Perspektive fürs Neue Jahr – Wir ernten, was wir säen – oder?

Eigentlich kann jeder optimistisch ins neue Jahr gehen – denn man erntet ja bekanntlich, was man sät. Doch gibt es dafür eine Garantie? Und was, wenn ich in der Vergangenheit etwas Schlechtes gesät habe, das ich gar nicht ernten will?

Eigentlich kann jeder optimistisch ins neue Jahr gehen – denn man erntet ja bekanntlich, was man sät. Doch gibt es dafür eine Garantie? Und was, wenn ich in der Vergangenheit etwas Schlechtes gesät habe, das ich gar nicht ernten will?

Ich sah in diesen Tagen auf Facebook eine interessante Zeichnung. Zwei Personen unterhalten sich und der erste fragt den zweiten: «Wie kannst du nur so optimistisch ins Neue Jahr blicken?», worauf der zweite antwortet: «Weil es Blumen geben wird!» Darauf der erste: «Wie kannst du dir da sicher sein?» Und der zweite antwortet: «Weil ich sie gerade aussäe…»

Ich ertappe mich oft dabei, dass ich vieles vom Neuen Jahr erwarte, hauptsächlich natürlich Gutes. Aber tue ich etwas dafür? Wenn ich mir ein neues Auto wünsche, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich es bei einer Verlosung gewinnen werde, äusserst gering. Aber ich könnte doch beginnen, jeden Monat einen Betrag dafür zu sparen… Auch im geistlichen Bereich: Vielleicht ist es mein Vorsatz, im Glauben zu wachsen – aber was tue ich dafür? Schreibe ich mich in einen Bibelkurs ein? Schaue ich eine Online-Predigtserie an, die mich geistlich herausfordert? Besuche ich einen weiterführenden Glaubenskurs meiner Gemeinde? Im Glauben zu wachsen ist definitiv etwas, das Gott für uns will, aber vermutlich wird es nicht von allein auf uns fallen… Oder ich möchte Jesus in diesem Jahr stärker erleben – aber suche ich ihn auch? Oder entferne ich mich – bewusst oder unbewusst – immer weiter von ihm?

Das Sprichwort «Man erntet, was man sät» ist schon Jahrtausende alt und stammt tatsächlich aus der Bibel. Paulus schrieb an die Galater (Kapitel 6, Vers 7a): «Denn was der Mensch sät, das wird er auch ernten.» Wenn man sich den Zusammenhang des Verses ansieht, geht es eigentlich um die negative Folgerung: Jeder ist für sein Tun verantwortlich. Wer sein Leben nicht mit Gott lebt, den erwartet der ewige Tod; wer sich von Gott führen lässt, erhält ewiges Leben. Aber ich wage zu behaupten, dass es auch im positiven Sinne gilt: Wir dürfen positiv ins neue Jahr blicken, weil wir die Chance haben, Gutes in unser Leben zu säen und auf die Ernte zu warten.

Wenn die Ernte ausbleibt

Doch was ist, wenn die Ernte ausbleibt? Wir säen Gutes, jeden Tag, immer wieder, aber – um auf das anfängliche Bild zurückzukommen – die Schnecken fressen die gerade aufgehenden Blumen ab? Oder bevor sie anfangen zu blühen, befällt sie eine Krankheit und lässt alle Blumen verdorren? Denn häufig ist es ja doch so, dass die, die Gutes säen, leer ausgehen, während die, die Schlechtes säen und Böses tun, immer reich ernten… Das beklagten schon die Psalmisten der Bibel. Vielleicht liegt es daran, dass aus Gottes Perspektive für uns die Zeit der Ernte noch nicht gekommen ist – und dass es besser für uns ist, noch darauf zu warten.

Oder aber, es ist der Gegenspieler, der das, was wir gesät haben, böswillig zertrampelt. Doch wir Christen haben eine Hoffnung, die wir nie aus den Augen verlieren dürfen: Auch wenn Satan noch der Fürst dieser Welt ist, ist er bereits besiegt. Das Böse ist besiegt. Und eines Tages wird dieser Sieg überall sichtbar werden. Bis dahin können wir nicht anders als auf Gott zu vertrauen – zu vertrauen, dass er die Kontrolle hat und dass er unser Bestes will, auch wenn das vielleicht anders aussieht, als wir es erwartet haben.

Denn bei der Gleichung Saat = Ernte fehlt ja noch etwas: der Regen. Wenn wir Dinge anfangen, ins Rollen bringen, auf Ziele hinarbeiten, ist das die Saat, die jedoch alleine nicht aufgehen kann. Wir brauchen den Regen, Gottes Eingreifen, seine Hilfe, sein Lenken, seinen Segen, um in Zukunft wirklich ernten zu können, was wir gesät haben. Wir säen im Vertrauen darauf, dass Gott es gut machen wird, egal wie es ausgeht.

Die Auswirkungen vom Kreuz

Noch ein letzter Gedanke: Was, wenn wir in unserer Vergangenheit richtigen Mist gesät haben? Werden wir dann unweigerlich die schlimmen Folgen ernten? Hier wieder ein Hoffnungsschimmer: Jesus ist am Kreuz gestorben, um genau diesen Mist auf sich zu nehmen. Durch ihn können Ketten durchbrochen werden, die uns in gewissen Situationen oder Richtungen festhalten. Ja, unsere Fehlentscheidungen der Vergangenheit haben grössere oder kleinere Konsequenzen, mit denen wir leben müssen. Aber in dem allen schenkt Jesus Veränderung, Neuanfang. Denn wenn jemand zu Christus gehört, «dann ist er ein neuer Mensch. Was vorher war, ist vergangen, etwas völlig Neues hat begonnen.» (2. Korinther, Kapitel 5, Vers 17) In dem Sinne wollen wir doch weiter Blumen säen und alles andere, wovon wir erhoffen, es in der Zukunft zu ernten – und Gott vertrauen, dass er das Richtige daraus wachsen und entstehen lässt.

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