Viele Menschen rechnen
mit einem strafenden Gott, vor dem man stets aufpassen muss. Etliche zerbrechen
an den Erwartungen ihrer Mitmenschen und dann ist da ja auch noch ein
unheilvolles Gottesbild. Phil Sternbauer, Gründer und Leiter des ICF Mittelland,
kommt im Interview mit Livenet zum gegenteiligen Schluss. Seine Quelle? Die Bibel.Phil Sternbauer, ist
Gott glücklich? Steht dazu etwas in der Bibel?
Phil Sternbauer: Mir
kommen dazu spontan zwei Bibelstellen in den Sinn. Der erste steht in Zefania Kapitel
3, Vers 17. Dort steht: «Der Herr, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein Held,
der Rettung bringt. Er freut sich und jubelt über dich, er schweigt in seiner
Liebe, er jubelt über dich und frohlockt, wie man frohlockt an einem Festtag.»
Und neulich stolperte ich über folgenden Vers: «So lehrt es die rettende
Botschaft, die der glückseelige Gott mir anvertraut hat und die seine
Herrlichkeit zeigt.» Dies steht in 1. Timotheus Kapitel 1, Vers 11. Der glückseelige Gott steht da. Das griechische Wort lautet
«makarios» und kann mit glücklich übersetzt werden. Bestimmt gäbe es
insbesondere im Alten Testament bedeutend mehr Stellen über den zornigen,
wütenden Gott, der sich über die Bosheit der Menschheit ereifert. Doch auch diese andere Seite ist im Buch der Bücher
dokumentiert, deshalb denke ich, sollten wir uns über den glückseeligen Gott
Gedanken machen.
Warum hört man das in
den Predigten eher selten?
Tatsächlich habe auch ich noch nie eine Predigt über den
«glücklichen» Gott gehört. Selbst habe ich auch erst einmal darüber gepredigt.
Es scheint uns offensichtlich näher zu liegen, über einen nicht ganz glücklichen
Gott zu berichten. Wenn wir die Schönheit der Schöpfung wie in Römer Kapitel 1, Vers 20betrachten, können wir etwas vom Schöpfer erfahren.
Woher kommt das Bild,
dass man vor Gott stets aufpassen muss?
Zum einen, denke ich, liegt es am Gottesbild, das uns
vermittelt wurde. Zum anderen sind wir von Natur aus religiöse Wesen, es steckt
im Menschen. Tief in uns steckt oft unbewusst der Anspruch, Gott milde zu
stimmen, ihn zu besänftigen, zufrieden zu stellen, etwas tun zu müssen für ihn,
damit ich's nicht ganz verscherze bei ihm. Als ob Gott unser «Opfer» nötig
hätte. Es ist kein Zufall, dass die meisten Naturreligionen in irgendeiner
Form Opferkulte für irgendeinen Gott erbringen. In Jesus ist ein für allemal
das ultimative Opfer geschenkt. Das ist das unverschämt Gute an der Guten
Nachricht. Die Frage ist nur: Können wir's erfassen?
Viele Menschen leben heute unter dem Druck, es anderen recht
machen zu wollen – weshalb sind wir so geprägt?
Die meisten
Menschen hatten Eltern, die ihr Bestes gaben, um ihre Kinder zu lieben. Dies
auch wenn ihre Liebe beeinträchtigt ist durch ihre eigene Sünde und
Zerbrochenheit. Bewusst oder unbewusst stellen sie Erwartungen, die wir nicht
erfüllen können, das prägt auch unser Gottesbild.
Das Gute ist aber, gerade auch an Weihnachten: Das Volk, das im Finsteren wandelt, sieht ein grosses Licht. (Jesaja Kapitel 9, Vers 1) Seine Liebe ist bedingungslos und nicht an Erwartungen geknüpft. Gott liebt den Menschen aus Liebe und nicht für Liebe. Egal in welchem Umfeld wir sind. Er ist nicht an uns gebunden, aber er kam zu uns und machte seine Herrlichkeit in Jesus zu uns sichtbar. In Johannes Kapitel 1, Vers 14 heisst es: «Wir sahen seine Herrlichkeit.» In Jesus wird Gottes bedingungslose Liebe und Herrlichkeit am deutlichsten sichtbar. Gott liebt einen so oder so, er ist Liebe.
Erleben Sie oft, dass Menschen an ihren Erwartungen fast
zerbrechen?
Ich kenne viele
Menschen, die an den Erwartungen aus dem Umfeld zerbrechen. Dies weil sie
unmöglichen, nicht erfüllbaren Forderungen unserer Leistungsgesellschaft oder
ihren eigenen Ansprüchen gerecht werden wollen. Viele Menschen
gehen an diesen nicht erfüllbaren Erwartungen fast zugrunde. Da ist es heilsam
und gut zu wissen, dass Gott anders ist. Oft projizieren wir unsere Erfahrungen
aus unserem Umfeld auf Gott. Doch er ist anders.
Dann ist Gott also einfach glücklich, selbst wenn er das
Leid und die Zerbrochenheit der Menschen sieht?
Gute
Frage! Das wäre natürlich viel zu kurz gegriffen. Ich versuche es mal so
auszudrücken: Gott ist das glücklichste Wesen des Universums, so als
«Grundmodus». Dieses Glück ist
jedoch sehr betrübt und beeinträchtigt durch das Leid, die Zerbrochenheit und
Ungerechtigkeit der Menschheit, die mit dem Abfall der Menschen begonnen hat,
was in 1. Mose Kapitel 3 durch das Hervortreten der Sünde beschrieben ist. Wir sehen in der
Bibel viele Stellen von einem Gott, der empathisch ist, Mitleid hat, ja sogar
trauert. Wir lesen in den Evangelien davon, dass Jesus tiefstes Mitleid
empfindet über Krankheit und Gottlosigkeit der Menschen, ja, dass er sogar weint!
Er weint über Menschen, die wie Schafe ohne Hirten durchs Leben gehen. Eines
Tages wird jedoch jede Träne abgewischt, und Gottes Freude und Glückseeligkeit
sowie die unsrige wird ewig und vollkommen sein. Er wird ihnen
alle Tränen abwischen. Es wird keinen Tod mehr geben, kein Leid, keine Klage
und keine Schmerzen; denn was einmal war, ist für immer vorbei – so ist es in Offenbarung Kapitel 21 in den Versen 4 und 5 beschrieben. Weiter heisst es: «Der auf
dem Thron sass, sagte: 'Sieh doch, ich mache alles neu!'»
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