Leben als Christ – Mythos Berufung – 3 Fehler, die Sie vermeiden sollten

«Berufung» ist ein grosses Wort. Und es gibt Missverständnisse, die man unbedingt vermeiden sollte, wenn man sich fragt, was man mit seinem Leben anfangen soll.
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Auf dem Weg gehen, zu dem du berufen bist

Die Liste der Mythen rund um das Thema Berufung ist lang. Hier soll es um die wahrscheinlich häufigsten drei gehen.

Mythos 1 – Unser Beruf ist unsere Berufung

Da ist man als Christ an einem Arbeitsplatz, der sinnvoll und gottgewollt erscheint. Man gibt sein Bestes. Kämpft sich durch persönliche Schwierigkeiten hindurch, weil es ja Gottes Berufung ist. Doch ist es das wirklich?

Berufung ist immer grösser als ein einzelner Beruf. Dabei geht es eher darum, wie wir uns dafür einsetzen können, einen guten Einfluss auf diese Welt und das Leben anderer auszuüben. Wie wir Gottes Segen austeilen können. Dies geschieht genau am Schnittpunkt dazwischen, wer wir sind und was wir tun. Manchmal hat das etwas mit unserem Berufsleben zu tun, oft auch nicht. Nie aber lässt sich Berufung auf unseren Job reduzieren.

Die Arbeit, die uns am meisten erfüllt, hat immer einen Bezug zu unserem Lebenswerk, dazu, wofür unser Herz schlägt, und zu Tätigkeiten, die uns aufleben lassen. Das unerfüllbare Ideal wäre, nur noch mit solchen Aufgaben zu tun zu haben, doch die Realität kennt nicht nur Kür, sondern auch Pflicht. Trotzdem ist unser Beruf, unsere tägliche Arbeit eine gute Gelegenheit, unsere Berufung darin zum Ausdruck zu bringen. Beruf und Berufung lassen sich nur nicht gleichsetzen. 

Mythos 2 – Unsere Berufung gibt es irgendwo, wir müssen sie nur finden

Viele Christen erwarten, dass ihnen in einem ganz besonderen Moment ihre Berufung offenbart wird. Dann öffnet sich der Himmel, die Erde bebt und in einem Brief Gottes steht unsere Berufung bis ins Haarkleinste beschrieben. Die Kehrseite dieser Erwartungshaltung ist folgende: Wenn wir so etwas nicht erleben, dann haben wir sicher nicht genug geglaubt, gebetet, danach gesucht, denn Gott muss uns doch deutlich machen, was er von uns will...

So funktioniert Berufung allerdings nicht. Sie erreicht uns in seltensten Fällen als Stimme von draussen. Meist ist sie uns gefährlich nah. Sie klingt in unserem Herzen und ist nicht «im Wind, im Feuer oder im Erdbeben».

Die Stimme der Berufung klingt meistens sehr vertraut. Denn sie hat viel damit zu tun, wer wir sind und wohin wir uns sowieso entwickeln. Die eigentliche Arbeit besteht nicht im Suchen unserer Berufung, sondern darin, ganz wir selbst zu sein. Deswegen gibt es hier auch keine schnellen Antworten. Berufung ist ein Wachstumsprozess.

Mythos 3 – Unsere Berufung ist unsere Pflicht

Unsere Berufung und Lebensaufgabe führen uns in die Freiheit. Wenn das nicht zutrifft, dann ist etwas faul. Besonders, wenn der Begriff «Berufung» mit Schuld, Scham und Pflicht verbunden wird. Allzuoft haben wir Menschen um uns herum, die scheinbar ganz genau wissen, was unsere Berufung ist – und damit nicht hinter dem Berg halten. So sinnvoll ein guter Rat sein kann, als quasi Vorschrift von aussen führt er meist auf den falschen Weg.

Wenn wir dagegen weniger unsere Berufung suchen als vielmehr uns selbst im Licht Gottes sehen, dann startet ein lebensspendender Prozess. Das soll nicht heissen, dass uns Berufung einfach zufliegen muss – nein, es bleibt Arbeit. Doch eine Arbeit, die uns befriedigt zurücklässt und nicht enttäuscht, leer und voller Schuldgefühle.

Bei der Frage nach der richtigen Belastung können wir viel von Sportlern lernen. Es gibt eine Art von Auslastung und Belastung, die sinnvoll und richtig ist. Leistungssteigerung, Erfolg und Glück sind ohne Muskelkater nicht denkbar. Doch es gibt auch eine Art von Überbelastung, die nur noch destruktiv ist. Sie führt in Müdigkeit und Entmutigung. Und am Schlimmsten: Diese hält uns davon ab, unsere Berufung zu leben.

Die eigene Berufung zu finden, ist eine lebenslange Reise. Oft hätten wir lieber eine schnelle, klare und endgültige Antwort, doch Gott geht Schritt für Schritt mit uns voran. Es geht also gar nicht darum, ein Problem zu lösen oder eine Falle zu vermeiden. Es geht vielmehr darum, unser Wesen zu entdecken und darin zu wachsen.

Dieser Artikel erschien im Januar 2018 auf Livenet.

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