Auf Buddhisten zugehen – Das Buch Prediger als Einstieg in die Evangelisation

Zwischen dem Christentum und dem Buddhismus existieren himmelweite Unterschiede. Wie kann man als Christ mit einem Buddhisten ins Gespräch über den Glauben kommen? Professor Harold A. Netland hat ein paar Tipps dafür.

Zwischen dem Christentum und dem Buddhismus existieren himmelweite Unterschiede. Wie kann man als Christ mit einem Buddhisten ins Gespräch über den Glauben kommen? Professor Harold A. Netland hat viele Jahre im buddhistischen Japan verbracht und hat ein paar Tipps dafür.

Die Unterschiede zwischen den zwei Religionen scheinen extrem gross zu sein. Während der Buddhismus – kanz knapp gesagt – versucht, das Leid in der Welt zu erklären und aus dem Kreislauf des Leides auszubrechen, sieht das Christentum Leid als Folge der Sünde, von der allein Jesus den Menschen befreien kann. Doch Buddhisten glauben an keinen Gott. «Der klassische Buddhismus bis ins 19. Jahrhundert sagte unmissverständlich: Es gibt keinen Schöpfergott!», erklärt Harold Netland, Professor für Religionsphilosofie und Interkulturelle Studien an der Trinity International University, in einem Interview. «Es könnte gar keinen Schöpfergott geben, weil alles unbeständig ist und in einem Moment existiert und im nächsten nicht mehr – da passt die Idee eines ewigen Schöpfergottes gar nicht rein.» Moderne Strömungen des Buddhismus würden zwar sagen, dass die Religion nicht atheistisch, sondern agnostisch sei, doch «der klassische Buddhismus ist sehr klar: Es gibt keinen Gott».

Netland selbst ist als Missionarskind in Japan geboren und aufgewachsen und lebte später mit seiner Frau zehn Jahre in dem Land, wo er die Gründung neuer Gemeinden unterstützte. Er kennt sich im Buddhismus aus und weiss, dass zwischen dem, was die Gelehrten sagen, und dem, was das Volk in den Tempeln auslebt, ein grosser Abgrund liegt. «Obwohl auf der Ebene der buddhistischen Gelehrten gesagt wird, dass es keinen Gott gibt und dass Gebet keinen Sinn macht, beten die allgemeinen Buddhisten der breiten Bevölkerung zu gewissen Buddhas. In Japan etwa werden die Gelehrten sagen, dass Amitabha Buddha kein Gott ist, aber ich bin mir sicher, dass die Menschen in den Tempeln ihn als Gottheit ansehen, zu ihm beten und ihn um Hilfe bitten.»

Immer wieder zum Schöpfergott zurückkehren

Wie kann man also als Christ auf einen Buddhisten zugehen und vielleicht sogar einen gemeinsamen Ausgangspunkt finden, um den anderen dort abzuholen und ein Gespräch über den Glauben zu führen? Etwas ist dabei ganz klar, so Netland: Geduld ist angesagt. «Mit traditionellen asiatischen Buddhisten dauert es sehr lange. Man beginnt ein Bibelstudium in 1. Mose, Kapitel 1 oder wählt einen Text aus dem Neuen Testament und dann heisst es: 'Am Anfang schuf Gott…' – da muss man schon innehalten und erstmal einiges erklären: Wer ist Gott überhaupt?» Denn dies Konzept existiert im breiten Buddhismus ja nicht. 

«Die japanischen Pastoren sind sehr gut darin, sehr geduldig und kommen immer wieder an diesen Anfangspunkt zurück. Denn solange die Menschen die Idee eines Schöpfergottes nicht anerkennen, macht der gesamte Rest keinen Sinn.»

Kontaktpunkte finden: Das Buch Prediger

Doch sieht der Professor diverse Kontaktpunkte zwischen den zwei Religionen, bei denen man Gespräche gut ansetzen kann. «Der asiatische Buddhismus ist sehr künstlerisch geworden, es gibt wunderschöne Tempel und Gärten, die chinesische und japanische Kalligrafie hat ihren Ursprung im Buddhismus, die Tee-Zeremonie, Gedichte, […] vieles davon ist wunderschön.»

Auch in der Bibel gibt es solche kunstvoll geschriebenen Texte, die gerade Buddhisten ansprechen. «Ich habe herausgefunden, dass zumindest Japaner das biblische Buch Prediger sehr schätzen – was viele US-Amerikaner nicht tun. Wir wissen nicht, was wir mit dem Buch anfangen sollen; Japaner dagegen lieben es. Die Sprache klingt in ihnen nach.» Und wenn dann in Prediger an vielen Stellen vom Schöpfergott gesprochen wird und von der Beziehung zu ihm, kann das einen Buddhisten ganz anders ansprechen und die Dinge in ein anderes Licht rücken, so Netland. 

Andere solcher Kontaktpunkte können aber auch das Leid der gefallenen Welt sein oder die Nächstenliebe, die in beiden Religionen eine wichtige Rolle spielt. Wichtig sei es, geduldig zu sein und immer wieder zu erklären, wer der Gott der Christen ist, weil das die Grundlage für alles andere ist. 

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