Wie man den ersten Teil der Bibel verstehen kann

Manche Geschichten des Alten Testaments wirken erschreckend. Die Menschen sind darin so brutal. Und noch schlimmer, auch Gott erscheint immer wieder grausam. Wie kann man den ersten Teil der Bibel verstehen?

Unsplash / Joel Muniz
Das Alte Testament hat immer noch Einfluss auf unser Verständnis für Gott (Symbolbild)

Mord, Krieg, raue Sitten – einige Schilderungen des Alten Testaments sind schauerlich und manche der damaligen Gesetze sind mit unserem heutigen Strafgesetz nicht mehr vereinbar. Natürlich hat sich unsere Kultur über mehrere tausend Jahre weiterentwickelt. Doch wie können wir heute das Alte Testament dann noch verstehen?

Das Alte Testament verstehen

Wenn man den ersten Teil der Bibel liest, darf man nicht vergessen, dass die Texte aus einer Zeit stammen, in der überall auf der Welt andere Sitten üblich waren. Heute klingt «Auge um Auge» brutal, aber zu Zeiten, in der in vielen Kulturen die Blutrache an der ganzen Familie üblich war, ist das sogar sehr fortschrittlich.

Zudem erstrecken sich die Texte des Alten Testaments über viele Jahrhunderte. Einige der Bücher beschreiben die Geschichte des Volkes Israel, das sich von einem Nomadenvolk zu einer gebildeten, sesshaften Schriftkultur entwickelte. Natürlich ist da auch von grausamen Kriegen zu lesen – wie bei jedem anderen Volk auch. Doch tatsächlich erkennt man hier eine Entwicklung. In späteren Büchern des Alten Testaments wird Gewalt sehr differenziert kritisiert.

Manchmal irritieren Textpassagen, in denen Israels Feinden Grausames angedroht wird. Einige Texte sind mehr ein Aufschrei der Entrechteten als eine historische Erzählung, da Israel gar nicht die Möglichkeit hatte, so zu handeln.

Gott im Alten Testament

Gott wird im Alten Testament als ein Gott mit Gefühlen beschrieben. Er ist dem Menschen gegenüber emotional involviert wie ein Hirte, ein Vater, ein Bräutigam. Aber wenn sich Menschen gegenseitig verletzen und vernichten, wenn sie böse sind und ignorant, ruft das bei Gott Zorn hervor. Er lässt Ungerechtigkeiten nicht stehen, sondern greift ein und erzieht. Aber er schenkt auch immer wieder einen Ausweg und Leben.

Grundlegend kann man sagen: Gott will immer das Gute – weil er liebt. Das Gute ist aber nicht immer das «für uns Angenehme». Manchmal ist das schwer zu verstehen. Sterben finden wir schlimm; dass wir den Kontakt zu Gott verlieren können, schätzen wir dagegen als nicht so tragisch ein. Gott weiss aber, was wirklich wichtig für uns ist und demnach agiert er auch.

Übrigens wird Gott wird auch im Alten Testament als ein liebender Gott beschrieben. Er ist der gute Hirte, bei dem sich Menschen geborgen fühlen können (Psalm 23). Er liebt sein Volk so sehr, dass er es nicht einmal aufgibt, wenn er wie ein betrogener Liebhaber dasteht (Hosea). Nach jeder Strafe wird er es auch wieder trösten (Jesaja, Kapitel 40, Vers 1). Er kann es noch viel weniger verlassen als eine Mutter ihren Säugling (Jesaja, Kapitel 49, Verse 15-19), um nur ein paar der vielen Liebesbibelverse zu zitieren.

Wie Christen das Alte Testament lesen

Für Christen ist Jesus der Ausleger der Schrift. Wenn man das Alte Testament liest, dann immer in dem Wissen, was Jesus dazu gesagt hat. Demnach hat die Steinigung von Ehebrechern für uns Christen heute keine Relevanz mehr, weil Jesus einen anderen Umgang damit zeigte. Ein Ausrotten der Feinde gilt für uns heute nicht mehr – selbst wenn es im Alten Testament beschrieben ist –, weil Jesus Feindesliebe lehrte.

Interessant ist: Alle Geschichten aus dem Alten Testament weisen sinnbildlich auf Jesus hin. Er ist ist die Erfüllung der alten Prophetien, alles läuft auf ihn hinaus. Der erste Teil der Bibel ist für Christen deswegen von Relevanz, weil sich wie ein roter Faden bis ins Neue Testament hineinzieht, wer Gott ist, wer Jesus ist und wer wir sind.

Wenn Du das Alte Testament liest, dann bitte Gott, dass er sich dir offenbart und dir zeigt, wer er ist und wer du für ihn bist.

Dieser Beitrag erschien im Februar 2022 auf Livenet.

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