James Thompson/CT
Henry Breidenbach in einer Kirche in Thailand

Treue im Dienst – Henry Breidenthal – seit 60 Jahren in Thailand

Mission ist für viele ein Projekt, ein Einsatz. Manche leben vier oder gar acht Jahre dafür im Ausland. Der US-Arzt Henry Breidenbach engagiert sich inzwischen seit 60 Jahren in Thailand – zurückkehren will er nicht.

Als Henry Breidenthal 1932 in Kansas City zur Welt kam, wurden die USA gerade von der grossen Wirtschaftskrise heimgesucht und Thailand war noch das Königreich Siam. Heute sitzt der 91-Jährige entspannt im Gottesdienst der «Grace New Life Church» in Chiang Mai, die Pastor Kong leitet, einer seiner zahlreichen Studenten. Als James Thompson ihn für «Christianity Today» interviewt, beschreibt er einen zufriedenen Menschen. Breidenthal hätte als Arzt in den USA gutes Geld verdienen können, er hätte eine Familie gründen können und auf jeden Fall komfortabler leben, als er es aktuell tut. Stattdessen behandelte er Leprakranke, arbeitete im Dschungel, gründete Gemeinden und bildete Generationen thailändischer Pastoren aus.

Der Weg nach Thailand

Als 16-Jähriger entschied sich Breidenthal, sein Leben mit Gott zu gestalten und dachte sehr bald daran, in die Mission zu gehen. Zunächst jedoch studierte er Medizin. Nachdem er sich bei einem Patienten an Tuberkulose angesteckt hatte und fast daran starb, studierte er noch Theologie und kam in Kontakt mit der China-Inland-Mission (heute OMF), die der bekannte Asienmissionar Hudson Taylor gegründet hatte. Dessen Vorbild veranlasste den jungen Mann, nach Thailand auszureisen.

OMF setzte ihn zunächst in einer Arbeit mit Leprakranken ein, nach einem Missionsterm jedoch erhielt er die Genehmigung, sich auch in einem geistlichen Dienst zu engagieren. So zog Breidenthal in den Norden des Landes und arbeitete unter dem Stamm der Mien. Er übersetzte die Bibel, evangelisierte und half medizinisch. Einmal traf er auf eine schwerkranke junge Frau, die von ihrer Familie bereits aufgegeben worden war. Breidenthal trug sie auf seinem Rücken bis zur nächsten Krankenstation, um sie dort zu behandeln. Als er dort ankam, lag sie im Koma. Ihre Familie rechnete nicht damit, die Frau lebendig wiederzusehen, doch nach einer guten Woche konnte sie gesund zurückkehren. Die Frau wurde Christin und ihr Beispiel führte auch andere zum Glauben. Nicht überall war er als Arzt und Missionar willkommen. Oft sollte er nur medizinisch helfen, doch sein Engagement galt immer dem ganzen Menschen.

Eine Ausbildungsstätte für Pastoren

1970 gab es in Thailand keine Möglichkeit, eine anerkannte theologische Ausbildung zu machen. So schloss sich OMF mit der «Christian and Missionary Alliance» zusammen und gründete das «Bangkok Bible College» (BBC). Direktor und zunächst einziger Vollzeit-Angestellter wurde Henry Breidenthal. Zu den ersten Studierenden gehörte Chumsaeng Reong. Dieser wunderte sich damals über die einfachen Räumlichkeiten und die geringe Anzahl an Studenten (die Arbeit begann mit fünf Männern), obwohl «der Doktor», wie ihn alle nannten, solch eine Koryphäe sein sollte.

Heute schaut er dankbar auf diese Zeit zurück und nennt sie «prägend» – in der Folge gründete er Wycliffe Thailand. Heute ist das BBC in mehreren schönen Häusern untergebracht und begleitet vor Ort und online fast 1'000 Thais. Breidenthal gab die Leitung bereits 1977 wieder ab, engagierte sich dort aber bis 1995 als Lehrer. Anschliessend gründete er das «Chiang Mai Theological Seminary» mit heute 150 Studierenden. Zahlreiche thailändische Pastoren haben «mau», den Doktor, als jemanden erlebt, der sie für ihren Dienst ermutigt und befähigt hat.

Einheimische Gemeindegründungen

Immer war es Breidenthal wichtig, dass seine Studierenden das Gelernte in die Praxis umsetzten. So ergab es sich einfach, dass er mit ihnen zusammen auch Gemeinden gründete. Unter dem Namen «New Life» entstanden so etliche Gemeinden, die durch ihre thailändischen Pastoren von Vorneherein unabhängig von westlichen Strukturen waren.

Eine extreme Persönlichkeit

Henry Breidenthal ist in mancher Hinsicht extrem. Wenige Missionare sind so lange in «ihrem» Missionsland. Sein Lebensstil ist einfach und an seine Umgebung angepasst: Er besitzt kein Auto, sondern benutzt öffentliche Verkehrsmittel oder sein Fahrrad – auch mit 91 Jahren. Er hat eine kleine Wohnung und ernährt sich einfach. Regelmässig liest er die Bibel durch – und er tut das unter dem Motto «Ohne Bibel kein Frühstück». Als er zum Glauben kam, verpflichtete er sich, jedes Jahr die Bibel durchzulesen und erst dann Nahrung zu sich zu nehmen, wenn er sich an Gottes Wort sattgegessen hatte. Das behält er bis heute bei.

Breidenthal ist kein Mensch, der einen Raum sofort mit seiner Gegenwart füllt, stattdessen ist er ein bescheidener Mann Gottes. Typisch bei jeder Begegnung mit ihm ist sein «Lass uns erst einmal beten …». Und das tut er – lange und ausgiebig. Er betet für seine Kollegen, die Gemeindemitglieder und die vielen thailändischen Leiter, die er begleitet hat und noch begleitet. Natürlich ist er mit seinen 91 Jahren längst im Ruhestand – aber wer wollte ihm sagen, dass sein Dienst damit zu Ende wäre? Breidenthal ist geprägt von vielen Jahrzehnten in Thailand unter den Menschen, die er liebt. Und er ist geprägt von Jesus Christus und dem Wunsch, «ihn zu erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden, indem ich seinem Tod gleichförmig werde» (Philipper, Kapitel 3, Vers 10).

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