Missionarisch umziehen – Warum vielleicht keine bessere Wohnung dran ist

Umziehen gehört zum Alltag dazu. Das Ausziehen bei den Eltern. Die erste eigene Wohnung. Dann folgt eine grössere Wohnung und irgendwann das eigene Haus. Oder könnte es sein, dass Gott etwas völlig Anderes möchte?
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Umzug

Umziehen gehört zum Alltag dazu. Das Ausziehen bei den Eltern. Die erste eigene Wohnung. Dann folgt eine grössere Wohnung in besserer Umgebung und irgendwann das eigene Haus. Oder könnte es sein, dass Gott etwas völlig Anderes möchte?

Mehr als elf Millionen Deutsche ziehen pro Jahr in ein neues Zuhause um. Das bedeutet eine Umzugsquote von 17 Prozent. Die Gründe dafür sind vielfältig: Das Gründen eines eigenen Hausstandes, das Umziehen zu einem Lebenspartner, das Wechseln der Arbeitsstelle.

Unausgesprochen steht hinter dieser Bewegung eine Erwartung: die nach Aufwärtsmobilität. Denn niemand möchte sich von einer Wohnung zur nächsten verschlechtern. So ist es relativ selbstverständlich, dass sich von Umzug zu Umzug etwas verbessert – die Nachbarschaft, die Gegend, die Landschaft, die Quadratmeterzahl, die Ausstattung und schliesslich natürlich die Frage nach dem Eigentum.

Die Berufungsfrage

Eine weitere Frage für Christen ist die nach Gottes Berufung, nach seinem Plan. Schnell wird hier die Aufwärtsmobilität zum Massstab. So in der Art: «Wir haben für eine bessere Wohnung gebetet und Gott hat sie uns geschenkt…» Doch was ist, wenn Gott etwas ganz Anderes vorhat? Was ist, wenn sein «besser» nicht so aussieht wie unseres?

- Ist eine bessere Wohnung tatsächlich die in einer wohlhabenderen Umgebung? Was, wenn Gott möchte, dass wir enger verbunden sind mit den Nöten ärmerer Menschen?

- Ist eine bessere Wohnung tatsächlich die mit besseren Schulen in der Nähe? Was, wenn Gott möchte, dass wir und unsere Kinder in einer Schule bleiben, die von wohlhabenden bürgerlichen Christen eher gemieden wird?

- Ist eine bessere Wohnung tatsächlich die mit einem geringeren Ausländeranteil in der Nachbarschaft? Was, wenn Gott möchte, dass wir Teil einer Wohnumgebung werden, in der «multikulti» der Normalzustand ist?

- Ist eine bessere Wohnung tatsächlich die mit weniger Kriminalität oder Gewalt in der Umgebung? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Was, wenn Gott möchte, dass wir Sicherheitsdenken und Vorurteile aussen vor lassen?

Sicher gibt es Umgebungen, die so extrem sind, dass wir unsere Familie nicht dorthin bringen wollen. Aber seien wir einmal ehrlich: Das ist die absolute Ausnahme. Meistens wollen wir uns einfach verbessern, wollen das erleben, was uns die Werbung verkündet und mindestens so erfolgreich sein wie unsere Nachbarn, die Müllers.

Das Jesusbeispiel

Es ist nicht jedem sofort klar, aber auch Jesus selbst ist umgezogen. Er verliess die Herrlichkeit bei Gott, um zu uns auf die Erde zu kommen. In normale, wenn nicht ärmliche Verhältnisse. Um Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, die behindert waren, ausgestossen, Bettler, krank oder auf irgendeine Weise Randexistenzen. Kann es sein, dass Nachfolge bei diesem menschgewordenen Gott anders aussieht, als es zunächst scheint?

«Obwohl er in jeder Hinsicht Gott gleich war, hielt er nicht selbstsüchtig daran fest, wie Gott zu sein. Nein, er verzichtete darauf und wurde einem Sklaven gleich: Er wurde wie jeder andere Mensch geboren und war in allem ein Mensch wie wir» (Philipper, Kapitel 2, Vers 6-7).

Die tatsächlichen Möglichkeiten

Planen Sie gerade Ihren nächsten Umzug? Dann heisst das für Sie: Überlegen Sie einmal ausserhalb der sonst üblichen Norm, was bei Ihnen «dran» ist. Möglicherweise sollen Sie tatsächlich in eine möglichst gute, reiche, scheinbar bequeme Nachbarschaft ziehen. Nicht, weil da alles besonders einfach wäre, sondern weil Sie da Ihren Auftrag haben. Bauen Sie dort mit an Gottes Reich – und schlagen Sie immer wieder Brücken zu denen, die auf der Schattenseite der Welt aufwachsen. Die meisten von uns bleiben da, wo sie sind – und das ist gut so. Dort kennen wir unsere Nachbarn und sind eingebunden in tragfähige Beziehungen. Wenn wir dort wirklich eingebunden sind, ist «Verbesserung» gar nicht sonderlich attraktiv. Es geht vielmehr darum, Glauben, Gerechtigkeit und Liebe in unserem bestehenden Umfeld auszuleben.

Andere allerdings sind dazu berufen, unter Ärmeren zu arbeiten. Das bedeutet, auf Auswege aus schwierigen Wohnsituationen zu verzichten! Wir binden damit unser Wohlbefinden an das unserer Nachbarn. Was sie betrifft hat auch Auswirkungen auf uns. Ziel ist es, die Gebrochenheit und Ungerechtigkeit um uns herum zu überwinden, um auch Ärmeren die gute Nachricht zu bringen. All diese Umgebungen und Möglichkeiten sind Chancen, die Gott uns gibt. Problematisch wird es nur, wenn wir uns von vornherein darüber im Klaren sind, dass nur eine persönliche Verbesserung der richtige Weg sein kann. Vom Villenviertel bis hin zum Slum kann Gott sagen: «Hier möchte ich dich haben.» Sind wir dazu bereit?

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