Hassbotschaften und soziale Medien – Ist Liebe langweilig?

Auf «sozialen» Medien kommen Hassbotschaften gut an, vor allem auf Schweizerdeutsch. Christen dagegen rufen auf, freundlich und lieb zu sein. Haben sie eine Chance?
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Gelangweilte Frau am Computer

Auf «sozialen» Medien kommen Hassbotschaften gut an, vor allem auf Schweizerdeutsch. Christen dagegen rufen auf, freundlich und lieb zu sein. Haben sie eine Chance?

«Je wütender die Kommentare, desto besser laufen sie», erklärt die Facebook-Whistleblowerin Francis Haugen in einem Gespräch mit der «Sonntagszeitung» vor wenigen Tagen. «Extreme Inhalte haben schlicht die höchste Wahrscheinlichkeit, bei den Lesern starke Emotionen und eine Reaktion auszulösen.»

Und wenn der Inhalt noch auf Schweizerdeutsch verfasst ist, ist die Chance gross, dass die Algorithmen, die schädliche Inhalte herausfiltern sollen, die Botschaft nicht erkennen. «Der Algorithmus gibt den Extremsten das Megafon», sagt Frances Haugen. Dazu kommt: Wer wütende Kommentare abgibt – und darauf reagiert –, bleibt länger auf einer Plattform, was durchaus im Interesse von Facebook & Co. ist, von wegen Werbeeinnahmen und so.

War Jesus nett?

Nicht erst, aber besonders im gegenwärtigen Covid-Geplänkel fallen Christen immer wieder dadurch auf, dass sie zu friedlichem Verhalten, zu Liebe und Freundlichkeit aufrufen. Das ist gut und richtig – aber ist das nicht auch ein bisschen langweilig? Ruft «Nett sein» Emotionen hervor? Ist es nicht viel interessanter, mal so richtig «deutsch und deutlich» seine Meinung zu sagen? Christen werden gesamtgesellschaftlich vermutlich eher als «netter Haufen» angesehen – freundlich, aber nicht gerade interessant.

Die Frage liegt in der Luft: Sind wir zu nett? Wenn man auch nur einen flüchtigen Blick auf Jesus wirft (auf den Christen sich berufen), fällt auf, dass die Leute ihn heiss liebten, bei anderen sorgte er für rote Köpfe. Jesus was alles andere als «nett». Er trat dazwischen. Er liebte – aber mit Leidenschaft. Er konnte heisse Emotionen entwickeln, vor allem wenn es um die Ehre seines Vaters und religiösen Schiessbudenbetrieb ging, der da im Tempel ablief.

Radikale Liebe und Wahrheit

Dieser Jesus muss ein unheimlich packender und sympathischer Mensch gewesen sein, der sich seinen Gesprächspartnern direkt zuwandte, ihnen in die Augen schaute und sie zur Wahrheit zwang. Das zog er durch bis zu seinem Tod am Kreuz – Gottes Liebe als Angriff auf das Böse in letzter Konsequenz. Da hing einer, der den gesammelten Angriff des Bösen scheinbar passiv erduldete – und doch darin höchst aktiv war. Jeder Schritt war seine freie Entscheidung. «Niemand nimmt mir mein Leben, ich gebe es freiwillig für die Welt», waren seine Worte.

Diesem Jesus heute, in einer Welt von Manipulation, Hassbotschaften und Lügen, nachzufolgen, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Jesus starb nicht nur dafür, dass wir «nett zueinander sind». Sondern dass die Wurzel des Hasses in unserem eigenen Herzen ausgerissen und durch Gottes Liebe ersetzt wird und so immer mehr aktive «Friedensmacher» diese Welt durchsäuern. Schon das Gebet für andere, eine Hauptaufgabe seiner Nachfolger, ist auf englisch «intercession»: wörtlich «eingreifen, dazwischentreten». Und aus dem Gebet kommt Handeln. Die Armee derer, die nicht nur nett im Umgang sind, sondern aktive Aktionen und Programme zur Bekämpfung des Bösen lancieren, wird immer grösser. Nein, in der Nachfolge Christi ist Liebe alles andere als langweilig. Wann sind Sie dabei?

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