Ein Unternehmer setzt sich ein – «Ich lebe meine Berufung»

Oft wird soziales Engagement von Zuwendungen der öffentlichen Hand oder von Spenden abhängig gemacht. Roland Baumann ist überzeugt, als Unternehmer bestmögliche Hilfe bieten zu können.

Oft wird soziales Engagement von Zuwendungen der öffentlichen Hand oder von Spenden abhängig gemacht. Roland Baumann ist überzeugt, als Unternehmer bestmögliche Hilfe bieten zu können.Roland Baumann (55) ist Gründer und Geschäftsführer der Schreinerei «Baumann + Eggimann AG» in Zäziwil. Oft wurde ihm gesagt: «Du bist kein Unternehmer und wirst auch nie einer.» Solche Aussagen trafen ihn. Seine Begabungen entsprachen auch tatsächlich eher denjenigen eines Sozialarbeiters. Trotzdem ist die Firma unter seiner Führung auf 50 Mitarbeitende angewachsen.

Berufen, mit Menschen unterwegs zu sein

Schon in jungen Jahren verspürte Roland Gottes Ruf in seinem Leben, mit Menschen unterwegs zu sein. Als leidenschaftlicher Schreiner war es für ihn das naheliegendste, Menschen in diesem Beruf zu begleiten und zu fördern. Dass er heute äusserst selten in der Werkstatt Hand anlegen kann, war niemals seine Traumvorstellung.

Als die Firma wuchs, musste er einsehen, dass er nur mit seiner jetzigen Aufgabe seiner Berufung gerecht werden konnte. «Es brauchte aber schon das Zureden von Freunden, bis ich endlich entschied, mich auf die administrative Arbeit zu konzentrieren», gesteht Roland ein. Als Geschäftsführer kann er Menschen begleiten und gerade auch schwächeren Personen die Chance zum Vorwärtskommen geben.

Sich der eigenen Grenzen bewusst sein

Für Roland wurde sehr früh klar, dass er ergänzungsbedürftig ist und gerade als Geschäftsmann Unterstützung braucht. Ohne die Beratung eines Freundes wäre seine Schreinerei wohl längst schon Opfer seiner Nächstenliebe geworden. Das Spannungsfeld zwischen unternehmerischem Denken und praktisch gelebter Liebe für Schwächere hat ihm immer wieder sehr zugesetzt. Egal wie nötig ein Entscheid auch sein mag: Eine Absage zu erteilen oder eine Kündigung auszusprechen, verursacht ihm oft mehrere schlaflose Nächte. Doch Roland hat gelernt, dass soziales Engagement am besten funktioniert, wenn es mit intelligentem unternehmerischem Handeln gepaart ist.

Schwachen Menschen eine Chance geben

Heute gibt es teure, durch Steuergelder und Spenden finanzierte Institutionen, welche Menschen in die Berufswelt integrieren. Roland glaubt an eine berufliche Eingliederung innerhalb eines wirtschaftlichen Unternehmens. «Schon immer war mir wichtig, schwächere Personen nicht nur zu beschäftigen, sondern ihnen die Chance zu bieten, einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Es stärkt die Würde des Menschen, wenn sein Tun von anderen geschätzt wird und er sein Geld ehrbar verdient.»

Eine wirtschaftlich ausgerichtete Schreinerei braucht eine Portion Risikobereitschaft, um schwache und angelernte Arbeitskräfte einzustellen. «Es ist unser Ziel, zehn Prozent an Mitarbeitenden einzustellen, ohne dass das wirtschaftliche Interesse im Vordergrund steht», erklärt Roland. «Diese Arbeitsplätze will ich natürlich mit Menschen besetzen, die sich auch verändern wollen.»

Bei Rückschlägen niemals aufgeben

Dass die Einstellung ungelernter und unerfahrener Personen ein Risiko darstellt, versteht sich von selbst. Manchmal funktioniert das gut. Zuweilen ist der Preis aber hoch, manchmal zu hoch. Für Roland wird es besonders schwierig, wenn ein Mitarbeitenden trotz bester Absichten wiederholt Schäden an Material oder Maschinen von bis zu mehreren tausend Franken verursacht. «Natürlich hat es höhere Priorität, das Geschäft von 50 Angestellten zu retten als den Arbeitsplatz eines Einzelnen. In solchen Entscheidungen vergesse ich den Einzelnen aber nicht und leide mit ihm.»

Das Wichtigste ist, bei Rückschlägen nicht aufzugeben. «Selbst wenn wir einer Person nicht helfen können, wollen wir mit unserem Einsatz niemals aufhören.»

Alle Mitarbeitenden sind gefragt

Hilfsbedürftige Mitarbeitende zu tragen, ist immer eine Sache der ganzen Firma. «Ich motiviere meine Leute, sich für Schwächere einzusetzen. Sie müssen bereit sein, auch einmal Überstunden zu leisten, um deren Fehler zu beheben. Aber es lohnt sich, denn durch einen Job kann sich das Leben von Menschen positiv verändern.»

Roland kümmert sich nicht nur um Benachteiligte, sondern investiert sich auch in Fachkräfte und andere Unternehmer. «Jeder kann einen Beitrag leisten, damit sich Menschen positiv verändern können, gerade auch im Beruf.»

Menschen begeistern, Werte vermitteln

Roland Baumann will Menschen dafür begeistern, Werte wie Ehrlichkeit, Zahlungsmoral oder Respekt mit Überzeugung zu leben. Er ist bemüht, dass die finanzielle Rendite nicht der einzige Faktor für seine Entscheidungen ist. «Mir ist es wichtig, zu Gottes Schöpfung Sorge zu tragen und ich lasse ökologische Überlegungen in Entscheide einfliessen.»

Roland versucht, für alle Mitarbeitenden ein offenes Ohr zu haben. Als die Firma kleiner war, ging das einfacher, da er dem Einzelnen mehr Zeit widmen konnte. Doch auch heute ist er bei jedem Mitarbeitenden um eine persönliche Beziehung bemüht. Daraus ergeben sich oft persönliche Gespräche. Mit ein paar Mitarbeitenden betet er regelmässig für Geschäft, Mitarbeitende und Kunden. «Je nach Situation fragen wir die Betroffenen, ob sie Gebet wünschen. Dabei erlebten wir schon sehr eindrückliche Gebetserhörungen.»

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