Ermutigung praktisch – Schreiben und segnen

Weihnachtskarten sind verpönt – keiner will sie schreiben, kaum einer will sie lesen. Aber sobald es um persönliche, freundliche und ermutigende Gedanken geht, ist das völlig anders: Warum nicht einmal einen Brief schreiben?

Unsplash / Aaron Burden
Einen Brief schreiben

Wer heute etwas mitteilen will, schreibt einen Zweizeiler per WhatsApp oder schickt gleich eine Sprachnachricht. Klassische Weihnachtspost ist sowas von out. Sie wird hauptsächlich von Firmen genutzt, die dich als «treuen Kunden» in der besinnlichen Zeit noch schnell zum Kauf eines Geschenks animieren möchten oder unterstreichen wollen, dass es ihnen gerade nicht nur ums Geschäftliche geht. So wünschen sie dir «besinnliche Feiertage». Die anderen Schreiber sind Familien, die dir damit den jeweils aktuellen Wachstumsstand ihrer Kinder durchgeben – mal mit Weihnachtsmützen verkleidet und mal ohne. Solltest du dich nun hinsetzen und ebenfalls etwas schreiben? Warum? Und wenn überhaupt, wem solltest du schreiben und wie?

Raus aus dem Zwang

Man kann über den Niedergang der Briefkultur jammern. Man kann sich aber auch daran freuen, dass niemand mehr Weihnachtspost schreiben muss – und wehe du hast Tante Ingeborg vergessen! So ist vieles entspannter geworden. Du musst nicht in letzte Minute noch eine Karte kaufen und unters vorgedruckte «Frohe Weihnachten» schreiben: «…wünscht Familie Soundso». Das hat noch nie jemand gelesen. Und heute schreibt es auch fast niemand mehr. Es hat also durchaus etwas für sich, dass Weihnachtspost kein Pflichtprogramm mehr ist. Kurznachrichten übers Handy oder per Mail haben daneben noch den Vorteil, dass sie ohne Zeitverzögerung überall auf der Welt ankommen. Doch dass du frei bist von der Verpflichtung, einen Brief schreiben zu müssen, öffnet neue Türen: Jetzt kannst du etwas schreiben, wenn du es wirklich willst. Und das ist völlig anders.

Die besondere Nachricht

Wenn du keine Standardpostkarte oder keinen Brief wie jedes Jahr schreiben musst, dann kannst du dir überlegen, ob du Grüsse verschickst. Natürlich ist es nett, ein Foto in die Familiengruppe des Messengers zu stellen oder einen kurzen Gedanken zu teilen. Wirklichen Mehrwert bekommt dies jedoch dadurch, dass du eine der wenigen Personen bist, die sich ein Blatt Papier nimmt, um jemandem einen Brief zu schreiben. Nimm dir ein paar Minuten und schreibe auf, was dich persönlich bewegt und beschäftigt, wie du dein Gegenüber erlebt hast und was du ihm gerne einmal sagen möchtest. Denke darüber nach, wer dieser Mensch in Gottes Augen ist – und sag’s ihm. Wenn du es nicht gewöhnt bist, so etwas zu verfassen, kann es ein wenig dauern. Das ist nicht schlimm, es zeigt dem Empfänger, deine Wertschätzung. Aber du hast ja keine Zeilenvorgabe: Dein Brief kann eine halbe Seite lang werden oder drei Blätter füllen – wie es sich ergibt. In jedem Fall wird etwas dabei herauskommen, das es wert ist, es in einen Umschlag zu stecken und eine Briefmarke darauf zu kleben. Es muss weder nach Goethe klingen noch die originellsten Gedanken der Welt enthalten, aber es ist ein Brief von dir.

Menschen im Blick

Manchmal verlieren wir aus dem Blick, dass ein grösserer Teil des Neuen Testaments aus Briefen besteht. Damals setzte sich der Apostel Paulus nicht hin, um allgemeine Lebensregeln für dich und mich heute zu verfassen, sondern er hatte seinen jungen Freund Timotheus im Blick; er schrieb an die Leute in Philippi, die er einfach nicht aus seinem Kopf bekam; er wollte Missverständnisse nicht stehenlassen und schrieb deshalb an die Korinther.

Was hat all das mit deiner Weihnachtspost zu tun? Es geht beim Briefeschreiben nicht um einen bestimmten Termin: Wenn es dir jetzt zu stressig wird, dann schreibe doch im Januar. Es geht nicht um Vollständigkeit: Wo steht, dass du allen in deiner Familie oder deinem Freundeskreis schreiben musst? Es geht – wie bei Paulus – vielmehr um die Menschen. Wenn du den Eindruck hast, dass jemand gerade eine Ermutigung nötig hat, dann schreibe dieser Person doch einmal. Nimm sie in den Blick, sei offen, freundlich und segne sie durch das, was du ihr sagst. Wahrscheinlich wird dein Brief keine «Bibelqualität» erhalten, aber höchstwahrscheinlich wird die Empfängerin oder der Empfänger ihn lesen, wieder lesen und vielleicht sogar als etwas Besonderes aufbewahren. Schon, weil sich nicht viele die Mühe machen, Briefe zu schreiben.

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