Ein Gleichnis von Jesus – Die Lampe unter dem Gefäss

Den Glauben für andere erkennbar ausleben – das wünscht sich Jesus von seinen Nachfolgern und Jüngerinnen. Ganz bildhaft zeigt er das in seiner Erzählung aus Markus Kapitel 4, Verse 21-22.
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Eine Lampe sollte ein Zimmer erleuchten und nicht versteckt werden

Das Heiligtum im Tempel von Jerusalem hatte keine Fenster. Dort sah man nichts im Licht dieser Welt, sondern alles im Licht Gottes. Denn die einzige Lichtquelle war der mit Öl gefüllte siebenarmige Leuchter. Geformt aus purem Gold, erinnerte er an einen knospenden Mandelbaum (2. Mose Kapitel 25, Verse 33-34). Dieser «brennende Mandelbaum» symbolisiert laut Offenbarung Kapitel 1, Vers 20 die Gemeinden Jesu und das Öl darin den Heiligen Geist.

Der Stab des Hohepriesters Aaron, der einst wider Erwarten geblüht hatte, war ebenfalls aus Mandelholz (4. Mose Kapitel 17, Verse 16-28). Dass der goldene Leuchter diesem priesterlichen Werkzeug nachempfunden war, weist auf eine priesterliche Tätigkeit dieses Leuchters hin. Das Wort «Mandelbaum» hat im Hebräischen obendrein denselben Wortstamm wie der Begriff für «wachsam sein». Und ein Priester wacht ja über das Wohlergehen von Gottes Volk. Wie ein Nachtwächter leuchtet er auch in dunkle Ecken hinein.

Lichtgeben ist ein Priesterdienst. Denn die Gemeinde hat ein gottgeschenktes Licht, von dem Jesus will, dass es nunmehr aus der Enge des Heiligtums hervorkommt und an prominenter Stelle in die Finsternis dieser Welt hinausleuchtet.

Sichtbar für Jesus einstehen

Christen sollen den Menschen helfen, die Welt im Licht Gottes zu sehen. Deswegen sagt Jesus: «Holt man etwa die Lampe, damit sie unter den Scheffel oder unter das Bett gestellt werde? – nicht vielmehr, damit sie auf den Lampenständer gestellt werde?» (Markus Kapitel 4, Vers 21). Der Lampenständer verschafft der Lampe die grösstmögliche Öffentlichkeit. Sie erleuchtet den gesamten Raum. Doch wovon sprechen Scheffel und Bett?

Bleibt die Lampe unter dem Scheffel (ein Massgefäss), geht ihr irgendwann die Luft aus und sie erlischt. Christen, die sich im Heiligtum verschanzen und nur füreinander leuchten, sehen vielleicht Schaubrottisch und Räucheraltar funkeln und glitzern. (Mehr gab’s in diesem kleinen Raum nicht). Dieser Horizont ist Jesus aber zu beschränkt. Die Lehre Christi richtet sich nicht nur an solche, die schon an ihn glauben. Vielmehr will sie allen Menschen Orientierung geben. Dazu muss das Licht unter dem Scheffel hervorgeholt werden.

Stellt man die Lampe wiederum achtlos unter das Bett, geht das Möbelstück in Flammen auf. Man muss gewissenhaft mit dieser Lampe und ihrem Feuer umgehen. Ein Wort am falschen Ort richtet genauso viel Schaden an wie ein Feuer am falschen Ort. Wir tun gut daran, zwar harmlos wie die Tauben zu sein, aber auch klug wie die Schlangen. Wir wägen ab, mit welchen Worten wir wem die Wahrheit sagen. Und wann. Fromme Rechthaber braucht kein Mensch. Die bewirken nicht, was Gott will. Wir Christen sollten deswegen sensibel sein.

Trotz Widerstand mutig bleiben

Die Lampe gehört auf den Lampenständer, damit sie ihre maximale Wirksamkeit entfalten kann. Viele Menschen freuen sich, wenn sie endlich erkennen, wo es langgeht, wenn sie Zusammenhänge erklärt bekommen und erfahren, dass sie kein planloses Produkt eines gleichgültigen Universums sind – sondern dass Gott sie gewollt hat und einen Plan für ihr Leben hat und mit ihnen rechnet.

Allerdings gibt es auch jede Menge gute Gründe, aus denen die Lampe viel lieber im Heiligtum bliebe als sich öffentlich zu exponieren. Im Heiligtum ist sie in Sicherheit. In der Öffentlichkeit offenbart das Licht einiges, von dem viele wollen, dass es verborgen bleibt. Leuchtet das Licht trotzdem in diese Ecke, wird es ungemütlich für die Lampe. Die Ertappten blinzeln in die plötzliche Helligkeit und versuchen dann, die Lampe auszulöschen wie Diebe in der Nacht.

Die Liebhaber der Finsternis gehen dabei rigoros vor. Sie beginnen zu raunen. Sie setzen Artikel in die Zeitung und Gerüchte in die Welt: Sie nennen die Lampe wahlweise umstritten, ewig gestrig, autoritär, sektenhaft, geldgierig, fundamentalistisch und was sonst noch helfen mag, christliche Gemeinden, die ihren Evangelisationsauftrag ernst nehmen, zu brandmarken, sodass sie auch ja niemand ernst nimmt und ihre Leuchtkraft verlischt. Stimmen muss das Gerede nicht. Es muss nur verdunkeln.

Diesen Stress möchten sich viele Christen und Gemeinden ersparen. Manchmal aber müssen wir Farbe bekennen und in Familie, Firma oder Gesellschaft Position beziehen. Wohl dem, der sich dann zu leuchten traut. Kurzfristig mag er alle möglichen Schwierigkeiten bekommen. Am Ende jedoch setzt sich stets die Wahrheit durch. «Denn es ist nichts Verborgenes, das nicht offenbar gemacht werden soll, auch ist nichts Geheimes, das nicht ans Licht kommen soll», beruhigt Jesus die Lichtträger (Vers 22). Wahrheit und Licht haben transzendente Qualitäten, man kann sie nicht besiegen. Die grösste Dunkelheit hat gegen das kleinste Licht keine Chance: Sie muss weichen.

Gottes Wahrheit vertrauen

Gott selbst wird dafür sorgen, dass uns schliesslich Recht widerfährt. Die Leute erkennen, dass wir verleumdet wurden. Wir werden rehabilitiert (wenn auch nicht immer zu Lebzeiten). Der Berliner Pfarrer Niemöller war eine treibende Kraft in der Bekennenden Kirche zur Zeit des Nationalsozialismus und kritisierte Hitler und seine Bewegung öffentlich. Natürlich hatte er recht mit seiner Kritik. Doch statt in sich zu gehen, machte der Diktator Niemöller zum «persönlichen Gefangenen des Führers» und steckte ihn ins Konzentrationslager. Aus diesem kam der Pfarrer nach acht Jahren wieder heraus. Niemöller lebte bis 1984, während Hitler 1945 von eigener Hand starb. Der Bekenner wurde rehabilitiert.

Martin Luther nahm Anstoss am Ablasshandel der katholischen Kirche im Mittelalter: Menschen konnten sich von ihren Sünden loskaufen, indem sie einen sogenannten Ablassbrief erwarben. Das Geschäft mit der Angst der Bevölkerung vor dem Fegefeuer wurde von der Kirche zum Beispiel zur Finanzierung des Petersdoms in Rom genutzt. Dieser Missstand bewegte Luther so sehr, dass er der Überlieferung nach 95 Thesen dagegen entwarf. Die behielt er nicht für sich, sondern nagelte sie an die Tür der Allerheiligenkirche der Universität zu Wittenberg – und zwar am Allerheiligentag, an dem die meisten Besucher zum Gottesdienst kamen. Luther stellte seine Lampe auf den Lampenständer.

Diese mutige Tat eines einzelnen Mönches entfesselte die Reformation, welche die westliche Welt massgeblich geprägt hat. Bekam Luther deswegen Schwierigkeiten? Jede Menge. Doch Millionen erkannten erstmalig, dass ihre Erlösung von Jesus erkauft wurde und sie nur noch an ihn zu glauben brauchten, um gerettet zu werden.

Zu leuchten mag nicht immer leicht sein. Doch es ist notwendig. Jesus erwartet es. Und letztlich ist es erfüllend.

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Die Krise bringt es an den Tag: Eine Frage des Fundaments
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