Vom früheren CDU-Generalsekretär – «Wer Fehler vermeidet, kommt nicht voran»

Peter Tauber war Generalsekretär der CDU und von 2009 bis 2021 Mitglied des Deutschen Bundestages. Aus Erfahrung kann er sagen: Wer fleissig ackert, pflügt auch mal daneben.
Facebook / @tauber.peter
Peter Tauber

Da hatte ich mir zu viel vorgenommen. Nach mehr als 20 Kilometern war die Luft raus. Ausser Atem stand ich neben meinem Laufkumpel Mike Kleiss irgendwo in Köln und konnte nicht mehr weiter. Der Lauf durch die Rheinmetropole endete im Taxi. Ich als erfahrener Marathonläufer war bedient. Darüber habe ich mich lange geärgert. Mein sportlicher Ehrgeiz ist ähnlich gross wie im Job. Doch zum Glück lachen Mike und ich inzwischen über diese Geschichte. Noch besser ist, dass mir das inzwischen auch bei den meisten beruflichen Fehlern, die ich gemacht habe, gelingt. Und nachdem ich zwölf Jahre Politik wie Hochleistungssport betrieben habe, ist die Liste meiner Fehler lang.

Im Ton vergriffen

Von einem Fehler, der mich bis heute «verfolgt», will ich hier berichten: Als CDU-Generalsekretär gehört es zur Jobbeschreibung, auch mal verbal auszuteilen. Deutliche Worte sollen politisch komplexe Sachverhalte auf den Punkt bringen, Debatten befeuern und die Aufmerksamkeit auf bestimmte Themen lenken. Dabei habe ich einige Male danebengegriffen. Besonders daneben ging ein Satz in einem sozialen Netzwerk. Viele Menschen haben sich angegriffen gefühlt. Ich musste mich entschuldigen. Dieser Ausrutscher wird mir bisweilen heute noch vorgehalten. Ich hatte mich im Ton vergriffen. Der Grund hierfür war weitreichender: Irgendwann ist mir aufgefallen, dass ich immer dann «unglücklich» formulierte, wenn ich unkonzentriert, übermüdet und unausgeglichen war. Anstatt um 23 Uhr das Mobiltelefon wegzulegen, meinte ich, dass die Welt noch dringend einen Kommentar von mir auf Social Media benötigte. Falsch gedacht.

Politik ist keine Wellness-Veranstaltung. Und das gilt auch in vielen anderen Berufen, die mit einem hohen Mass an Verantwortung verbunden sind. Wir kennen das: Gute Ratschläge für andere haben wir immer parat. Aber uns selbst dran halten? Schnell kommen wir an unsere Grenzen, ignorieren sie. Ich weiss, wovon ich rede. Ich bin fest überzeugt, dass Laufen uns hilft, damit klarzukommen, dass das Leben uns manchmal ganz schön viel abverlangt. Wir lernen das Scheitern, wir erkennen, dass wir Grenzen haben. Und dass es sich lohnt, daran zu arbeiten, diese zu erweitern.

Aus Fehlern lernen

Laufen ist eine gute Übung, um uns mit wichtigen Fragen des Lebens auseinanderzusetzen. Dazu gehören auch die Dinge, die wir falsch gemacht haben. Wir müssen bei unseren Fehlern nicht stehen bleiben. Wir können immer wieder neu loslaufen, neu anfangen. Wer Fehler vermeiden und trotzdem Leistung bringen will, der kommt nicht voran, wenn er sich nicht ehrlich macht. Darum sage ich: Wähle dein eigenes Tempo! Das Gefühl der Rastlosigkeit und der Überforderung kennen viele. Weil andere unser Tempo bestimmen. Ich komme aber nicht ans Ziel, ich werde Fehler machen, wenn ich nicht stark genug bin, mich selbst nicht kritisch betrachte und meine Kräfte nicht einschätzen kann.

Meine Lieblingsstelle in der Bibel steht in 2. Korinther Kapitel 5, Vers 17. Da schreibt Paulus: «Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.» Für mich bedeutet das: Ich kann, ich muss immer wieder neu anfangen. Darum halte ich mich nicht lange mit den Fehlern von gestern auf. Ich habe daraus gelernt. Das wird mich nicht davor bewahren, morgen neue Fehler zu machen. Aber ich bleibe bei meinen Fehlern nicht stehen. Ich bin mehr als die Summe meiner Fehler. Darum laufe ich immer wieder los.

Peter Tauber (50) ist Historiker, Reserveoffizier, Christ. Der gebürtige Hesse war Generalsekretär der CDU und von 2009 bis 2021 Mitglied des Deutschen Bundestages. Nach einer schweren Erkrankung beendete er seine politische Laufbahn und ist heute als selbstständiger Berater tätig. Sein neuestes Buch trägt den Titel: «Lauf los – Egal, wo du im Leben stehst: Du kannst immer wieder neu starten» (bene!)

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