Witze und lustige Geschichten – Osterlachen: Freude am Leben

Lange spielte die mittelalterliche Tradition des Osterlachens kaum mehr eine Rolle in den Kirchen. Jetzt wird sie vielerorts wiederbelebt.
Envato / christening
Das Osterlachen ist eine mittelalterliche Tradition.

Zur Osterbotschaft gehört die Freude unbedingt dazu. Sie spiegelt sich im klassischen Ostergruss, bei dem sich Gläubige zurufen: «Der Herr ist auferstanden!» und antworten: «Er ist wahrhaftig auferstanden!» Sie zeigt sich daran, dass an Ostern das Leben in Person den Tod besiegt hat. Und manchmal zeigt sie sich an einem fröhlichen Brauch wie dem Osterlachen.

Lustige Tradition

Das Osterlachen ist ein Brauch der spätmittelalterlichen und auch der orthodoxen Kirchen. Genaueres über seinen Ursprung ist nicht bekannt, allerdings gibt es Berichte darüber, wie das Ganze vonstatten ging. In den orthodoxen Kirchen versammelte sich die Gemeinde in der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag in der Kirche. Ganz still waren die Menschen dort beisammen, hörten sich gegenseitig atmen und dachten für sich über Jesus und seinen Weg ans Kreuz nach. Genau um Mitternacht lachten alle lauthals los. Mit dem Ostergelächter klang eine Explosion der Freude durch die Kirche und alle umarmten sich, während sie einander den Ostergruss zusprachen.

In der katholischen Kirche erzählten einige Priester seit dem 14. Jahrhundert im Ostergottesdienst ein «Ostermärlein» (Mär ist hier eine Geschichte, kein Märchen) oder einen Witz. Damit wurde die Gemeinde zum Lachen animiert und sollte so ihre Osterfreude zum Ausdruck bringen. Weil vielfach das Niveau der Witze schwierig war, gab es allerdings immer Kritik an diesem Brauch. Noch 1906 soll laut Robert Vorholt ein Landpfarrer aus der Gegend von Altötting mit lustigen Anekdoten das ganze Kirchenschiff zum Lachen gebracht haben. Er war für längere Zeit wohl einer der letzten, die Osterlachen praktizierten. Obwohl der Brauch laut Vorholt schon immer an «missmutigen Katholiken, strengen Protestanten und allzu nüchternen Aufklärern» litt, schrieb Joseph Kardinal Ratzinger, der späte Papst wurde, dazu: «Es mag eine etwas oberflächliche und vordergründige Form christlicher Freude sein. Aber ist es nicht eigentlich doch etwas Schönes und Angemessenes, dass Lachen zum liturgischen Symbol geworden war?»

Ernst oder Freude?

Der erste, der das Osterlachen beschrieb, war wohl der Theologe und Humanist Johannes Oekolampad aus Basel. Er nannte das Phänomen «Risus Paschalis» – Osterlachen – und er war strikt dagegen. Die Protestanten grenzten sich scharf von diesem für sie unwürdigen Brauch ab, aber auch die katholische Kirche fremdelte immer mehr mit dieser Form. Im Zuge der Aufklärung verlor sich der Brauch langsam. Inzwischen suchen Christen wieder nach Formen, mit denen sie ihrer Freude ganzheitlich Ausdruck verleihen können und haben in diesem Zuge auch das Osterlachen wiederentdeckt – und zwar über alle Konfessionsgrenzen hinweg. Es ist ein Akt «Gegen die Schwere des Todes», wie Christian Röther vom Deutschlandfunk unterstreicht.

In seiner Sendung berichtete Pfarrer Rainer Maria Schiessler, was ihm sein Ausbilder mitgegeben hätte: «Musst dir merken für dein Leben: Ein Osterwitz ist oft schwieriger, aber wichtiger als eine Osterpredigt. Weil wenn du einen Witz erzählst und die Leute lachen nicht, dann geht der Schuss nach hinten los. Aber wenn sie lachen, dann hast du eine Kirche voller Menschen, die lachend in diesen Tag hinausgehen.» Und er ergänzt mit Blick auf den biblischen Ursprung: «Also, die biblische Wurzel, die liegt mit Sicherheit beim Apostel Paulus. Seine Worte werden ja an Ostern immer gerne vorgetragen. Wo er schon fast spöttisch hinausruft: Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel? Also, er lacht den Tod aus.» Darin begleitet ihn seit einigen Jahren eine wachsende Zahl an Christen im Osterlachen.

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