Berufen – was bedeutet das? – Teil 5: Tröstungen

Jeder Christ ist von Gott berufen. Doch es gibt ganz unterschiedliche Wege, wie Gott seine Beauftragung zusprechen kann. In dieser Miniserie zeigt Werner May verschiedene Bereiche auf, in denen wir offen für Hinweise sein dürfen.

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Tröstung

Jeder Christ ist von Gott berufen. Doch es gibt ganz unterschiedliche Wege, wie Gott seine Beauftragung zusprechen kann. In dieser Miniserie zeigt Werner May verschiedene Bereiche auf, in denen wir offen für Hinweise auf die eigene Berufung sein dürfen.

Heilungserfahrungen und Krisenbewältigungen sind weitere inhaltliche Beauftragungszeichen. Im 2. Korintherbrief Kapitel 1, Vers 4 lesen wir: «Er tröstet uns in all unserer Not, damit auch wir die Kraft haben, alle zu trösten, die in Not sind, durch den Trost, mit dem auch wir von Gott getröstet werden.» Dort, wo wir selbst Trost empfangen haben, das heisst gestärkt wurden, um wieder normal leben zu können, haben wir wertvolle Lebenserfahrung gemacht, die anderen dienen kann. In diesen Lebensbereichen könnte eine Berufung auf uns warten. Genauso umgekehrt dort, wo wir keine tröstenden Lebenserfahrungen gemacht haben, sollten wir lieber zweimal fragen, ob wirklich eine Berufung vorliegt.

Ein Beispiel: Meine Sprechangst

Was ich heute gerne tue – Vorträge zu halten – war etwas, das ich einmal überhaupt nicht konnte. Eine soziale Sprechangst plagte mich jahrzehntelang. In einer kleinen Gruppe konnte ich mich äussern, aber vor einem Publikum zu reden, dem bin ich immer geschickt ausgewichen und wenn ich es wirklich tun musste, war es ein Riesenstress für mich und wahrscheinlich für die Zuhörer kein Vergnügen. Aber wie ist es zu dieser Änderung gekommen?

Zunächst bin ich die ganze Palette dessen durchgegangen, was man alles raten würde, wenn man mit Gottes Hilfe Heilung und Veränderung möchte: Vergebungsprozesse, innere Heilungsgebete..., aber das hatte alles nichts gebracht. Und dann war ich auf einem Kongress der Geistlichen Gemeindeerneuerung, bei dem eine Amerikanerin sprach, der man eine Heilungsgabe bezeugte. Und als sie zum Gebet aufrief, wusste ich plötzlich, heute ist der Tag der Befreiung von dieser Angst gekommen. Ich glaube, ich war einer der ersten, der nach vorne ging. Und als dann für mich gebetet wurde, verspürte ich gar nichts, ausser einer Gewissheit im Herzen, dass Gott mich angerührt hatte und es mit dieser Sprechangst zu Ende war.

Es dauerte einige Monate, bis man mich auf einer kleineren Tagung anfragte, ob ich später am Abend nicht berichten möchte, was ich bisher mit Gott erlebt habe. Meine spontane Reaktion war: Nein, nein, das passt mir heute nicht. Aber das war nur eine Ausrede, denn schon war sie wieder da, die Sprechangst. Gleich danach rief ich meine Frau zu Hause an und erzählte ihr davon. Sie sagte nur: «Hast du mir nicht von diesem Kongress erzählt, dass du geheilt bist?» Ach ja, stimmt, ich war ja geheilt. Also ging ich zum Leiter der Veranstaltung, sagte ihm zu, einen Bericht zu geben, aber mit der Bitte, dass man vorher mit mir dafür beten sollte. Und dann haben sich vier Leute mit mir abgemüht, für mich zu beten, dass ich es wage, diesen Bericht zu geben. Als ich schliesslich mit zitternden Knien am Mikrofon stand, war es wirklich eine Freisetzung und eine Freude erfasste mich, zu berichten.

Aber es war noch kein Durchbruch, sondern nur ein erster Schritt, ein Startschuss für einen Heilungsprozess über Jahre. Das heisst, es ist mir trotzdem nicht erspart geblieben, mich wieder zu stellen, zu üben und zu üben und von Erfahrung zu Erfahrung zu gehen. Heute bezeichnen viele das, was einmal meine Schwäche war, als Bereicherung. Danke!

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«gehaltvoll»-Magazin

Weiterführende Fragen

  • Wo habe ich im Leben bisher Schwierigkeiten und Probleme überwunden? Könnte da eine Beauftragung vorbereitet worden sein?
  • Wo kann ich andere Menschen in ihren Problemen besonders gut verstehen? Könnte da eine Beauftragung schlummern?

Dieser Artikel erschien zuerst in der neusten Ausgabe des «gehaltvoll»-Magazins zum Thema «Berufen, ja! Aber was bedeutet das?» von Werner May und Hennry Wirth.

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