Der Glaube an einen Mythos – Wie lieb ist der liebe Gott?

Viele glauben an ihn ungefähr so wie an den Weihnachtsmann. Andere hoffen, dass es ihn gibt, weil das Leben sonst schlimm wäre. Aber gibt es ihn eigentlich, den «lieben Gott»?
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Viele Menschen stellen sich Gott als alten Mann mit langem weissen Bart vor

«Ach du lieber Gott», rief Frau M. aus, als ihre Nachbarin ihr eine ganz unglaubliche Geschichte erzählte. Eine Mischung aus Schreck und Überraschung und wohliger Gänsehaut. «Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm», hat mancher von uns als erstes (und oft einziges) Gebet gelernt. Und der Sänger Peter Maffay flehte schon vor Jahren «Lieber Gott, wenn es dich gibt, zeig uns deinen Weg».

Dieser «liebe Gott», wer ist das eigentlich? «Lieber Herr Müller», fangen wir einen Brief an. Das Wort «lieb» ist eigentlich ein netter Ausdruck – harmlos, gefällig, anständig und positiv. Wir hoffen, dass es da oben im Himmel etwas Liebes gibt, sonst wäre unsere Welt ziemlich unerträglich.

Grossvater oder Vater?

Die Hoffnung auf den lieben Gott ist Sehnsucht und Verharmlosung zugleich. Wir sehnen uns nach einer Instanz der Güte und des Positiven als Gegenpol zu dem vielen Schlimmen in unserer Welt. Gleichzeitig hoffen wir, dass «der da oben» anständig und harmlos genug ist, uns nicht zu hart zu beurteilen. «Die meisten Menschen suchen nicht einen Vater im Himmel, sondern einen Grossvater», hat C.S. Lewis einmal gesagt. Lieb, aber nicht zu streng.

Was passiert mit dem «lieben Gott», wenn er unsere Wünsche oder Erwartungen einmal nicht erfüllt? Oder wenn Schlimmes oder Schmerzhaftes in unser Leben kommt? Sehr schnell merken wir dann, dass dieses harmlose Gottesbild zerbricht. Was dann?

Real glauben

Die Bibel kennt eigentlich keinen lieben Gott im harmlosen Sinne, sondern etwas viel Besseres, Stärkeres, Echteres und Kraftvolleres: «Gott ist Liebe», sagt sie. «Liebe» ist mehr als «lieb». Liebe ist die unbedingte Entscheidung, das Beste des Anderen zu wollen.

Menschen haben schon in der Bibel mit der Tatsache gekämpft, dass ein liebender Gott uns Schmerzen und Schweres zumutet und auch nicht alle Übel in der Welt bekämpft und erledigt. Liebt er uns nur manchmal? Oder hat er Lieblinge und andere, um die er sich nicht kümmert? Wie ist seine Liebe mit so viel Schlimmem zu vereinbaren, das er scheinbar zulässt? Wie bringen wir den Schmerz der Welt mit einem liebenden Gott zusammen?

Es spart uns viel Zeit und Mühe, wenn wir einen Schritt machen, der uns ins Herz der Liebe Gottes führt. Sozusagen den letzten, unwidersprechbaren Liebesbeweis gibt.

Das einzige untrügliche Anzeigeinstrument

Es gibt im Neuen Testament einen ganz grossen Text, der die ultimative Liebe Gottes mitten in unsere schmerzhafte und mühsame Lebensrealität stellt. «Denn ich bin ganz sicher: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Dämonen, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch irgendwelche Gewalten, weder Hohes noch Tiefes oder sonst irgendetwas auf der Welt können uns von der Liebe Gottes trennen, die er uns in Jesus Christus, unserem Herrn, schenkt» (Römerbrief, Kapitel 8, Vers 38-39)  

Wenn du EIN untrügliches Anzeigeinstrument für die Liebe Gottes suchst, schau nicht auf die Umstände deines Lebens. Versuche nicht, daran, ob es dir gut geht oder nicht, abzulesen, ob der «liebe Gott» dich liebt oder nicht. Sondern stell dir den gekreuzigten Jesus vor. Das ist der ultimative Beweis dafür, dass Gott für uns ist. Stell dir vor:

  • Tod oder Leben (wow – selbst der Tod kann uns nicht von Gottes Liebe trennen)
  • Gute oder böse unsichtbare Kräfte (als deren Spielball wir uns oft fühlen)
  • Gegenwart oder Zukunft (alles, was uns je passiert ist oder passieren wird)
  • Grosse Ereignisse oder ganz kleine mühsame Nadelstiche

All das kann uns passieren. Aber all das wird Menschen, die auf den gekreuzigten und auferstandenen Christus vertrauen, nie und nimmer von der Liebe Gottes trennen. «Niemand hat grössere Liebe als der, der sein Leben gibt für seine Freunde», sagte uns Jesus selbst (Johannes-Evangelium, Kapitel 15, Vers 13).

Es gibt schlechthin nichts Vorstellbares, das mich von der Liebe Gottes trennen kann. Und diese Liebe ist in der historischen Tatsache der Kreuzigung und der Auferstehung Jesu Christi in Raum und Zeit festgenagelt.

Wenn du das nächste Mal versuchst, zum lieben Gott zu reden, stell dir kein nebulöses nettes Wesen vor. Sondern einen starken, echten und lebendigen Gott, der den ultimativen Beweis seiner unbeirrbaren Liebe gegeben hat. Und dem es sich unbedingt lohnt, zu vertrauen. Ist Gott für dich, wer kann dann gegen dich sein?

Dieser Beitrag erschien im Februar 2019 auf Jesus.ch.

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