Eine neue Perspektive – Wenn Gott sich auf die Suche macht

Gottessuche wird meist so definiert, dass sich Menschen auf die Suche nach Gott machen. Das ist okay. Aber dies funktioniert nur, weil Gott sich schon längst auf die Suche nach uns gemacht hat.
Unsplash / Maël BALLAND
Wer sucht wen? (Symbolbild)

Wenn ich mir überlege, was ich gern suche, wird mir eines schnell klar: Eigentlich suche ich gar nicht so gern. Ich liebe es vielmehr, Dinge zu finden. Egal, ob ein gutes Restaurant, einen Freund, meinen Haustürschlüssel oder die Antwort auf eine grosse Frage. Auch beim Leben mit Gott lässt mich das Thema Suchen nicht los. Ich suche nach erfülltem Leben, nach Gottes Führung, nach seiner Nähe. Und einige Verse in der Bibel bestärken mich darin, wie sinnvoll und gut das ist. Jesus selbst legt seinen Freunden nahe: «Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan!» (Matthäus, Kapitel 7, Vers 7) Genauer betrachtet hat all diese Sucherei – und vor allem das Finden – ihre Wurzel darin, dass Gott selbst sich zuerst auf die Suche gemacht hat.

Der suchende Gott

Tatsächlich zieht sich der Gedanke durch die ganze Bibel, dass Gott sich auf die Suche nach uns Menschen macht. Das beginnt bereits im Schatten der ersten Entfremdung, die noch im Paradies geschieht. Die Menschen schwanken noch zwischen Scham, Verstecken und trotzigem Widerspruch, als es bereits heisst: «Da rief Gott der Herr den Menschen und sprach: Wo bist du?» Natürlich muss er nicht hinter Bäumen und Büschen nachsehen, er unterstreicht damit, dass er sich nach wie vor für die Menschen interessiert, dass er sie liebt und ihnen geradezu nachgeht. Das bleibt durchs gesamte Alte Testament so. Immer wieder machen Menschen die Erfahrung, dass sie auf der Flucht sind oder auf der Suche nach Gott nicht selbst fündig werden, sondern gefunden werden. Hagar, die bei Abraham und Sara in Ungnade fällt und deshalb wegläuft, erkennt deshalb: «Du bist der Gott, der mich sieht!»

Jesus als der Suchende

Das Neue Testament setzt nahtlos an dieser Idee an. Jesus selbst beschreibt sich und seinen Auftrag damit und hält fest: «Der Sohn des Menschen ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.» Es geht ihm also nicht zuerst darum, diejenigen zu sammeln, die ihn sowieso kennen oder gefunden haben. Er ist der Aktive und sucht. Ein paar Abschnitte vorher schreibt Lukas ein ganzes Kapitel zum Thema Suchen und Finden. Wieder geht es nicht darum, dass Menschen sich auf den Weg machen und Gott finden. In einprägsamen Gleichnissen, die zu den bekanntesten Texten der Bibel gehören, erklärt Lukas, dass es Gott ist, der uns sucht und auf uns wartet – wie beim verlorenen Schaf, der verlorenen Münze und dem verlorenen Sohn.

Gottessuche ist kein Versteckspiel

Dass Gott selbst sich auf die Suche nach uns Menschen macht, ist natürlich nur ein Bild. So wie er bei Adam und Eva nicht hinter jeden Strauch blicken muss, braucht er auch uns nicht im eigentlichen Sinn zu suchen, weil er nicht wüsste, wo wir sind. Das weiss er sehr gut. Unsere menschliche Perspektive darauf ist es oft, dass wir einen Weg zu Gott finden müssen, wenn wir ihm näherkommen möchten. Und wie oben erwähnt, gehört auch diese Komponente dazu. Gott dann zu «entdecken», ist allerdings bestenfalls die Folge davon, dass er sich längst gezeigt hat. Gott spielt kein Verstecken mit uns. Er lässt sich nicht vom einen finden und weicht dem anderen aus.

Ein Trostgedanke

Wenn ich Dinge suche, bin ich öfter erfolgreich dabei. Doch ich habe es auch erlebt, dass ein Haustürschlüssel nie wieder aufgetaucht ist. Dass ich keine Antwort auf eine grosse Frage bekommen habe. Bei der Suche nach Gott tröstet mich dieser Gedanke. Wenn nur ich ihn suchen würde, könnte es sein, dass ich zeitlebens im Dunkeln tappe, aber er hat sich ja auch auf die Suche nach mir und dir gemacht. Und ich bin überzeugt: Wen Gott sucht, den findet er. Immer!

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