Teilen kann man fast immer – Die Freude, etwas gemeinsam zu haben

Wir vier Freunde waren am Ende unserer vierwöchigen Sommerreise angelangt. Und am Ende unseres Geldes, von dem wir als Schüler ohnehin nicht viel hatten. Vor uns lag ein Tag London – ohne Geld.
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Freunde teilen sich Pizza

Wir vier Freunde waren am Ende unserer vierwöchigen Sommerreise angelangt. Und am Ende unseres Geldes, von dem wir als Schüler ohnehin nicht viel hatten. Vor uns lag ein Tag London – ohne Geld. Also liefen wir an einem heissen Sommertag durch die Stadt – kein Vergnügen mit Tramper-Rucksack und Zelt auf dem Rücken. Schliesslich machten wir es uns auf dem Rasen vor der Westminster Cathedral gemütlich. Dort, wo sonst Könige gekrönt werden, packten wir unseren Campingkocher aus und kochten uns die letzte Portion Griessbrei, die wir noch im Rucksack hatten. Wir teilten, was wir hatten. Und genossen das Festmahl und die Freundschaft.

Die Kunst des Teilens

Teilen kann man fast immer etwas. Nicht nur, indem man bei Facebook auf «Teilen» klickt, um mitzuteilen, was einen gerade bewegt. Sondern darüber hinaus auf vielfältige Weise, indem man emotionale und materielle Schätze an andere weitergibt. Materielles zu teilen ist naheliegend. In unseren Haushalten liegt vieles herum. Viele Dinge, die wir nicht mehr gebrauchen, können für andere hilfreich sein. Kleidung, Spielzeug, Bücher, Möbel. In einer Welt der knapper werdenden Ressourcen ist es mehr als angebracht, Materielles nicht einfach zu entsorgen, sondern sinnvoll weiterzugeben und zu teilen. Man kann auch Finanzen teilen. Das ist manchmal der einfachste Weg, andere Menschen zu unterstützen, wenn die Entfernung den Transport von Gütern unwirtschaftlich macht.

Ideen, Wissen und das eigene Herz

Eines meiner grossen Vorbilder im Teilen ist John Chapman, ein amerikanischer Pionier. Überall, wo er hinkam, pflanzte er Apfelkerne und Setzlinge. Die Bäume, die daraus wuchsen, ernährten unzählige Menschen. Er ist bis heute als «Johnny Appleseed» eine amerikanische Legende. Ein Freund von mir ist Effizienzberater. Menschen, die er trainiert, arbeiten nach dem Training im Schnitt 20 Prozent effektiver als vorher. Organisationen, die er unterstützen möchte, bekommen von ihm kein Geld. Er bietet ihren Führungskräften vielmehr Training an. «Wenn sie 20 Prozent effizienter arbeiten, ist das weit mehr wert, als wenn ich ihnen etwas Geld spende», erklärte er mir. Recht hat er. Genau wie er haben auch Sie Fähigkeiten, die das Leben anderer bereichern können. Musische und künstlerische Gaben, Fachwissen oder handwerkliche Fähigkeiten. Oder einfach «nur» Ihre Zeit und ein offenes Ohr – ein grosser Schatz. Ihre Gaben können Sie mit anderen teilen. Und werden dadurch selbst bereichert. Diese Dinge zu teilen ist offensichtlich nützlich. Doch daneben ist es eine Bereicherung für andere, wenn man etwas von dem mitteilt, was einen bewegt. Viele Menschen leiden unter der Oberflächlichkeit von Beziehungen. Sie geniessen es, wenn jemand offen, ehrlich und emotional etwas von dem mitteilt, was ihn bewegt. Offen und ehrlich in den sozialen Medien oder – noch schöner – im direkten Kontakt.

Praxistipps

  • Überlegen Sie: Mit welchen Ihrer Fähigkeiten oder Dingen könnten Sie das Leben anderer Menschen bereichern? Jeder Mensch besitzt viele Dinge, die er nicht braucht. Geben Sie diese an andere weiter oder verkaufen Sie sie und spenden den Erlös.
  • Austausch: Bitten Sie heute einen Menschen, Ihnen mitzuteilen, was ihn bewegt – oder Ihnen zuzuhören, während Sie erzählen.
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