Auf den Kopf gestellt – Hunger und Durst – aber richtig

Wer wirklich danach hungert und dürstet, dass die Dinge in Ordnung kommen, wird es erleben. Und dabei glücklich werden. Das verspricht die vierte Seligpreisung von Jesus.
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Durstiger Mann trinkt ein Glas Wasser

Ein starkes Wort von Jesus, diese vierte «Seligpreisung»: «Glücklich die, die Hunger und Durst haben nach Gerechtigkeit, denn sie werden satt werden» (Matthäus, Kapitel 5, Vers 6). Mit untrüglicher Sicherheit geht er der Frage auf den Grund: Wonach streben wir eigentlich? Was wollen wir im tiefsten Inneren?

Hunger und Durst

Zunächst: Es geht um mehr als nur ein bisschen Sehnsucht. Die meisten Menschen möchten gut sein und möchten auch, dass es in der Welt besser wird. Wir spenden für eine gute Sache oder machen einen Meditationskurs, um an uns zu arbeiten. Das ist gut und recht, aber greift nicht genug. Jesus legt ganz tiefe Quellen in uns frei, die vielleicht seit langem verschüttet sind. Hunger und Durst im Orient, das ist «kurz vor dem Verhungern und Verdursten sein», so stark ist der Drang. Man kann nichts anderes mehr denken.

Was brauchen wir da so unbedingt? Es geht um den Hunger nach Gerechtigkeit.

Gerechtigkeit

Dieses Wort muss erklärt werden. «Gerechtigkeit» bedeutet für uns meistens, dass alle gleich behandelt werden und das bekommen, was ihnen zusteht. Diese «soziale Gerechtigkeit» steht hier nicht im Vordergrund, sondern das Wort geht tiefer. In Revolutionen ist immer wieder versucht worden, Gerechtigkeit herzustellen – meistens mit kurzlebigen Erfolgen. Warum? Weil nur Umstände, nicht aber Menschen verändert werden. Darum ist Jesus echt revolutionär und betreibt nicht nur Kosmetik. Damit auf der Erde Ungerechtigkeit, Verfolgung und Unterdrückung aufhören, müssen Menschen anders werden. Gerechtigkeit bedeutet zuerst, dass ich recht werde, in Ordnung komme mit Gott und bei mir etwas verändert wird.

Getrennt von Gott

«Gerechtigkeit erhöht ein Volk; aber die Sünde ist der Leute Verderben», stellt das Alte Testament fest (Sprüche, Kapitel 14, Vers 34). Damit ist Gerechtigkeit erklärt: Sie ist das Gegenteil von Sünde. «Sünde», das  sind nicht einzelne schlechte Taten, sondern eine Orientierung weg von Gott. Darum geht es hier eigentlich um Hunger nach Gott. «Wie ein Hirsch nach frischem Wasser schreit, so habe ich Durst nach Gott», sagte David einmal (Psalm 42, Vers 2). Das ist eine Krisenerfahrung. So lange der «Verlorene Sohn» nur ein bisschen Hunger hatte, versuchte er noch, Schweinefutter zu essen. Als er am Verhungern war, sagte er sich: «Ich muss umkehren zum Vater» (Lukas-Evangelium, Kapitel 15).

Satt werden

«Glücklich der Mensch, der sich so danach sehnt, mit Gott in Ordnung zu sein, wie ein Verdurstender sich nach Wasser sehnt, denn dieser Mensch wird völlig satt werden», sagt Jesus also. Wer Hunger und Durst hat, braucht Wasser und Brot. «Ich bin das Brot für euer Leben. Wer zu mir kommt, hat keinen Hunger mehr. Und wer an mich glaubt, hat nie mehr Durst», sagte Christus (Johannes-Evangelium, Kapitel 6, Vers 35). Ganz einfach: Wir kommen nicht in Ordnung, indem wir an uns selbst arbeiten, sondern indem wir unser ganzes Vertrauen auf Christus setzen und ihn aufnehmen. Wer an Christus glaubt, wird von Gott «gerecht gemacht», d.h. in Ordnung gebracht. Schuld wird vergeben und Neues fängt an – und zwar geschenkt.

Glück – ein Nebenprodukt

Interessant: Unser Hunger und Durst soll sich nicht auf «Glück», sondern auf Gerechtigkeit richten. Wer nach Glück sucht, dem wird es durch die Finger rinnen. Wenn man Glück vor Gerechtigkeit stellt, wird man hungrig sterben. Glück kann nicht direkt angestrebt werden, sondern ist eine Folge, wenn wir Gerechtigkeit suchen. Aber wer wirklich Gerechtigkeit sucht, wird glücklich – und satt werden. «Wenn du mit aller Kraft nach der Herrschaft Gottes und seiner Gerechtigkeit trachtest, wird dir alles andere dazugegeben werden», setzte Jesus etwas später in der Bergpredigt die Prioritäten ein für alle Mal fest (Matthäus-Evangelium Kapitel 6 Vers 33).

Gerechtigkeit für die Welt

Einsatz für soziale Gerechtigkeit ist wichtig – Gottes verändernde Kraft soll Kreise ziehen. Halbierung der Armut etwa und gerechte Verteilung von Gütern sind wichtige Ziele. Aber sie müssen sich von innen nach aussen entwickeln. Gottes Weg zu endgültiger Gerechtigkeit geht von veränderten Menschen über – wo immer möglich – veränderte Zustände bis hin zu einer neuen Welt, wo Gott endgültige und umfassende Gerechtigkeit schafft (2. Petrusbrief Kap. 3 Vers 13). Und das ist keine Vertröstung auf den Himmel, sondern einfach Gottes Logik, wie er die Welt wieder in Ordnung bringt: Setz dich ein für Gerechtigkeit und hör nicht auf, bei dir anzufangen.

Wir beschäftigen uns in diesen Wochen mit den «Seligpreisungen» von Jesus. Nächste Woche: «Erbarmen – Keine Schwäche, sondern Stärke».

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