Bruno Grabers Vermächtnis – Auch Schwerverbrecher haben eine Menschenwürde

Bruno Graber hat sich einen Namen als Gefängnisdirektor gemacht, für den auch Gefangene aufgrund von schweren Verbrechen eine menschliche und respektvolle Behandlung verdienen. Die Triebfeder für ihn ist sein christlicher Glaube.

Bruno Graber hat sich einen Namen als Gefängnisdirektor gemacht, für den auch Gefangene aufgrund von schweren Verbrechen eine menschliche und respektvolle Behandlung verdienen. Die Triebfeder für ihn ist sein christlicher Glaube.

Bruno Graber dürfte als einer der bemerkenswertesten Gefängnisdirektoren in die Geschichte des Schweizer Strafvollzugs eingehen. Ein Grund, dass er jetzt – einige Wochen vor seiner Pensionierung als Direktor des Zentralgefängnisses Lenzburg – über seine Haltung und seine Prinzipien im Strafvollzug von TV-Sender TeleM1 sowie von SRF3 befragt wurde.

Wertschätzung auch für Räuber und Mörder

Aus seinen Überzeugungen – auch seinem Glauben – hat Graber nie ein Geheimnis gemacht. Es gibt dazu eine eindrucksvolle Zahl von Sendungen und Artikeln, die er auch auf seiner privaten Homepage dokumentiert. Seine christliche Lebensphilosophie setzt der ehemalige Gemeindeleiter der Freien Missionsgemeinde Zofingen / Strengelbach eindrücklich in die Tat um. Es sei ihm wichtig, dass auch die Gefangenen Wertschätzung erfahren, sagte der frühere Leiter des Sicherheitstrakts in Lenzburg. Natürlich dürfe man angesichts der verübten Taten nicht blauäugig sein, sagte Graber auf die Rückfrage des Moderators Cavalli. Man müsse Sicherheitsmassnahmen treffen. Es bringe aber nichts, jemand wegen einer schlimmen Tat schlechter zu behandeln als andere.

Den Vierfachmörder anständig behandeln?

Ob dies auch für den Vierfachmörder von Rupperswil gelte, bohrte Cavalli nach. Das sei gewiss nicht einfach, bestätigte Graber. Mit dem Vierfachmörder habe er regelmässig Gespräche geführt, und ihn auch gefragt, wie es ihm geht.

Aber hat es jemand, der anderen so viel Leid angetan hat, auch mit Blick auf die Opfer wirklich verdient, so gut behandelt zu werden, bohrte Cavalli laut eines Berichts in der Aargauer Zeitung nochmals nach. Die meisten Gefangenen kämen irgendwann wieder auf freien Fuss, dann zahle sich das aus, konterte Graber: Die Gefangenen müssten erreichen, dass man vor ihnen keine Angst mehr haben muss.

Zwischen Täter und Mensch unterscheiden

Gegenüber dem Magazin INSIST (4/15) sagte Graber unlängst zur Frage, ob der Mensch vom Täter zu unterscheiden sei: «Ja, ich unterscheide zwischen Tat und Täter, auch wenn mir das manchmal bei Veröffentlichungen von einigen Lesern angekreidet wird. Ich spreche zum Beispiel nicht von einem 'Mörder', sondern von einem Menschen, der einen Mord begangen hat. Ich finde es falsch, einen Menschen nur auf eine Sequenz in seinem Leben zu reduzieren. Wir würden es auch nicht als gerecht empfinden, einen Menschen immer als 'Lügner' zu bezeichnen, weil er einmal gelogen hat. Es würde ihn dazu drängen, sich immer wieder als 'Lügner' zu sehen und zu betätigen. Es ist mir sehr wichtig, diesen Unterschied zu machen und diesen Menschen damit eine positive Perspektive zu geben. Auch ein 'Mörder' kann viele gute Seiten in seiner Persönlichkeit haben. Ich – aber auch die Mitarbeitenden, die mit mir am gleichen Strick ziehen – werden mit dieser Unterscheidung oft im ersten Moment nicht verstanden.»

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