Leben im Glauben – Warum wir mit Gottes Möglichkeiten «rechnen» dürfen

Vermutlich werden unsere ganz alltäglichen Entscheidungen in der Regel viel mehr von unseren Erfahrungen und damit unseren Möglichkeiten und Grenzen bestimmt als von Gottes Möglichkeiten. Das darf und kann sich ändern.

Vermutlich werden unsere ganz alltäglichen Entscheidungen in der Regel viel mehr von unseren Erfahrungen und damit unseren Möglichkeiten und Grenzen bestimmt als von Gottes Möglichkeiten. Das darf und kann sich ändern.

Natürlich könnte man kritisch fragen, ob wir die unbegrenzten Möglichkeiten Gottes einfach so in unsere Lebensgestaltung einkalkulieren können. Vermutlich bin ich nicht der Einzige, der «Gottes Möglichkeiten» zuerst mal gerne als Garantie für Durchbruch, Erfolg und Vermeidung von Leiden interpretieren würde. Nun kenne ich aber nicht nur die Bibel, sondern auch Gottes Handeln in meinem Leben noch von einer anderen Seite: Gottes Möglichkeiten schliessen nicht selten auch Zeiten von Leiden und Scheitern ein, in denen ich etwas bescheidener und abhängiger von Gott werde und mehr in die unsichtbare Tiefe als in die von allen bewunderte Höhe wachse.

Wir suchen zuerst ihn

Natürlich: Wo Menschen Gottes Möglichkeiten mehr suchen als ihn, pervertiert der Glaube zu einer religiösen Technik. Schon Jesus sagte es sehr deutlich: «Ich will euch sagen, warum ihr mich sucht: Ihr sucht mich nur, weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid» (Johannes, Kapitel 6, Vers 26). Zuerst geht es uns um ihn. Im Zentrum des christlichen Glaubens steht ein Gott, der sich uns durch Jesus Christus als Vater offenbart. «Glaube» beschreibt darum die Qualität unserer Beziehung zu Gott: Weil wir uns ihm anvertraut haben und er uns mit seiner bedingungslosen Treue und Liebe beschenkt hat, darum dürfen und können wir auch mit ihm und seinen Möglichkeiten im besten Sinne des Wortes rechnen. Auf seine Bundestreue ist Verlass. Immer. Auch im Leiden und durch das Leiden hindurch.

«Leben im Glauben» ist ein Mannschaftssport

Vermutlich gehen viele von uns ihre alltäglichen Herausforderungen als Einzelkämpfer an oder nehmen vielleicht noch eine nahestehende Person zur Seite. Die Konsequenz: Ich lasse mich von meinen und/oder unseren Möglichkeiten und Grenzen bestimmen. Was hat sich bewährt? Was hat letztes Mal nicht funktioniert? Was werde ich nie mehr versuchen?

Damit lasse ich mich von meinen oder den gemeinsamen Erfahrungen begrenzen, manchmal sogar in Ketten legen. Das kann auch uns als Kirchen passieren. Natürlich wollen die Vernunft und damit auch der aufmerksame Umgang mit unserer Erfahrung ernst genommen werden. Aber da ist noch mehr: Als Christen sind wir sein Leib – mit ihm als Haupt. Nun sind Jesus und durch ihn der «Unser-Vater-im-Himmel» auf unserer Seite. Die Zusage von Jesus «Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen» (Matthäus, Kapitel 18, Vers 20) bildet den Ankerpunkt eines gemeinschaftlichen Lebens, das von Gottes Gegenwart und darum auch von seinen Möglichkeiten durchdrungen ist. Ich bin nicht alleine – ich darf zusammen mit Brüdern und Schwestern gemeinsam mit dem dreieinigen Gott in der gleichen Mannschaft mitspielen.

«Wir rechnen mit Gottes Möglichkeiten» ist darum kein nett formulierter Slogan, sondern ein zentraler Wert von Menschen, die sich auf die Nähe und Bundestreue Gottes verlassen – und sich für mehr Himmel in dieser Welt einsetzen.

Wer mit Gottes Möglichkeiten rechnet, traut Menschen mehr zu

Eine kleine Illustration: Letzthin trafen wir als Leiterschaft einen Entscheid, von dem ich wusste, dass er einige enttäuschen wird. Und ich kenne es aus ganz persönlicher Betroffenheit: Das Risiko ist gross, dass enttäuschte Menschen sich nicht ernst genommen, verletzt oder sogar gekränkt fühlen. Und schnell führt das eine zum anderen und ein teuflisches Gemisch von Missverständnissen, Unverständnis und Verdächtigungen droht das liebevolle Miteinander in der Gemeinde zu vergiften.

Doch plötzlich spürten wir es: Gott zu vertrauen heisst auch,  Menschen zuzutrauen, dass sie nicht gekränkt und verletzt reagieren. Schliesslich spielen wir alle in der gleichen Mannschaft – und haben ihn auf unserer Seite. Er kann es möglich machen, dass wir gemeinsam an dieser für alle schwierigen Erfahrung gegenseitig in Liebe, Respekt und Einheit wachsen. Wahrscheinlich habe ich in der Vergangenheit einige schwierige Entscheidungen nicht getroffen, weil ich fürchtete, dass Menschen sich verletzt fühlen könnten und dann «Probleme» machen.

Seine Möglichkeiten werden zu unseren Möglichkeiten

Wenn wir verstanden haben, dass Jesus auf unserer Seite ist, dann werden seine Möglichkeiten zu unseren Möglichkeiten. Seine Liebe vertreibt die Menschenfurcht. Sie lässt uns mutiger werden. Unsere Erfahrungen können uns nicht an unsere Vergangenheit ketten. Dann trauen wir uns selbst und den Menschen um uns herum auch Neues zu: Schliesslich ist das Alte vergangen; Neues kann werden. Das kann auch heissen, dass wir einander zumuten, mit schwierigen Entscheidungen oder ehrlichen Beobachtungen umzugehen. Warum? Weil im Anderen der gleiche Gott wohnt wie in uns. Weil wir ja nicht gegeneinander, sondern in der gleichen Mannschaft spielen. Wir sind seine Gemeinde, die zuerst mit ihm und darum auch mit seinen Möglichkeiten rechnet.

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