Irgendwo muss es sie doch geben – All you need is – was bitte nochmal?

Es ist sicher die meistgebrauchte Worthülse der Welt. Ultimatives Sehnsuchtsziel, Schlagerquotengarantie und Füllwort für alles Mögliche. Die Liebe hat es nicht leicht. Aber ist sie mehr als nur eine Chiffre?
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Liebe

Ich liebe meine Frau und meine Familie. Und ich liebe Porsches – und Currywurst. Es ist eine Schande, dass wir im Deutschen nur ein Wort für die Liebe haben – na ja, abgesehen von der gemässigten Schweizer Variante «gärn ha». Aber die Liebe kann so viel bedeuten! Jedermann und jedefrau sehnt sich nach ihr, sie ist mit unendlich viel Schönheit und Bitterkeit verbunden – und die Sehnsucht nach ihr ist unausrottbar in uns.

Wer kriegt das hin?

Bekanntlich kennt die griechische Sprache drei Begriffe für das eine deutsche Wort «Liebe»: Philia (die Freundesliebe, tiefe Sympathie, Zuneigung), Eros (Leidenschaft, Begierde) – und dann das rätselhafte Wort Agape, das in der Gesellschaft kaum, aber im Neuen Testament ständig gebraucht wird.

Hier können Sie den berühmtesten Text der Weltliteratur über die Agape lesen – das 13. Kapitel des ersten Korintherbriefs in einer modernen Übersetzung. Was fällt auf? Vor allem: dass diese Liebe völlig das Wohl des anderen sucht, sich selbst und das Ego scheinbar total zurücknimmt und so eine Haltung ausdrückt, die uns, wenn wir ehrlich sind, unmöglich ist. Wenn uns jemand so lieben würde – das wäre grossartig. Aber dass ich selbst anderen Menschen so begegnen soll – nicht weil sie so «liebens-würdig» sind, sondern weil ich sie einfach so lieben will – wer kriegt das schon hin?

«Gottes Liebe»?

Es wäre leicht, die Liebe in dem 13. Korinther-Kapitel als «Gottes Liebe» zu deklarieren und sie damit in den Himmel zu verlagern. Aber sie wird eindeutig von uns erwartet und findet im zwischenmenschlichen Raum statt. Und, wie die ersten drei Verse erklären, sind alle frommen und sozialen (und wohl auch sonstigen) Leistungen von uns eigentlich nichts wert, wenn sie nicht von dieser Liebe getragen sind. Also nochmal: Wie kommen wir dazu?

Wem viel vergeben ist…

Ein Schlüssel ist eine Frau. Eine «Sünderin» – eine mit zweifelhaftem Lebenswandel, stadtbekannt. Sie kommt mitten in eine Versammlung von frommen Männern, steuert auf Jesus zu, zerbricht ein kleines Fläschchen mit einem sündhaft teuren Parfum, salbt die Füsse von Jesus damit und vermischt es mit ihren Tränen. Dann trocknet sie seine Füsse mit ihren Haaren. Ein Stück Philia, ein Stück Eros – aber letztlich offenbar Agape einem Mann gegenüber, der ihr unglaublich viel bedeutet haben muss. «Wem viel vergeben ist, der liebt viel», sagt Jesus dann sinngemäss, als die Männer das Ganze natürlich kritisieren. «Lasst sie!»

Letztlich ist Agape angezündet von und Reaktion auf die Liebe Gottes, mit der er seine Menschheit liebt – und seinen Sohn für sie gab, «als wir noch Feinde waren». Wer begreift, dass Jesus ihm in die Augen schaut, ihn annimmt und das Innerste heilt – all die Angst, die Ablehnung, den Selbstzweifel, das Nichtgenügen und das Versagergefühl – in dem wird ein kleines Saatkorn dieser Agape aufgehen und zu blühen beginnen, je mehr wir uns mit diesem Jesus beschäftigen. Agape ist möglich – Gott sei Dank. Nie in fehlerloser Form, aber als Grundhaltung: eine Flamme, angesteckt von Jesus.  

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