Schöpferische Kraft – Wie Kreativität die Welt verändert

Ehrfurcht vor der Schöpfung ist etwas Gutes. Wenn sie so gross ist, dass sie uns daran hindert, selbst kreativ zu werden, ist sie allerdings fehlgeleitet. Tatsächlich hat Gott seine Kreativität in jeden Menschen hineingelegt.
envato/ MyLove4Art
Kreativ sein

Es könnte am 30. Dezember 1502 gewesen sein. Weihnachten war gerade vorbei, die Verwandten hatten sich verabschiedet und auf den Heimweg gemacht und das Haus wurde still. Leonardo wollte eigentlich früh schlafen gehen und schloss gerade die Haustür, da sah er die Nachbarin lächelnd aus deren Fenster schauen. Eine Idee zuckte durch seinen Kopf. «Lisa», rief er, «komm doch gerade mal rüber. Ich glaube, ich muss heute Abend noch ein berühmtes Bild malen…»

Natürlich ist es allen klar, dass die Mona Lisa, das bekannteste Kunstwerk der Welt, so nicht entstand. Gleichzeitig ranken sich immer noch Mythen darum, was Kreativität ist und wie kreative Prozesse ausgelöst werden. Wenn echte Genies bei der Arbeit sind, dann entstehen «Der Schrei» von Edvard Munch, «Der alte Mann und das Meer» von Ernest Hemingway, «Der Denker» von Auguste Rodin oder das «Weihnachtsoratorium» von Johann Sebastian Bach. Und bei dir und mir? Da entsteht keine Kunst, weil wir nur bedingt kreativ sind. Das ist allerdings ein sehr enger Begriff von Kreativität, der dem Ansatz der Bibel kaum gerecht wird, dass wir als Menschen nicht nur Geschöpfe Gottes sind, sondern seine Ebenbilder – auch bei schöpferischen Prozessen. Kreativität ist mehr als Kunst. Sie löst Probleme, findet neue Wege und verändert das Leben und seine Umstände.

Kreativität verändert die Welt

Es gibt Fotos, die den Lauf der Geschichte mit beeinflusst haben: Robert Capas ikonisches Bild eines Soldaten im spanischen Bürgerkrieg genauso wie das Bild von Nick Ut in Vietnam, der Kim Phúc fotografierte, die nackt vor einem Napalmangriff flieht. Es gibt Bücher, die das Denken der Welt geändert haben wie «Onkel Toms Hütte», in dem die Christin Harriet Beecher Stowe ihr Plädoyer gegen die Sklaverei für andere greifbar machte. Kunst kann Augen öffnen, Herzen bewegen und Veränderung bringen.

Doch es gibt nicht nur diese grossen, lebensverändernden Kunstwerke. Es gibt genauso kreatives Denken, das Einfluss auf die Realität nimmt. Wenn du dir Wege überlegst, wie du Gottes Liebe in deinem Alltag konkret umsetzen kannst, ist das so, als ob du beim Einkaufen immer wieder vom Bürgersteig abweichst und einen Trampelpfad über die Wiese anlegst: Erst ist da nichts, doch irgendwann ist es ein Weg, den alle sehen und den viele mitgehen. Das ist keine Kunst, aber es ist kreativ und es ist verändernd. Vielleicht sind es «nur Worte», doch Lord Byron meinte dazu: «Worte sind Dinge, und ein kleiner Tropfen Tinte, der wie Tau auf einen Gedanken fällt, erzeugt etwas, das, Tausende, vielleicht Millionen, darüber nachdenken lässt.»

Kreativität löst Probleme

Kreativität beschäftigt sich also nicht in erster Linie mit dem «Wahren, Guten und Schönen», sondern dient zum Beispiel dazu, Probleme zu lösen. Als das Team der Mondlandemission «Apollo 13» nach einer Explosion so schnell wie möglich zur Erde zurückgeholt werden musste, gab es ein Problem mit der Sauerstoffversorgung in der Raumkapsel, die sich mit den vorhandenen Ersatzteilen scheinbar nicht reparieren liess. Der zuständige NASA-Leiter schaffte eine Kiste mit allen vorhandenen Teilen herbei und leerte sie vor seinen Ingenieuren aus. «Finden Sie etwas, das passt!», war sein Auftrag. Das Ergebnis war kein Kunstwerk, aber eine lebensrettende kreative Lösung.

Kreativität lässt uns wachsen

Joseph Beuys behauptete: «Jeder Mensch ist ein Künstler.» Dabei musst du noch nicht einmal Künstler sein, um kreativ zu werden, denn Kreativität gehört zum Menschsein dazu. Der US-Schriftsteller Kurt Vonnegut meinte dazu: «Praktiziere jede Kunst, Musik, Gesang, Tanz, Schauspiel, Zeichnen, Malen, Bildhauerei, Poesie, Belletristik, Essays, Reportagen, egal ob gut oder schlecht, nicht um Geld oder Ruhm zu bekommen, sondern um dein eigenes Werden zu erfahren, um herauszufinden, was in dir steckt und deine Seele wachsen zu lassen.» Manchmal ist es dazu nötig, dass du dich von falschen Erwartungen verabschiedest. Du musst weder die Welt retten noch die Neuversion der Mona Lisa malen. Werde trotzdem kreativ. Das Ziel ist kein perfektes Kunstwerk, sondern das Wachsen deiner Seele. Wenn wir dadurch wachsen, neue Wege finden, die Welt zu sehen, und uns daran erinnern, dass wir lebendig sind, dann brauchen wir diese Schöpfungsenergie Gottes, die wir Kreativität nennen, für uns selbst und die Welt um uns herum.

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