Widersprechen sich die Evangelien nicht in ihren Berichten von der Auferstehung?

Vier Evangelien berichten im Neuen Testament über die Auferstehung von Jesus. In manchem weichen sie dabei allerdings voneinander ab. Doch gerade diese Unterschiede können die Glaubwürdigkeit des Geschehens bestätigen statt sie widerlegen. Denn ...

Vier Evangelien berichten im Neuen Testament über die Auferstehung von Jesus. In manchem weichen sie dabei allerdings voneinander ab. Doch gerade diese Unterschiede können die Glaubwürdigkeit des Geschehens bestätigen statt sie widerlegen.

Denn jedes der Evangelien entwirft ein anderes Portrait von Jesus. Wäre das nicht der Fall, dann allerdings wäre das ein Grund zur Beunruhigung, denn das schaut dann nach betrügerischer Absprache aus. Von vier Zeugen (oder Reportern) eines Ereignisses werden keine zwei ein Detail ums andere genau gleich aufschreiben. Die Hauptpunkte werden die selben sein, doch in Einzelheiten werden sie voneinander abweichen. Für den unbeteiligten Leser gewinnen ihre Berichte dadurch an Glaubwürdigkeit.

Übereinstimmung in allem Wesentlichen
So verhält es sich auch mit den Evangelien. In einigen Details weichen sie voneinander ab, in allen wesentlichen Punkten stimmen sie jedoch überein: Jesus war gestorben und anschliessend begraben worden war; die Jünger waren auf seinen Tod nicht vorbereitet und gerieten in völlige Verwirrung; das Grab war am Ostermorgen leer, was sie aber nicht davon überzeugte, dass Jesus tatsächlich auferstanden ist; und Maria ging davon aus, dass der Leichnam gestohlen worden istt. Zudem gehen die Evangelisten auch Erlebnissen der Jünger aus, die diese für Erscheinungen des auferstandenen Christus hielten. Später erzählten die Jünger in Jerusalem von der Auferstehung, also an dem Ort, wo er getötet und begraben worden war. Die Gemeinsamkeiten der vier Evangelien sind also enorm.

Betrachten wir uns nun einige der Details. Matthäus zum Beispiel ist der einzige Verfasser, demzufolge die erste Erscheinung des Auferstandenen den Frauen gegenüber geschah, während wir nur bei Lukas den Bericht von den beiden Jüngern auf der Strasse nach Emmaus finden.[1] Die Erscheinung vor Maria Magdalena [2] fehlt sowohl bei Matthäus als auch bei Lukas. Nur Johannes berichtet vom Erscheinen unseres Herrn im oberen Raum, als Thomas abwesend war, und auf dem See von Tiberias.[3] Keines dieser Details widerspricht notwendigerweise einem anderen; vielmehr ergeben sie gemeinsam ein umso sinnvolleres grösseres Bild. Der Ablauf der Handlung selber wird dadurch nicht in Frage gestellt.

Die Details ergänzen einander
Ein vermeintlicher Widerspruch betrifft den Zeitpunkt, als die Frauen zum Grab kamen. Johannes und Markus weichen hier voneinander ab.[4] Dem Bericht des Markus zufolge kommen die Frauen bei Sonnenaufgang zum Grab, während es nach Johannes noch dunkel ist. Diese Schwierigkeit löst sich, wenn man bedenkt, dass die Frauen von Jerusalem oder Bethanien aus eine ganze Strecke bis zum Grab zu gehen hatten. Es war dunkel, als sie losgingen, aber als sie am Grab ankamen, ging die Sonne allmählich auf. Markus spricht also von ihrer Ankunft, während Johannes sich auf ihr Weggehen bezieht.

Andere Diskussionen entzünden sich an den beiden Engel am Grab von Jesus. Matthäus und Markus erzählen, dass ein Engel die Frauen ansprach,[5] während Lukas und Johannes von zwei Engeln am Grab ausgehen.[6] Doch Matthäus und Markus sagen nicht, es sei nur ein Engel am Grab gewesen, sondern es habe ein Engel zu den Frauen gesprochen – einer der beiden, die Lukas und Johannes erwähnen. Es ist nicht notwendig, einen Widerspruch zwischen den verschiedenen Evangelien zu vermuten.

Bei genauem Hinsehen ergänzen die abweichenden Details in den Erzählungen von der Auferstehung einander und können als Indiz dafür gelten, dass uns das Geschehen selber höchst zuverlässig überliefert wurde.



[1]

Matthäus 28,9-10; Lukas 24,13-35
[2] Markus 16,1-8; Johannes 20,1-18
[3] Johannes 20,19 bis 21,23
[4] Johannes 20,1 und Markus 16,2
[5] Matthäus 28,2 und Markus 16,5
[6] Lukas 24,4 und Johannes 20,12

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