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Lesen in der Passionszeit

Tipp für die Passionszeit – Thomas Hemerken – der unbekannte Bestsellerautor

Viele suchen für die Passionszeit nach einem Input, der ihnen hilft, den Glauben zu vertiefen. Warum nicht einmal zu einem Klassiker greifen, der schon Millionen fasziniert hat?

Viele suchen für die Passionszeit nach einem Input, der ihnen hilft, den Glauben zu vertiefen. Warum nicht einmal zu einem Klassiker greifen, der schon Millionen fasziniert hat?

Wenn ein christliches Buch heute 3'000-mal gedruckt wird, ist das nicht schlecht. Wenn es 30'000-mal gedruckt wird, ist es eine kleine Sensation. Aber ein Buchtitel, der 3'000 Auflagen erlebt – und in praktisch alle Kultursprachen übersetzt wurde –, bricht alle Rekorde. Genau das geschah mit dem Hauptwerk von Thomas Hemerken. Über Generationen prägten seine Gedanken den Glauben und das Leben vieler Menschen. Bekannt wurde er als Thomas von Kempen. Sein Buch ist die «Nachfolge Christi» (De imitatione Christi).

Thomas

Der Nachname Hemerken («Hämmerchen») lässt vermuten, dass Thomas' Vater Gold- oder Silberschmied war. Er kam wohl 1379 in Kempen am Niederrhein zur Welt. Seine Eltern waren wohlhabend genug, um ihn und mindestens einen Bruder auf die Lateinschule zu schicken. Dort und in den folgenden Jahren stand Thomas meist im Schatten seines älteren Bruders. Er interessierte sich schon vor der Reformation für moderne Formen des Glaubens, wie sie sich damals in der «Devotio moderna» zeigten, der neuen Frömmigkeit.

Thomas lebte eine Weile bei den «Brüdern des gemeinsamen Lebens» in einer Art freiwilliger geistlicher Lebensgemeinschaft. Mit 20 Jahren kam er ins Augustinerkloster St. Agnetenberg. Dort war sein Bruder Prior. Thomas lebte und arbeitete dort fast 70 Jahre und war unter anderem für die Ausbildung der Novizen verantwortlich.

Die «Nachfolge»

Zu Thomas' Aufgaben gehörte auch das Schreiben und Abschreiben von geistlichen Texten. Im Rahmen seiner Arbeit mit den Neuen im Orden verfasste er mehrere Ratgeber für geistliches Leben. Die «Nachfolge Christi» wurde das bekannteste. Darin bezog er sich zwar einerseits klar auf das klösterliche Leben, aber gleichzeitig legte er – wie er es aus der Reformbewegung kannte – grossen Wert auf eine persönliche Christusbeziehung.

Zunächst einmal stellte Thomas die Basis des Glaubens dar, dann behandelte er die Bedeutung von Demut, Friedfertigkeit, Einfalt und Leidensbereitschaft auf den Glauben des Einzelnen. Was sich heute selbstverständlich liest, war es vor 550 Jahren keinesfalls. Eine Selbstreflexion und Ausrichtung an Christus selbst, wie sie heute auf Webportalen wie «Livenet», in Zeitschriften wie «Aufatmen» und zahllosen Büchern beschrieben wird, war damals neu. Kein Wunder, dass die «Nachfolge Christi» Katholiken wie Protestanten nachhaltig beeinflusste, von den Jesuiten (mit ihren Exerzitien) bis hin zu John Wesley, dem Begründer des Methodismus.

Gedanken für heute

Und heute? Heute klingen viele der Sätze von Thomas etwas aus der Zeit gefallen. Andere sind erstaunlich aktuell, wie zum Beispiel:

«Warum suchst du die Ruhe, da du zur Arbeit geboren bist?»

«Es ist leichter, ganz zu schweigen, als sich im Reden zu mässigen.»

«Viele suchen in allem, was sie anfangen, heimlich nur sich selbst, ohne es zu merken.»

«Was der Zeit unterworfen ist, das gebrauche; was ewig ist, danach strebe.»

«Viele folgen Jesus nach bis zum Brotbrechen beim Abendmahle, aber wenige bis zum Trinken aus dem Leidenskelche.»

Sätze wie diese eignen sich gut als Kalenderweisheiten – es sind Gedanken, über die es lohnt, einmal nachzudenken. Und während der Fastenzeit vor Ostern, in der viele Menschen ihr Leben einmal auf den Prüfstand stellen, ist Thomas' Buch eine gute Möglichkeit, sich einmal neu zur Nachfolge herausfordern zu lassen. Gerade weil vieles darin sperrig klingt, helfen seine Texte, einmal neu hinzuhören. Und auch wenn seine Frömmigkeit sicher nicht eins zu eins in unsere Zeit und unser Leben übertragbar ist: Man spürt ihr ab, dass sie gelebt werden will und kann. Übrigens: So alt das Buch ist, es ist bis heute erhältlich.

«Wie weise und glücklich ist der, welcher so lebt, wie er am Ende wünschen wird, gelebt zu haben.»

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