Wartezeit zur Arbeit nutzen – Warten auf den Gott, der selbst wartet

Im Leben jedes Christen gibt es Zeiten des Wartens, auf Gottes Stimme, auf Antworten, auf Weisung. Doch Wartezeiten haben auch viel Gutes, wie der Autor Andrew Murray aufzeigte. Zum Abschluss der Mini-Serie geht es heute um eine Arbeitsanweisung.

Unsplash / Kai Pilger
Es ist gut, sich bewusst zu machen, dass Gott selbst auch wartet.

In Jesaja Kapitel 30 Vers 18 steht: «Und darum wartet der Herr darauf, euch gnädig zu sein, und darum erhebt er sich, um sich eurer zu erbarmen, denn der Herr ist ein Gott des Rechts. Wohl allen, die auf ihn warten.» Das Besondere an diesem Bibelwort ist der Einblick in Gottes Absichten, den wir hier bekommen.

Nicht nur wir sind es, die oft auf Gott warten, Gott wartet ebenso auf uns! Im Hebräischen steht hier beide Male dasselbe Wort. Die Wirklichkeit, die dahintersteht, zu erfassen, bedeutet Inspiration und neuen Schub für unser eigenes Warten. Wir warten nicht vergeblich, sondern sind mehr als willkommen bei ihm. Er freut sich, die Menschen zu finden, nach denen er gesucht hat.

Sehnsucht eines Vaterherzens

Gott ist Liebe (1. Johannes Kapitel 4, Vers 16). Deshalb ist es sein ständiger Wunsch, seine Güte und sein Glück all seinen Geschöpfen mitzuteilen. Er sehnt sich danach zu segnen und hat Freude daran, es zu tun. Mit jedem einzelnen seiner Kinder hat er grossartige Absichten: Er will ihnen seine Liebe und Macht zeigen, und zwar durch die Kraft seines Heiligen Geistes. Dies zu tun, darauf wartet Gott mit der ganzen Sehnsucht eines Vaterherzens. Wenn wir uns das Warten auf Gott zur Gewohnheit gemacht haben oder uns eine Zeit der Stille nehmen, dürfen wir zu ihm aufblicken und dabei erkennen und erwarten, dass er bereit ist, uns zu begegnen und uns Zuwendung und Güte zu schenken.

Wenn er uns warten lässt

Warum aber erfahren wir Gottes Hilfe oft nicht so schnell? Warum zögert er, auch wenn wir in eine bewusste Haltung des Wartens gefunden haben? Darauf gibt es zwei Antworten.

Zum einen: Gott hat den Rhythmus von Wachstum und Ernte geschaffen. «Seht, wie der Bauer auf die köstliche Frucht der Erde wartet und sich ihretwegen geduldet» (Jakobus Kapitel 5, Vers 7) – damit ist auch Gott beschrieben. Gott kann keine Frucht ernten, bevor sie reif ist. Er weiss, wann wir bereit sind, seinen Segen aufzunehmen, sodass er uns wirklich zugutekommt und ihm Ehre macht. Wir warten – um im Bild der Landwirtschaft zu bleiben – entweder unter dem Sonnenschein seiner Liebe (und reifen dabei) oder unter der Wolke der Versuchung, die dann aber belebenden Regen freisetzt. Falls Gott länger wartet als wir uns wünschen, wird der Segen doppelt kostbar sein. Immerhin hat er ja auch lange gewartet, bis er seinen Sohn auf die Erde sandte – bis «die Zeit erfüllt war» (Galater Kapitel 4, Vers 4).

Zum anderen – bereits in den vorigen Einheiten wurde es gesagt – ist der Geber mehr als die Gabe. Gott bedeutet mehr als der Segen. Wenn wir in einer Wartezeit festgehalten sind, ist gerade dies der Weg, dass wir lernen, unser Leben und unsere Freude in ihm zu finden.

Begegnung

Als Wartende sind wir mit ihm verbunden: Wir warten und er wartet auch. Er wartet darauf, uns gnädig zu sein: Dieses Ziel zu erfassen und Gottes Wesen so zu begreifen, kann ein Segen unserer Wartezeit sein. Ja, es ist segensreich, wenn eine wartende Seele und ein wartender Gott sich treffen.

Und daraus folgt eine Arbeitsanweisung. Gott kann sein Werk nicht ohne sein Warten und unser Warten tun. Machen wir also das Warten zu unserer Arbeit, genauso wie er es zu seiner macht.

Konkret kann das heissen: Füllen wir Wartephasen immer wieder mit Momenten oder längeren Zeiten des Gebets, die nicht der Bitte gewidmet sind («Herr, schick mir bald deine Hilfe»), sondern der Verbundenheit mit Gott! Machen wir uns bewusst, dass wir – obwohl Gott im Himmel ist und wir auf der Erde (vgl. Prediger Kapitel 5, Vers 1b) – mit ihm Seite an Seite stehen, als Wartende! Ein Gebet, das sich darauf fokussiert, setzt Frieden frei und führt in die Anbetung.

Zur Miniserie:
Veränderung im Gebetsleben: Warten, dass Gott uns versorgt
Wenn zwei Blicke sich begegnen: Warten unter seinem Blick
In der Stille: Auf Gottes Rat warten

Von mir weg, zu Gott hin: In der Stille auf Gott warten

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