Er regte die Frommen auf... – Christsein heisst nicht brav sein

Als Christ zu leben, scheint manchmal eine Erfindung für besonders langweilige und biedere Typen zu sein. Dabei war und ist Jesus ganz anders. Wie kommt es aber zu der Ansicht, dass der Glaube etwas für brave Leute ist?
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Jesus

Wenn man sich anschaut, wie Jesus lebte, dann war sein Leben nicht sonderlich geordnet: Er zog umher, ging keinem Beruf nach und hatte keine feste Bleibe. Vielleicht lebte er sogar oft von dem, was ihm andere schenkten. Also einer, der für sein Leben nicht selbst aufkam. Und er äusserte sich recht heftig über die Frommen seiner Zeit und ihr Verständnis von Glauben.

Jesus und das Gesindel

Jesus verbrachte viel Zeit mit Menschen, die nicht gut angesehen waren: Hilfesuchende, Kranke, Betrüger und Menschen, die sich nicht an die Regeln hielten.

In der Bibel heisst es: «Immer wieder kamen viele Zolleinnehmer und andere verrufene Leute zu Jesus, um ihn zu hören. Die Pharisäer und Schriftgelehrten (das waren die Frommen dieser Zeit) ärgerten sich und schimpften: 'Mit welchem Gesindel gibt der sich da ab! Er isst sogar mit ihnen!'» (Lukas, Kapitel 15, Verse 1+2)

Jesus war für die Frommen seiner Zeit ein echter Aufreger! Denn er war mit Menschen zusammen, die einen schlechten Ruf hatten.

Ein Glaube für Bürgerliche und Spiesser?

Auch heute gibt es leider allzu viele Christen, die für Menschen keinen Sinn haben, die in ihre Vorstellung von richtigem Leben nicht hineinpassen. Überall da, wo Glaube und christliches Leben damit gleichgesetzt wird, einen braven und biederen Lebensstil zu führen, da geht etwas in die völlig falsche Richtung. Sehr schnell wird das Gegenteil dann als verkehrt oder gar als sündig bezeichnet.

Es gibt so etwas wie die Vereinnahmung des christlichen Glaubens durch die Bürgerlichen, durch Spiesser und Menschen, die sich über andere aufregen und ihnen vorschreiben wollen, wie sie zu leben haben. Und so sind christliche Gemeinden allzuoft ein Abbild von Bürgerlichkeit und kaum offen für Menschen mit eigenwilligem oder gebrochenem Lebenslauf.

Es geht nicht um einen bestimmten Lebensstil

Doch Sünde, also vom richtigen Weg abzukommen, hat nichts mit einem bestimmten Lebensstil zu tun und auch nicht in erster Linie damit, bestimmte Regeln und Gebote einzuhalten. – Das wäre schrecklich kleinkariert und ginge am Eigentlichen vorbei!

Sünde bedeutet vor allem, sich von Jesus abzuwenden oder von ihm zu entfernen. Was Jesus interessiert, ist nicht so sehr, ob wir auch schön brav leben und alle Regeln einhalten – das ist nicht seine Sache!

Jesus geht es um das Herz des Menschen. Er interessiert sich genau für das, was man nicht sieht, nicht für das, was man kontrollieren und zur Schau stellen kann. Er interessiert sich für das, was uns bewegt, was uns antreibt, aber auch für das, was uns ausbremst: Ansichten, Träume, Ängste, Lebensvorstellungen, Sehnsüchte, prägende Erfahrungen…

Alle brauchen Jesus und seine Vergebung

Denn eines wird oftmals zu wenig deutlich: Alle Menschen, ganz gleich, wie sie leben, sind Sünder, auch Christen. Alle Menschen machen Fehler, brauchen Jesus und seine Vergebung – immer wieder. Nicht nur die, die mit dem Glauben nichts am Hut haben.

Jesus drückte das einmal so aus: «Die Gesunden brauchen keinen Arzt, sondern die Kranken! Ich bin gekommen, um Sünder zur Umkehr zu Gott zu rufen, und nicht solche, die sich sowieso für gut genug halten.» (Lukas, Kapitel 5, Verse 31+32)

Bei diesem Artikel handelt es sich um eine Neuauflage. Er erschien zuerst im Jahr 2018 auf Jesus.ch

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