Frieden stiften – Teil 3 – Wie rede ich mit Gott über andere Menschen?

Echte Friedensstifter zeichnen sich durch ihr Gebetsleben aus. Sie haben die Demut, Gott ihr Herz auszuschütten, und die Freiheit, schwierige Menschen zu segnen.

Echte Friedensstifter zeichnen sich durch ihr Gebetsleben aus. Sie haben die Demut, Gott ihr Herz auszuschütten, und die Freiheit, schwierige Menschen zu segnen.

Gott hat seine eigene Sicht der Dinge. Dies ist grundsätzlich allen klar. Trotzdem gehen Christen oftmals davon aus, dass Gott ihre Position teilen würde – schliesslich fühlen sie ja, dass er auf ihrer Seite ist. Doch Gott ist nicht parteiisch.

In der Bibel im 5. Kapitel von Josua lesen wir folgende Begebenheit: Bevor die Israeliten Jericho erreichten, begegnete Josua einem mächtigen Krieger. «Gehörst du zu uns oder zu unseren Feinden?» fragt er. Die Antwort ist überraschend: «Weder noch. Ich bin der Befehlshaber von Gottes Heer.» Obwohl Gott sich als Gott Israels bezeichnet, ist er doch nicht parteiisch. Es ist gut, sich diese Tatsache immer vor Augen zu halten – besonders, wenn wir beten.

Verurteilendes Beten oder Gott das Herz ausschütten?

Gott braucht niemanden, der ihn von den Fehlern anderer Menschen überzeugt. Er weiss sehr wohl, was richtig und falsch ist. Er ist auch nicht auf Tipps angewiesen, wie er gewisse Menschen verändern sollte. Verurteilende Gebete entspringen einem verletzten und nach Vergeltung hungernden Herzen.

Andererseits ist es aber heilsam, Gott den Zorn über andere Menschen zu präsentieren. Es ist gut, vor ihm das Herz auszuschütten (vgl. Psalm 62,9 ). Die Psalmisten sind darin ein Vorbild. In den Psalmen drücken sie Gott ihr Leid aus. Sie sagen ihm, wo sie enttäuscht sind und sich schlecht behandelt fühlen. In diesen Psalmen wird dann aber plötzlich der Ton geändert und Gott für seine Güte gepriesen. Nachdem die Psalmisten Frust, Enttäuschung und Zorn vor Gott ausgebreitet haben, lassen sie all dies los. Und dann offenbart Gott ihnen seine Sicht, was zum Lob führt.

Wollen wir Gott für unsere Sache überzeugen oder lassen wir uns für seine gewinnen?

Gott ganz ehrlich an den persönlichen Gefühlen teilhaben zu lassen, ist oft ein Schlüssel für Intimität mit ihm. Schmerz, Enttäuschung und Groll mit ihm zu teilen, ist sehr heilsam. Das Ziel ist aber, diese Last loszuwerden und dann Gottes Sicht der Dinge zu erhalten. Und diese ist oftmals anders als wir erwarten. Gott lässt sich niemals in zwischenmenschliche Konflikte verwickeln. Er bietet uns aber die Hand, um diese Konflikte zu lösen. Und er wird sich um ergangenes Unrecht kümmern, sofern wir es ihm überlassen. Vor allem will Gott echte Versöhnung schenken. Wo wir Hass und Zorn verspüren, bietet er Liebe und Frieden an. Und dort, wo wir mit dem Finger auf die Fehler anderer zeigen, will er Vergebung schenken.

Wie soll ich denn für meine schwierigen Verwandten beten?

Wie bete ich denn für meine Mitchristen, die mich so schlecht behandelt haben? Und wie bete ich für meine schwierigen Verwandten, die mir immer wieder das Leben schwer machen?

Als erstes ist es gut, Gott das eigene Empfinden mitzuteilen. Wir sagen ihm, wie verzweifelt und hilflos wir uns fühlen. Damit demütigen wir uns und öffnen unser Herz für seine Hilfe. Jesus will uns von Groll und verurteilenden Gedanken befreien. In dieser Freiheit beten wir für unsere schwierigen Verwandten und fehlerhaften Mitchristen. Wir bitten Gott, sie auf die Weise zu segnen, wie wir es für uns selbst wünschen.

Wer seine schwierigen Mitmenschen mit reinem Herzen segnen kann, hat das Herz eines Friedensstifters. Das wird in der Gemeinschaft mit diesen Menschen auf jeden Fall seine Spuren hinterlassen.

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