Liebe für die Ungeliebten – Ein Ehepaar adoptiert seit 42 Jahren ausgesetzte Babys

Sie lieben die Kinder, die niemand haben will. Seit 42 Jahren kümmern sich die Chinesen Kong Zhenlan und Fan Bucheng um ausgesetzte Babys. Die ungewollten, oft behinderten Kinder finden bei dem gläubigen Ehepaar eine Familie und ein Zuhause.

Sie lieben die Kinder, die niemand haben will. Seit 42 Jahren kümmern sich die Chinesen Kong Zhenlan und Fan Bucheng um ausgesetzte Babys. Die ungewollten, oft behinderten Kinder finden bei dem gläubigen Ehepaar eine Familie und ein Zuhause.Kong Zhenlan und ihr Mann Fan Bucheng leben im Westen Pekings, in der Provinz Shanxi. Die beiden heiraten 1973 und bekommen vier leibliche Kinder. 1977, die beiden sind 24 Jahre alt, finden sie auf der Strasse ein ausgesetztes Baby. Voller Mitleid nehmen sie es mit nach Hause und ziehen es auf, als wäre es ihr eigenes Kind. Im Laufe der Jahre adoptiert das Paar 32 weitere Babys, die niemand haben will, viele davon körperlich und geistig behindert.

Vom Staat verachtet

Doch einfach ist das für das chinesische Ehepaar nie. «Bevor die Kommunisten die Macht an sich rissen, wurden noch Kinder adoptiert, die Kirche im Ort kümmerte sich darum. Doch die Kommunisten blockierten Werke der Barmherzigkeit. Sie wollten nichts mit Nächstenliebe zu tun haben», erinnert sich die gläubige Christin Kong Zhenlan. «Es gab so viele ausgesetzte Babys, aber keine Waisenhäuser. Und weil jeder nur ein Kind haben durfte, wurden behinderte Kinder besonders oft entsorgt.» Das Ehepaar nimmt jedes Baby auf, das es findet und versucht, den ungewollten Kindern ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Doch das kommt im kommunistischen China nicht gut an.

Bis 1982 bewirtschaftet die Familie ihr eigenes Land, dann wird das Ehepaar wegen Verstoss gegen die Ein-Kind-Politik enteignet. Fan Bucheng muss sich nun als Wanderarbeiter durchschlagen. Die Polizei und die Behörden verachten das christliche Ehepaar, das einen so ungewöhnlichen Weg geht. 

Kong Zhenlan erinnert sich: «Oft kamen bewaffnete Truppen zu uns, um uns einzuschüchtern. Anfangs hatte ich noch Angst, aber dann nicht mehr. Einmal haben mir zwei junge Polizisten mitten auf der Strasse auf den Kopf und ins Gesicht geschlagen. Aber ich sah sie an und sagte: 'Schlagt mich nur so viel ihr wollt. Ich weiss, dass ich das Richtige tue.'»

«Wir verdanken ihnen alles!»

Auch bei der Adoption legen die Behörden dem Paar lange Steine in den Weg. «Wie kann man jemanden adoptieren, den es offiziell gar nicht gibt? Doch die Kinder brauchen Papiere, sonst können sie nicht in die Schule gehen», so Kong. Inzwischen drücken die Behörden gern ein Auge zu, weil das Ehepaar die Staatskassen entlastet. Offiziell darf man nur drei Kinder adoptieren, in dem Sinne handeln Kong und Fan illegal. Vom Staat bekommen sie keinerlei Unterstützung. Nachbarn helfen mit Lebensmitteln, gebrauchten Kleidern und manchmal auch Geldspenden.

Inzwischen sind Kong und Fan 66 Jahre alt. Elf ihrer Kinder sind heute selbständig und haben eigene Familien gegründet. Sie unterstützen ihre Adoptiveltern bei ihrer Aufgabe. «Wir verdanken ihnen alles», sagt eines der heute erwachsenen Kinder. «Ohne sie hätten wir wahrscheinlich kein Leben gehabt.» 

Geprägt von Gottes Liebe

Ein leiblicher Sohn, Anthony Fan Changliang, ist inzwischen Priester. Er erinnert sich, was seine Eltern antrieb, wenn es schwer war: «Meine Mutter wurde von ihren Eltern im Glauben erzogen. Daran hat sie festgehalten, auch in den Jahren der Verfolgung. Mir sagte sie immer wieder: 'Die Armen lieben, heisst Jesus lieben. Jedes dieser Kinder ist dein jüngerer Bruder, ein kleiner Jesus. Wenn wir uns unserer kleinen Brüder annehmen, nehmen wir uns Christi an.»

Wenn man ihn heute fragt, wie viele biologische und wie viele adoptierte Geschwister er hat, antwortet er: «Wir sind alles Geschwister, ohne Unterschied. Es ist ein Segen, dass meine Eltern diese Kinder lieben können mit einer Liebe, die ihnen Gott geschenkt hat.» Und Fan Bucheng fügt hinzu: «Es ist ein anstrengendes Leben, aber wir sind froh, dass wir uns um diese Kinder kümmern können. Wir sind glücklich so.»

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