Das Ostergeheimnis – «Er ist wahrhaftig auferstanden»

Auferstehung ist keines der Wörter, die zu unserem täglichen Vokabular gehören. An Ostern ist das anders. Doch verstehen wir das Gleiche darunter, wenn wir das gleiche Wort verwenden? Die Bibel spricht von einem wieder lebendig gewordenen Körper.
Pixabay
Jesus ist auferstanden

Sterben muss jeder, aber was kommt danach? Eigentlich alle suchen irgendwann nach einer Antwort darauf. Das Neue Testament überrascht an dieser Stelle mit seiner seltsamen und hoffnungsvollen Botschaft einer Auferstehung: Jesus lebt nach seinem Tod in einem neuen Körper weiter und dasselbe können wir auch erleben.

Mehr als eine Weiterexistenz

Waren die Menschen in der Antike so unbedarft, dass sie solch eine Botschaft direkt glaubten? Eher nicht. Als Realisten war für sie laut N. T. Wright «der Weg in die Unterwelt eine Einbahnstrasse. Der Tod war allmächtig; man konnte ihm nicht entkommen und man konnte seine Macht nicht brechen.» An irgendein Weiterleben glaubten praktisch alle, sei es als Schattenwesen oder als körperlose Seelen.

Manche Juden – zum Beispiel die gebildeten Sadduzäer – lehnten den Gedanken an eine Fortexistenz der Seele gänzlich ab; die meisten hätten jedoch mit Martha und Maria zusammen geglaubt, dass der Tod von Lazarus nicht endgültig wäre: «Ich weiss, dass er auferstehen wird in der Auferstehung am letzten Tag» (Johannes Kapitel 11, Vers 24). Irgendwann, am Ende der Zeit, würde Gott sein Volk wieder sammeln und ihnen neue Körper geben. Doch diesen in der Antike seltenen Gedanken spitzte Jesus noch viel weiter zu.

Jesus als Vorreiter

Die meisten Äusserungen von Jesus in Bezug auf die Auferstehung passen gut in das jüdische Weltbild hinein. Doch einmal stellte er seine Jünger vor ein Rätsel: «Als sie aber vom Berg herabgingen, gebot er ihnen, niemand zu erzählen, was sie gesehen hatten, bis der Sohn des Menschen aus den Toten auferstanden sei» (Markus Kapitel 9, Vers 9). Wie bitte? Niemals hätten die Jünger gedacht, «dass Auferstehung etwas sei, das mit einer einzigen Person vor allen anderen geschehen würde» (Wright). Bei seinem Reden von der Auferstehung knüpfte Jesus nicht bei heidnischen Vorstellungen an, sondern bei jüdischen. Und er erweiterte sie noch gehörig.

Vier Seltsamkeiten der Ostergeschichte

Der britische Theologe N. T. Wright verfasste ein ausführliches Buch zum Thema «Von Hoffnung überrascht». Darin erklärt er, wie aussergewöhnlich die Auferstehung schon damals war, und erwähnt vier seltsame Merkmale der neutestamentlichen Auferstehungsberichte. Sie sind keine schlagenden Beweise – wie überhaupt die Auferstehung im wissenschaftlichen Sinne nicht beweisbar ist –, aber «sie drängen uns, diese Berichte als sehr frühe Berichte ernst zu nehmen».

1. In den Auferstehungsberichten wird die Bibel kaum zitiert. Sonst wird immer wieder betont, dass das Handeln und sogar Sterben von Jesus «nach der Schrift» geschah. Seine Auferstehung war die Überraschung, die nicht ins Raster des Alten Testaments passte.

2. Die ersten Zeugen der Auferstehung waren – darin sind sich alle Evangelisten einig – Zeuginnen. Und Zeugenaussagen von Frauen zählten damals nichts. Die Überraschung war zu gross, um darüber hinwegzugehen. Erst später wurde es wichtig, dass «500 Brüder» den Auferstandenen gesehen hatten (1. Korinther Kapitel 15, Vers 6).

3. Wenn die Jünger nach ihrer Erwartung etwas über den auferstandenen Jesus hätten schreiben sollen, dann wäre eine zweite Verklärungsgeschichte mit einem sternenstrahlenden Jesus daraus geworden, kein unauffälliger Mann, den man mit dem Gärtner verwechseln konnte.

4. Die letzte Seltsamkeit der Auferstehungsberichte ist, dass sie in den Evangelien an keiner Stelle theologisch ausgedeutet werden. Nirgendwo wird der Schluss gezogen: «Daher gibt es Leben nach dem Tod» oder gar «werden wir in den Himmel kommen».

Die Auferstehung war schlicht zu überraschend. Wenn die ersten Christen sie hätten inszenieren wollen, dann hätten sie das anders angefangen. Sie beschrieben stattdessen das, was sie erlebten, was sie selbst überraschte, und was ihr Leben und Sterben auf den Kopf stellte. «Der Herr ist auferstanden!», lautet der überraschte Ostergruss. «Er ist wahrhaftig auferstanden!», ist die hoffnungsvolle Antwort.

Dieser Artikel erschien im April 2021 auf Livenet.

Zum Buch:
N. T. Wright: Von Hoffnung überrascht

Teile diesen Beitrag
Das könnte dich auch interessieren
Thema
Gegrillter Fisch

Eine neue Perspektive – Frühstück im Morgengrauen

Sie hatten eine Nachtschicht hinter sich. Als sie erschöpft ankamen, fanden sie ein Frühstück und einen Freund. Das tat ...

Thema
Jesus ist auferstanden

Das Ostergeheimnis – «Er ist wahrhaftig auferstanden»

Auferstehung ist keines der Wörter, die zu unserem täglichen Vokabular gehören. An Ostern ist das anders. Doch ...

Thema
Henrik Otto rechnet mit der Kraft der Auferstehung

Konkrete Hoffnung – Mit der Kraft der Auferstehung rechnen

Warum ist es wichtig, mit der Kraft der Auferweckung zu rechnen und das Leben hoffnungsvoll aus der Auferstehungskraft ...

Thema
Ein Blatt liegt auf einer Strasse

Der düstere November – Kann etwas dem Tod den Schrecken nehmen?

Der November ist einer der düstersten Monate. Es wird früh dunkel, ist an vielen Orten nebelig und viele Menschen ...

Thema
Einsamkeit

Angst vor dem Tod – Jesus: Mit seinem Tod änderte sich alles

Für die meisten Menschen ist der Tod ein Fremder, bis er, meist durch eine schwere Krankheit, mit einem Mal ins Leben ...

Thema
Mann auf einem Steg

Das Grab konnte ihn nicht halten – Die latente Angst vor dem Tod

Corona-Statistiken weisen täglich die Zahl der Verstorbenen aus. Der Tod scheint allgegenwärtig, doch er ist kaum ...

Mission Impossible – Cold-Case Ermittler wollte Jesu Auferstehung widerlegen

Der Cold-Case-Ermittler J. Warner Wallace war entschiedener Atheist. Als seine Frau Christin wurde, wollte er beweisen, ...

Thema
Maria Magdalena

Einfach Jesus – Altes loslassen – Neues erwarten

Ostern liegt noch nicht weit zurück. Wir konzentrieren uns noch einmal auf die Begegnung am Ostermorgen zwischen Maria ...

Thema
Konrad Blaser

Einfach Jesus – Gott hat immer das letzte Wort

Er heilt Kranke und holt sogar Tote zurück ins Leben. Nach drei Jahren, die Jesus so auf der Erde wirkte, stirbt er ...