Kirche als Brücke – Ethnien, Geschlechter und sozialer Stand

Es gilt heute wie damals: Der einzige Ort, an dem in der Antike der Ausbruch aus den eigenen Bubbles geschah, war in der Kirche. Auch heute sind christliche Gemeinden der Ort – vielleicht sogar der einzige –, wo Einheit in Vielfalt entstehen kann.
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Die Kirche sollte möglichst vielfältig werden - oder noch besser: sein!

Wir wissen nicht viel über die meisten der 26 Personen, die Paulus in der Bibel, in Römer Kapitel 16, auflistet. «Aber was diese Namen zeigen, ist, dass die frühe Gemeinde bemerkenswert vielfältig war. Sie offenbaren die Einheit in der Vielfalt in drei Bereichen», erklärt J.D. Greear, Leiter der «Summit Church» in Raleigh-Durham, North Carolina, die über 9'000 Mitglieder zählt.

1. Die Namen zeigen ethnische Vielfalt

Einige der Namen sind jüdisch, andere nichtjüdisch. Die Personen stammen aus dem Nahen Osten, Asien und Europa. J. D. Greear: «Die Tatsache, dass Juden und Heiden in einer Gemeinde zusammenkamen, führte zu allerlei kulturellen und politischen Problemen, mit denen sich Paulus im Römerbrief wiederholt befasste.»

Doch die Christen wurden nicht in getrennte, ethnische Gemeinden aufgeteilt: «Paulus wusste, dass es ein wichtiges Zeugnis für das Evangelium war, wenn diese Gläubigen ihre Einheit in einer Gemeinde demonstrierten. Wenn wir das heute wirklich glauben, dann veranstalten wir nicht nur multiethnische Veranstaltungen – sondern wir leben ein multiethnisches Leben. Die multiethnische Einheit an den Wochenenden entsteht durch multiethnische Freundschaft während der ganzen Woche.»

2. Verschiedene gesellschaftliche Schichten

Einige der Leute verfügten über beträchtliche Mittel, wie Aristobulos und Narziss. Manche vermuten, dass Aristobulos der Enkel von Herodes dem Grossen war, und Paulus erkennt Erastus als Stadtkämmerer an.

Andere Namen wie Rufus und Urbanus waren gebräuchliche Sklavennamen. «Doch in der frühen Kirche sassen sie alle gleichberechtigt zusammen. Könige und Sklaven begegneten sich auf Augenhöhe.»

3. Frauen und Männer sind vertreten

Von den 26 genannten Namen sind neun Frauen. «Für die Leser in der Antike wäre es schockierend gewesen, überhaupt Frauen einzubeziehen – geschweige denn eine so bedeutende Anzahl.» Paulus lobt diese Frauen nicht nur. «Er bezeichnete sie als Mitarbeiterinnen. Sie waren unentbehrlich in der Arbeit der Urkirche.»

J.D. Greear analysiert weiter: «Phoebe war die Überbringerin des Römer-Briefes.» Und sie war sogar dazu berufen, alle Fragen zu beantworten, welche die Empfänger dazu hatten. «Sie muss also die Theologie dieses Briefes genauso gemeistert haben wie der Apostel Paulus!» Und Prisca war die Mentorin des bekannten Predigers Apollos.

Frauen wie Prisca und Phoebe waren nicht einfach ein wenig in die frühe Kirche «involviert», indem sie Papier-Kopien anfertigten und Kaffee für die Männer besorgten, während diese Männer die «wirkliche Arbeit» ausführten. Im Gegenteil: Diese Frauen waren prominent und sehr einflussreich. Sie machten Jünger und leiteten mit.

Und heute?

In der westlichen, säkularen Gesellschaft scheinen wir heute mehr denn je nicht mehr in der Lage zu sein, um uns in etwas anderem als in der eigenen Bubble, der eigenen Bezugsgruppe zu bewegen. Je nach Thema ist man gar der Cancel-Culture unterworfen.

Die christlichen Gemeinden können da einen vorzüglichen Kontrapunkt setzen. J. D. Greear: «Der einzige Ort, an dem dies in der Antike geschah, war in der Kirche. Und ich bin überzeugt, dass die Ortsgemeinde immer noch der einzige Ort ist, an dem diese Art von Einheit in Vielfalt entstehen kann. Es ist eine Einheit, für die ich täglich bete, eine Einheit, die Gott sich wünscht, und eine Einheit, die Gott denen versprochen hat, die demütig genug sind, ihn sein Werk tun zu lassen.»

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