Gewissen des Einzelnen auch von staatlicher Seite nicht verletzt werden.

Dieser Artikel erschien im März 2019 auf Jesus.ch.

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