Diskutieren oder lieben? – Zehn heiss diskutierte Themen, die im Himmel völlig egal sind

Gewisse Themen werden immer ein Streitpunkt zwischen Christen sein und bleiben. Doch ist das wirklich notwendig? Autorin und Bloggerin Jennifer Maggio über zehn Themen, über die es sich nicht zu streiten lohnt.
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Freiheit bedeutet zu wissen, wer ich in Jesus Christus bin, und fähig zu sein, Dinge loszulassen. Es bedeutet, sich zu weigern, beleidigt durch die Welt zu gehen und stattdessen schnell zu vergeben. Es bedeutet, langsam zum Reden und noch viel langsamer zum Zorn zu sein. Und es ist das befreiende Gefühl zu wissen, dass ich nicht immer Recht haben muss.

Es gibt viele Dinge, über die Christen sich streiten. Scheinbar sind wir bekannter für die Themen, über die wir streiten, als dafür, dass Jesu Liebe uns eint. Doch das meiste davon ist unwichtig.

Eine Warnung vorweg

Vermutlich werde ich auch bei Ihnen einen Nerv treffen, vielleicht bei einem Thema, das Ihnen sehr zu Herzen geht. Und natürlich ist biblische Interpretation sehr wichtig. Christen entscheiden sich auf der Grundlage der Bibel und ihrem Verständnis davon für gewisse Traditionen. Ich möchte einfach nur zeigen, dass egal, wie studiert wir sind und egal, ob wir die genaueste Interpretation der Bibel haben, vieles von dem, über das wir streiten, nicht mehr wichtig sein wird, wenn wir vor unserem König stehen. Wir sollten mehr Zeit damit verbringen, andere zu lieben, als mit ihnen zu debattieren.

Lobpreis-Stile

Alte Choräle vs. neue Worshiplieder. Dreistündiger Gottesdienst mit anschliessendem Mittagessen vs. einstündiger Abendgottesdienst. Traditionelle Sonntagskleidung vs. Jeans und T-Shirt: Wir streiten über alles. Gottesdienste weltweit sind so unterschiedlich wie wir selbst. Was Ihnen normal erscheint, ist für andere völlig neu und ungewohnt. Doch solange wir den einen wahren Gott anbeten, ist es doch egal, in welcher Reihenfolge Gebet, Lieder, Predigt und Segen kommen – oder ob sie überhaupt Teil des Gottesdienstes sind. Im Himmel werden wir über diese Reihenfolge bestimmt nicht mehr streiten.

Tanz

Ich bin in einer Gemeinde aufgewachsen, in der wir Kirchen-Bälle und Tänze veranstalteten. Später besuchte ich eine Kirche, in der Tanzen komplett verboten war. Jahre später war ich Teil einer Kirche, in der die Menschen ihre Anbetung mit Liedern und Tanz ausdrückten. Ich glaube nicht, dass Gott Menschen wegen des Tanzens in die Hölle schicken wird…

Alkohol trinken

Dürfen Christen ein Glas Wein trinken? Oder Bier beim Fussball? Die Trink-Debatte gab es wohl schon immer. Ja, Alkohol zu trinken, kann nicht nur unserem Körper, sondern auch unserem Zeugnis schaden. Und jede Gemeinde hat einen anderen Standpunkt dazu. Aber auch hier glaube ich, dass wir dieses Thema im Himmel nicht mehr diskutieren werden.

Die Entrückung

Vor der grossen Trübsal? Hinterher? Überlegen Sie einfach mal: Wenn wir im Himmel sind, werden die Details darüber, wann wir jetzt genau entrückt wurden, egal sein. Wir werden einfach dort sein.

Kultur

Wir streiten über fast alles Kulturelle. Wer trägt welche Kleidung? Wer liest was? Schreibt dieser Autor wirklich über Jesus oder ist es nur Selbsthilfe? Ist jener Sprecher wirklich Christ? Welche Autoren sind falsche Propheten? Ich verstehe es: Es ist wichtig, welche Musik wir hören, welche Bücher wir lesen oder welchem Pastor wir Glauben schenken. Doch darüber zu streiten, welche Kirche nun wirklich gut ist oder welcher Sprecher ein Wolf im Schafspelz ist, kann sehr ermüdend sein.

Facebook
Jennifer Maggio

Soziale Medien

Traditionelle Christen debattieren darüber, ob man überhaupt Soziale Medien nutzen sollte. Andere stellen die Frage, wofür wir sie nutzen. Ist es in Ordnung, einfach nur Fotos der Kinder zu posten? Oder muss jeden Tag ein evangelistischer Spruch veröffentlicht werden? Sollten wir uns in Diskussionen einlassen mit Leuten, die gegen unsere Einstellung sind? Ich habe noch nie erlebt, dass eine solche Diskussion auf Facebook wirklich geklärt wird. Ist es wert, durch so eine Debatte einen Bruder oder eine Schwester in Christus zu verlieren? Ist es wert, einen Freund zu verlieren, den ich eigentlich zu Jesus führen sollte? Würde Jesus dasselbe schreiben wie ich?

Unterschiede zwischen Gemeindeverbänden

Ich wurde in dem Verständnis aufgezogen, dass unsere Kirche die einzig «wahre» war. Wie überrascht war ich, als ich später Freunde aus anderen Gemeindeverbänden traf, die sich auch Christen nannten. Ich arbeite seit zehn Jahren mit unterschiedlichsten Verbänden und bin zum Schluss gekommen: Der Name einer Kirche oder Denomination wird im Himmel keine Rolle spielen. Wir werden dort gemeinsam Gott anbeten und irgendwie werden die Trennlinien einfach verschwinden.

Gute Taten

Wir wissen, dass uns gute Taten nicht in den Himmel bringen, aber trotzdem wollen wir oft, dass andere von unserem Einsatz erfahren. Wir erstellen schnell eine innere Liste – wie oft habe ich schon im Kindergottesdienst geholfen und Sandra hat nichts gemacht. Aber vielleicht konnte Sandra wegen einer Familienverpflichtung nicht oder sie kämpft heimlich mit Unsicherheiten und setzt sich dadurch nicht so ein… Glaube ohne Taten ist tot (Jakobus, Kapitel 2, Verse 14-26). Anderen zu dienen, ist aus vielen Gründen wichtig. Aber im Himmel werden wir nicht darüber reden, wie viele Stunden wir anderen gedient haben.

Geld

Welcher Pastor verdient zu viel? Sollte man den Zehnten geben? Für was darf man Geld ausgeben? Kommen nur die Armen in den Himmel? Ist Ihr reicher Chef wirklich Christ? Wir sind irgendwie besessen mit unserem Geld, dem Geld von anderen, dem Geld der Kirche. Letztlich ist das alles egal. Alles gehört unserem himmlischen Vater. Seine Ressourcen sind unendlich.

Unser Mund

Im Himmel besteht nicht mehr die Notwendigkeit, in allem Recht zu behalten. Auch nicht die Notwendigkeit, dass sich alle unserer christlichen Sichtweise unterstellen. Wir werden vor dem König stehen und uns vor seiner Majestät verbeugen. Es wird so gut sein, nicht mehr «Ich hab es dir doch gesagt» sagen zu müssen. Denn der Moment vor Jesus wird zu umwerfend sein, zu wichtig.

Ich habe durchaus eine Meinung zu fast allen dieser zehn Themen. Doch ich merke, dass sie wirklich nicht wichtig sind. Leben Sie ein Leben der Liebe. Und zeigen Sie diese Liebe von Jesus durch Ihre Taten, nicht durch Diskussionen.

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