Roland Suters Fundkunst – Der Müllvergolder vom Gürbetal

Wie liegengelassene Gegenstände verschönert werden und zu wertvoll attraktiven Kunststücken werden, ist gleichzeitig auch seine eigene Lebensgeschichte. Roland Suter stellt nicht nur selber Kunst her, sondern stellt auch Kreationen von Gästen aus.

Wie liegengelassene Gegenstände verschönert werden und zu wertvoll attraktiven Kunststücken werden, ist gleichzeitig auch seine eigene Lebensgeschichte. Von Leidens- und Krankheitszeiten geprägt, stellt Roland Suter nicht nur selber Kunst her, sondern stellt auch Kreationen von Gästen aus.Betritt man das Atelier «RS-FORMAT» in Belp, begegnen einem Kreationen zum permanenten Thema «Fundstücke werden Kunststücke». Da mischt sich beispielsweise Holz mit Eisen und Styropor und wird jeweils durch teure Materialien wie Perlen, Gold oder Messing veredelt. Roland Suters Spezialität ist das «Vergolden» mit Blattgold, wodurch er Weggeworfenem neuen Glanz und neuen Wert verleiht. Nicht zuletzt symbolisiert das Gold für ihn auch Herrlichkeit Gottes.

Mit grossem Kreator Schätze erschaffen

Werkstatt und Atelier sind Räume, wo Roland Suter auch mit seinem Gott unterwegs ist. So erhält er immer wieder Impulse, die ihn praktisch weiterbringen oder einfach passende und hübsche Lösungen bieten, die für alle aufgehen, wie er sagt. Denn es geht stark um Ästhetik, wie Gegenstände angeordnet sind und wie die Räume und Einrichtungen wirken. Und sie wirken!

«Kürzlich suchte ich für ein überzähliges Bild einer Künstlerin einen Platz und fand lange nichts. Nahe am Aufgeben, fand ich plötzlich das perfekte Plätzchen, was nun eine wunderbare Kombination mit den angrenzenden Bildern ergibt – da beschenkt mich Gott immer wieder im Alltag. Und so bin ich auch ständig im Kontakt mit dem grossen Kreator und darf teilhaben an seinem aktiven Kreieren», erzählt er.

Livenet traf den Sammel-Künstler in seinem Atelier.

Sie haben ausdrucksstarke Werke, welche Glaubensthemen inspirieren Sie?
Roland Suter:
Der Grundgedanke, wie oben erwähnt, prägt mein Schaffen. Ist es nicht die Absicht und der Wunsch unseres Schöpfergottes, dass das Kaputte, durch die Sünde Geprägte und Zerstörte wieder in eine neue Existenz finden darf? Durch die Annahme des Karfreitags-Werkes des gekreuzigten Christus und des Auferstehungsglanzes von Ostern wird eine neue Schönheit erlebbar. Nicht von Ästhetik geprägte Schönheit kommt da zum Strahlen, sondern verwandlungsmässige Schönheit, die von innen ihre Strahlkraft entfaltet. Da entsteht Neues, was das Wesen Mensch aus sich nicht zu vollbringen vermag. So braucht es auch den Eingriff von aussen, dass aus einem Fundstück ein einmaliges Kunststück wird.

Wie kamen Sie zur Kunst?
1997 – ein vom Leben gezeichnetes Holz-Keramikabstrakt, Gold. Diese Spannung innerhalb eines Werkes hat mich nachhaltig berührt – gesehen bei Freunden. 1998 entstand nach schwerer Krankheit mein erstes Werk aus Fundstücken: ein Holzbrett, darauf eine Rostbüchse, hinein in diesen Rost ein vergoldeter Stein. Die Geburtsstunde zum kreativen Wirken und zur Thematik «Fundstück wird Kunststück».

Klein hat es angefangen – auf sechs Quadratmetern entstanden in den folgenden zwölf Jahren sehr viele Werke. Der Grundgedanke hat sich mehr und mehr vertieft: verworfenen, ausrangierten Fundstücken ohne Bedeutung und Schönheit, diesen Randprodukten in Kombination mit edlen Materialien neues Leben einzuhauchen. Dadurch bekommen diese Schrottteile eine neue Existenz und damit auch eine aktuelle Zukunft – sie werden Kunststücke! Aus den sechs Quadratmetern wurden zunächst 38 und aktuell 206m².

Was war prägend für Ihren persönlichen Glauben?
Verschiedene schwere Krankheitszeiten haben mein Leben, mein Gottesbild und damit meinen Glauben nachhaltig geprägt. Ich habe schon eine Hirnhautentzündung plus Darm- und Lungenkrebs hinter mir und bin auch zur Zeit in Behandlung. Vieles wurde erschüttert und muss neu definiert werden. Zeiten der gefühlsmässigen Gottverlassenheit wechseln mit Zeiten der tiefen seelsorgerlichen Begleitung des dreieinigen Gottes ab. Die elementaren Erschütterungen haben mich eine 1:1-Kommunikation mit dem lebendigen Gott gelehrt. Das im Herzen Vorhandene, ob hässlich oder schön, muss transparent in die heilende Gegenwart Gottes. Daraus entwickelt sich mehr und mehr ein authentisches Leben.

Dazu gehören jedoch auch die vielen kleinen Dinge und Impulse im Alltag. Bei unserem ersten Enkelkind, zum Beispiel, waren wir gespannt, ob es ein Mädchen oder Knabe wird, und fieberten so auf das Ereignis hin. Dann plötzlich hatte ich den starken Eindruck, dass wir eine «Simea» begrüssen dürfen. Gedacht – geschehen: So konnten wir bald die geborene Simea in den Armen halten – ganz ohne Vorinformation der Eltern!

Beschreiben Sie uns bitte Ihre Wirkungsstätte, die Räume...
Ich verwalte in Belp ein Atelier – eine Galerie im Erdgeschoss und eine Galerie im Untergeschoss. Das Atelier ist ein Ort, an dem es sich wunderbar gestalten lässt und sich Wunderbares gestaltet. Es ist ein Ort der Begegnung und ein Lagerort, wo Hunderte von Materialien auf «ihren Auftritt» warten. In der Galerie EG zeigen wir jährlich eine Frühlings-, Sommer- und Herbstausstellung. Kunstschaffende jeglicher Couleur präsentieren ihre Exponate zusammen mit meinen Werken. So entsteht ein räumliches Gesamtkunstwerk. In der Galerie UG zeigen wir während der ganzen Saison März bis November jeweils eine Erlebnisausstellung zu einem ausgewählten Thema; aktuell ist das «dennoch beflügelt» von neun Ausstellern.

Besonders begeistert mich, wenn neue Verbindungen und Bezüge der Objekte und der Kunstschaffenden entstehen – ein neues Zusammenspiel. Deshalb stelle ich nicht nur abgetrennte Wände und Bereiche zur Verfügung, sondern komponiere mit den Bildern und jeweiligen Werken neue Konstellationen, die eine frische Wirkung entwickeln; passend, stimmig. Auch Gott schuf Gesamtarrangements und Teams.

Welcher Besuch ist Ihnen besonders in Erinnerung?
Da war die eine Kunstschaffende, welche jahrelang keine Kreationen mehr herstellen konnte; sie hatte ihren Mann verloren und dadurch eine persönliche Blockade. Sie kaufte dann bei uns selber Werke ein und wollte am nächsten Tag wieder vorbeischauen. Als sie wieder kam, war sie so berührt, dass sie anfragte, selber ausstellen zu dürfen. Wie grossartig das war, merkt man erst im Wissen, dass sie zuvor grossen, renommierten Ausstellungen gegenüber Anfragen ausschlug; in Basel, St.Tropez etc. Welch ein Geschenk, dass dadurch ihre Blockade verschwinden durfte und sie neu beflügelt wurde.

Vielen Dank für das Interview!

Der spirituelle Künstler Roland Suter lässt seine Kreativität auch in Kirchenräume fliessen oder gestaltet thematische Gottesdienste inklusive Wortinputs. Dabei wird die vorhandene Einrichtung neu beleuchtet oder seine Objekte dienen einer meditativen Betrachtung.

Überlassen wir dem «Schätzesammler» nochmals mit einer seiner träfen Aussagen das Schlusswort: «Auch ein schräger und bunter Vogel kann ein Engel sein!»

Zur Person
Wohnort:
Kaufdorf (BE)
Familie:
verheiratet, 3 erwachsene Söhne
Beruf:
Sozialpädagoge
Alter:
60
Hobby:
Ich übe mich darin, ein authentisches Leben zu leben.

Weitere Infos:
www.rs-format.ch

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