Gottes Gemüsegarten – Mit Bohnen Grosszügigkeit leben

Joe Bollinger arbeitet bei CRU (Campus für Christus) in den USA. Das wissen nur wenige seiner Nachbarn. Aber alle wissen, dass Joe gerne gärtnert und unwahrscheinlich grosszügig ist. Deswegen haben einige sogar damit begonnen, in der Bibel zu lesen.

Joe Bollinger arbeitet bei CRU (Campus für Christus) in den USA. Das wissen nur wenige seiner Nachbarn. Aber alle wissen, dass Joe gerne gärtnert und unwahrscheinlich grosszügig ist. Deswegen haben einige sogar damit begonnen, in der Bibel zu lesen.Wenn Joe Bollinger zur Tür hereinkommt, geht die Sonne auf. Sein freundliches Lächeln steckt an. Oft greift der bärtige Mann dann mit erdigen Händen in seine Tasche, holt etwas heraus und fragt: «Brauchst du gerade Gemüse?»

Wunderbares Wachstum

Alle Missionare lassen sich von Wachstum begeistern, aber Joe macht sich dafür gern die Hände schmutzig. Der studierte Landschaftsgärtner arbeitet in der amerikanischen Zentrale von CRU in Lake Hart bei Orlando/Florida. Diese hat ein grosses Aussengelände. Ein Teil davon ist als Gemeinschaftsgarten angelegt: Das ist Joes Reich. Auf diesen 5'000 Quadratmetern baut er Blumen, Obst und Gemüse an, Gurken, Peperoni, Salat, Bohnen und alles, was der Boden sonst noch hergibt.

Wenn sein Freund und Kollege Hector sieht, wie er dort arbeitet, dann meint er immer: «Um alles im Leben musst du dich kümmern und dir Zeit dafür nehmen, sei es Gartenarbeit oder die Beziehung zu Christus.» Da ist sicher etwas dran. Nicht umsonst ist in den Gleichnissen und Geschichten von Jesus sehr oft von Äckern und Gärten die Rede. Aber die wenigsten setzen dies so konkret in ihren Alltag um wie Joe. Für ihn ist Gartenarbeit mehr als ein Hobby; es ist seine Art, Kontakt zu Menschen zu suchen.

Gelebte Grosszügigkeit

Wann immer Joe und seine Frau Keijo im Garten etwas ernten, verschenken sie es. Sie gehen damit zu Bekannten und auch zu Unbekannten in ihrer Nachbarschaft und klopfen an die Türen. «Hallo, ich bin mit zuständig für einen grossen Gemeinschaftsgarten hier in der Stadt, und wir haben mehr Salat, als wir selbst verbrauchen können», sagt Joe zum Beispiel. «Können Sie welchen gebrauchen? Er ist kostenlos. Ich habe ihn selbst angebaut – und will ihn nicht wegwerfen.»

Viele staunen über sein Angebot: «Meinen Sie das ernst? Ist das wirklich für mich? Und ist es tatsächlich kostenlos?» Nicht nur in Zeiten, wo Slogans wie «America first» die Runde machen, kommt diese Grosszügigkeit gut an. Diesen Sommer waren viele von Joes Nachbarn wegen der Covid-Pandemie immer wieder ans Haus gebunden. Sie freuten sich riesig, dass jemand vorbeikam (mit Abstand!) und sie mit sorgfältig verpacktem Obst und Gemüse beschenkte.

Fruchtbringende Freundlichkeit

Der Landschaftsgärtner freut sich, wenn er anderen damit eine Freude machen kann. Und er geniesst es, Menschen kennenzulernen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Längst sind Joe und Keijo in ihrer Umgebung bekannt wie bunte Hunde. Jedes Mal, wenn sie auf der Strasse sind, kommt jemand vorbei und sagt mal eben Hallo. Viele dieser Gespräche drehen sich um die eigenen Kinder oder die des Gegenübers, um Arbeit, Gesundheit und oft auch um geistliche Fragen. Das geht ineinander über, wie bei der Nachbarin, die sich riesig über ein Gemüsepaket freute, weil sie gerade dabei war, ihre Ernährung umzustellen. Wegen ihrer Krebsbehandlung brauchte sie eine Chemotherapie und wollte die mit gesundem Essen unterstützen. Und sie war dankbar, dass Joe daran Anteil nahm und am Schluss noch für sie betete.

Mit einigen Menschen treffen sich Bollingers inzwischen zum gemeinsamen Bibellesen. Es hat sich so ergeben. Wegen Corona findet es zwar nur virtuell statt, doch das tut der Tiefe der Gespräche keinen Abbruch.

Begegnung auf Augenhöhe

Eine US-Umfrage hat ergeben, dass um die 30 Prozent aller nicht christlich geprägten Menschen durchaus Interesse an einem Gespräch über den Glauben haben – die meisten kennen nur keine Christen. So sind Gartenarbeit und Ernte eine wunderbare Möglichkeit für Joe, sich als Christ vorzustellen – egal ob er seinem Nachbarn einen Sack Bohnen vorbeibringt oder die Obdachlosenküche in der Innenstadt mit frischem Gemüse versorgt. «Ich denke, das Herz des Ganzen ist es, dass sich dadurch Menschen begegnen», sagt Joe. Dann verabschiedet er sich. Er muss noch mal eben in den Garten und Kürbisse holen.

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