Falsch motivierte Leidenschaft? – Brennende Herzen verbrennen nicht

Das Feuer ist ein Sinnbild für Zielstrebigkeit, Ehrgeiz und Engagement. Aber was hat das mit unserem Christsein zu tun?
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Feuer ist ein Sinnbild für Zielstrebigkeit, Ehrgeiz und Engagement.

Schon auf den ersten Seiten des Alten Testaments begegnet uns Feuer: in der Hand des Engels im Paradies (1. Mose, Kapitel 3, Vers 24), beim Bundesschluss mit Abram (1. Mose, Kapitel 15, Vers 17) oder auch beim Auszug aus Ägypten (2. Mose, Kapitel 13, Vers 21f.). Auch im Neuen Testament spielt Feuer eine zentrale Rolle, beispielsweise beim Pfingstwunder in der Apostelgeschichte. Bei der Sendung des Heiligen Geistes wird von der Erscheinung von Feuerzungen berichtet (Apostelgeschichte, Kapitel 2, Vers 3). Vor diesem Hintergrund ist es wenig erstaunlich, dass sich viele Christen immer wieder aufs Neue ein «brennendes Herz» wünschen, gerade auch für den missionarischen Auftrag.

Feuer, das Leiden schafft

Leidenschaftliche Menschen sind bekanntlich bereit, für ihr Ziel alles zu geben. Nicht zuletzt deshalb beschreibt auch das Hohelied die Leidenschaft als «hart» oder auch «unbezwingbar» (Die Bibel, Hoheslied, Kapitel 8, Vers 6). Diese Textstelle macht deutlich, dass im Wunsch, ein leidenschaftlicher Christ zu sein, auch eine gewisse Gefahr lauert.

Ich muss mir nämlich eingestehen, dass auch diese Leidenschaft falsch motiviert sein kann. Egoismus, Leistungsdenken, Geltungsdrang und viel anderes können Gründe und Antriebe für einen leidenschaftlichen Lebensstil sein. Wenn ich mir also ein «brennendes Herz» wünsche, dann ist die entscheidende Frage nicht, ob es brennt, sondern aus welcher Quelle sich das Feuer nährt.

Feuer, das kraftvoll leuchtet

Das Hohelied nennt im erwähnten Vers die Liebe als positiven Ursprung der Leidenschaft. Wie kraftvoll sie sein kann, wird nicht zuletzt am Leben Jesu sichtbar. Durch sein Leben sprudelt Gottes Heil in diese Welt hinein. Sein leidenschaftlich brennendes Herz ist erfüllt von der Liebe zum Vater. Wie sonst ist es zu erklären, dass der Gehorsam Jesu selbst am Kreuz und unter höllischen Qualen kein Ende nimmt?

Auch die Apostel Petrus und Paulus erleiden am Ende ihrer Christusnachfolge den Märtyrertod (1. Clemensbrief, Kapitel 5, Verse 3-7*). Wie kann es sein, dass sie und viele andere Christen bis heute solche Situationen ertragen können? Diese Kraft kann meines Erachtens nur der Liebe Gottes entspringen.

Feuer, das nicht verbrennt

Diese Beispiele zeigen, dass Leidenschaft im Sinne Jesu nicht der menschlichen Natur entspringen kann. Es ist der Heilige Geist, der unser Herz in Brand stecken will! Nur in einem solchen Herzen findet die leidenschaftliche Mission Gottes ihren Anfang und gleichzeitig ihr Ziel.

Genauso, wie die Flammen in der Berufungsgeschichte des Mose den Dornbusch nicht verbrennen können (2. Mose, Kapitel 3, Vers 2), genauso verzehrt auch das Feuer der Liebe Gottes unser menschliches Herz nicht. Ein von göttlicher Liebe entfachtes, brennendes Herz nimmt keinen Schaden. Vielmehr keimt ewiges Leben in ihm auf. Es wird dadurch, wie der Dornbusch, zum geheiligten Begegnungsort und zum Zeugnis der Gottesnähe für alle Menschen.

*Der erste Clemensbrief ist ein frühchristlicher Brief der Gemeinde in Rom an die Gemeinde in Korinth. Der Brief ist nicht Bestandteil des Neuen Testaments, wurde aber in der alten Kirche sehr geschätzt. Er stellt eine wichtige Quelle für die Geschichte des Urchristentums dar.

Dieser Artikel erschien im September 2013 bei Livenet.

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