Berufen – was bedeutet das? – Teil 1: Gottes Zuspielungen

Jeder Christ ist von Gott berufen. Doch es gibt ganz unterschiedliche Wege, wie Gott seine Beauftragung zusprechen kann. In dieser Miniserie zeigt Werner May verschiedene Bereiche auf, in denen wir offen für Hinweise sein dürfen.
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Mann im Sonnenaufgang

Jeder Christ ist von Gott berufen. Doch es gibt ganz unterschiedliche Wege, wie Gott seine Beauftragung zusprechen kann. In dieser Miniserie zeigt Werner May verschiedene Bereiche auf, in denen wir offen für Hinweise auf die eigene Berufung sein dürfen.

Einzelne oder eine Kette von Ereignissen können uns in bestimmten Momenten unseres Lebens Möglichkeiten zuspielen und mehr oder weniger deutlich herausfordern, eine Aufgabe zu übernehmen und zu handeln.

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Werner May

Zachäus wollte zunächst aus reiner Neugierde Jesus sehen. Im direkten Zusammensein wurde ihm dann deutlich, dass es mit dem einfachen Kennenlernen nicht getan war. Er fühlte sich angesprochen, sein ganzes Leben deutlich zu ändern. Der Samariter im Gleichnis sieht auf seinem Weg nach Jericho den Verletzten und fühlt sich angesprochen, nicht vorbeizugehen, sondern diesem Menschen zu helfen.

Zuspielungen sind also Aufgaben oder Aufträge, die am Wegrand liegen, wie der Verletzte im Gleichnis vom Samariter, oder uns vor die Füsse gelegt sind, vielleicht sogar als Stolpersteine, die man eigentlich nicht übersehen, sondern nur verkehrt einschätzen kann. Man ist versucht, Zuspielungen als Zufall zu bezeichnen. Und das ist gar nicht so verkehrt. Im Zufall fällt uns etwas zu. Es kommt nur darauf an, woher wir glauben, dass es kommt. Ich liebe dieses Zitat von Albert Schweizer (1875 – 1965), der auch Theologe war: «Der Zufall ist das Pseudonym, das der liebe Gott wählt, wenn er inkognito bleiben will.» Häufiger findet man diese Formulierung: Der Zufall ist der Künstlername des lieben Gottes. Und wenn die gleichen «Zufälle» öfters eintreffen, sollte man auf jeden Fall aufmerksam werden!

Beispiele aus dem Alltag

So ging es mir in den neunziger Jahren auf einem Seminar in Berlin, an dem ich gleich zweimal von verschiedenen Personen angesprochen wurde, ob es denn nicht ein Angebot zum Thema Pflegeeltern geben könnte. Niemand konnte wissen, dass ich zu diesem Zeitpunkt gerade überlegte, in welchem Bereich der pädagogischen Psychologie ich mich spezialisieren sollte. Nach weiteren Prüfungen habe ich diese Zuspielung aufgenommen und ein jahrelanger Dienst in diesem Bereich, im In- und Ausland, hat sich daraus entwickelt.

Vor ein paar Jahren sass ich in einer Gemeindeversammlung, in der der Pfarrer berichtete, dass er dringend jemand suche, der den Kindergartenverein übernimmt. Diese Anfrage lag ausserhalb meines Interessensbereichs, aber nachdem er mich ständig eindringlich anschaute, habe ich zuhause mit meiner Frau diesen für mich absurden Gedanken angesprochen. Um es kurz zu machen, einige Monate später habe ich diese Aufgabe übernommen, die mir bis heute sehr wertvoll ist.

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«gehaltvoll»-Magazin

Dass dies wirklich eine Zuspielung war (und keine Berufung durch den Pfarrer), wurde mir im Nachhinein bewusst: Wenn ich an einem anderen Platz gesessen hätte, wäre nicht ich, sondern eine andere Person in seinem Blickfeld gewesen. Für diesen Zufall bin ich heute sehr dankbar.

Weiterführende Fragen

  • Welche Möglichkeiten und Aufgaben wurden mir bereits «vor die Füsse gelegt»?
  • Gibt es aktuell entsprechende Stolpersteine?

Dieser Artikel erschien zuerst in der neusten Ausgabe des «gehaltvoll»-Magazins zum Thema «Berufen, ja! Aber was bedeutet das?» von Werner May und Hennry Wirth.

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