Weihnachtsmusik – «Halleluja» zum Advent: Händels «Messias»

Der «Messias» gehört zu den bekanntesten Beispielen geistlicher Musik weltweit – gerade mit dem grossen «Halleluja». Vielerorts wird er in der Adventszeit aufgeführt. Das Oratorium hat eine interessante Geschichte.
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Chor

Der «Messias» gehört zu den bekanntesten Beispielen geistlicher Musik weltweit – gerade mit dem grossen «Halleluja». Vielerorts wird er in der Adventszeit aufgeführt. Das Oratorium hat eine interessante Geschichte.

Nur neun Tage soll Georg Friedrich Händel gebraucht haben, um sein Mammutwerk zu komponieren: den «Messias». Händel arbeitete schnell und er verwendete beim Schreiben durchaus Bausteine voriger Kompositionen, die er in sein neues Werk einfügte, doch so schnell war er nun doch nicht. Höchstwahrscheinlich begann er seine Arbeit am 22. August 1741 und schloss sie am 12. September ab – was mit 24 Tagen immer noch sensationell kurz ist.

Doch dass es das beliebteste Oratorium des Komponisten wurde, hat andere Gründe. Schon bei seiner Erstaufführung in Dublin überschlug sich die Presse: «Dieses Oratorium übertrifft alles, was in dieser Art je in diesem oder einem anderen Königreich aufgeführt wurde!» Bis heute ist es aus dem Konzertrepertoire der Weihnachtszeit nicht mehr wegzudenken.

Vom Konkurs in die Kirche

Händel (1685–1759) kam im gleichen Jahr wie Johann Sebastian Bach in Halle an der Saale zur Welt. Nach einer glänzenden Musikerkarriere in Deutschland und einer Studienreise durch Italien ging er 1712 nach England und wurde dort nicht zuletzt durch seine «Wassermusik» sehr populär. Er galt als inoffizieller Nationalkomponist. Das zeigte sich auch im Geldbeutel und am Lebenswandel des bekannten Opernkomponisten. Er verdiente ausgesprochen gut und war für seine Frauengeschichten und seinen immensen Appetit bekannt – Menüs für vier Personen soll er allein gegessen haben.

Doch der Konkurrenzdruck an den britischen Opernhäusern war immens und die Produktionen mit ihren zahlreichen Solistinnen und Solisten, ihren aufwendigen Bühnenbildern und Kostümen, verschlangen Unsummen. So kam Händel nach einigen finanziellen Fehlschlägen auf die Idee, es mit leichter realisierbaren Oratorien zu versuchen. Sein Vorteil und auch gleichzeitig das Hauptproblem war dabei, dass es aufgrund der Distanz zur katholischen Kirche im anglikanischen England noch keine Oratorien gab. Das änderte Händel durch seine immerhin 32 Oratorien zu hauptsächlich biblischen Themen gründlich.

Die Schwierigkeiten des Oratoriums

Händel konnte bei den Oratorien auf italienische Diven verzichten – stattdessen stellte er britische Sängerinnen und Sänger ohne grosse Kostüme auf die Bühne. Er wertete den Chor erheblich auf, verbannte die damals noch weit verbreiteten Kastraten weitgehend aus den Heldenrollen und stellte den Tenor, der bis dahin meist für die Rolle des Schurken reserviert war, in den Mittelpunkt. Auf diese Weise hatte er bereits einige Oratorien geschrieben: «Saul» oder auch «Israel in Egypt». Die szenischen Stücke in drei Teilen kamen gut an.

1741 realisierte der englische Grossgrundbesitzer und Mäzen Charles Jennens, dass Händel in der laufenden Saison noch an keinem Stück arbeitete und schlug ihm ein Oratorium über das Leben von Jesus vor. Ein singender Jesus auf der Bühne wäre damals nicht möglich gewesen, dies umschifften die beiden in der Vorbereitung, indem sie die Handlung grossteils aus alttestamentlichen Prophetien der King-James-Bibel und Texten des «Book of Common Prayer» zusammensetzten. Während Bach in Deutschland das Matthäusevangelium vertonte, erzählte Händel die Geschichte von Jesus' Geburt anhand des Alten Testaments, die Passionsgeschichte im zweiten Teil fast nur mit Texten von Jesaja und aus den Psalmen, und den dritten Teil über die Erlösung der Menschheit aus den Paulusbriefen.

Taktisch missionarisch

Während sich heute manche fragen, was ein kirchliches Werk wie der «Messias» in einer Konzerthalle zu suchen hat, hatte es für Händels Zeitgenossen keinen Platz in einer Kirche oder Kathedrale. Zu sehr war der Komponist als Lebemann und «Show-Star» bekannt. Um weitere Schwierigkeiten zu vermeiden und trotzdem geschulte Kirchenchöre einsetzen zu können, versprach Händel die Einnahmen der Premiere im April 1742 Gefängnissen, Armen- und Krankenhäusern.

Trotzdem begleiteten Skandalgeschichten den Start des Oratoriums – und trugen gleichzeitig zum öffentlichen Interesse daran bei. Die Solistin Susannah Cibber ging damals gerade durch einen anrüchigen Scheidungskrieg. Als sie bei der Premiere die Arie «He was despised…» (Verachtet war er, Jesaja, Kapitel 53, Vers 3) sang, erhob sich ein Pfarrer im Publikum und rief begeistert: «Frau, dafür sollen dir all deine Sünden vergeben werden!» Überhaupt waren die Reaktionen überschwänglich und begeistert. Sie festigten Händels Ruhm als eines der grössten Komponisten des Barocks und schon bald wurde der «Messias» weltweit aufgeführt. Als ein Verehrer meinte, dass er damit wohl gut verdienen würde, konterte Händel jedoch: «Mylord, ich würde sehr bedauern, wenn ich meine Zuhörer nur unterhalten hätte. Ich möchte sie zu besseren Menschen machen!»

Selten wird der vielstündige «Messias» heute komplett aufgeführt, meist beschränkt sich dies auf den ersten Teil zusammen mit dem «Halleluja», das eigentlich den zweiten beschliesst. In dieser Form gehört er zu den bekanntesten Musikstücken überhaupt – weit über die Adventszeit hinaus. Dabei spielt es auch längst keine Rolle mehr, ob es sich eher um Kirchenmusik für den Konzertsaal handelt oder doch um eine konzertante Oper für die Kirche. Der «Messias» berührt einfach Menschen – bis heute.

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