Thema mit Zündstoff – Ordnung – Fetisch oder Kampffeld?

Nicht erst seit Marie Kondo und dem Minimalismus-Boom ist Ordnung ein Thema. Manche Menschen sind von Natur aus ordentlich, andere haben den Kampf um die Ordnung bereits frustriert aufgegeben.
Unsplash / Annie Spratt
Wie trainiert man seinen Ordnungssinn? (Symbolbild)

Auch nach sieben Jahren zeigt Marie Kondo weiterhin auf Netflix, wie jeder Ordnung in sein Leben bringen kann. So hilfreich viele Tipps auch sind, hat das Vorgehen der Japanerin etwas von einer Hauruck-Methode. Ordnung aber ist etwas sehr Persönliches und Individuelles.

So verschieden Menschen sind, so verschieden ist eben auch ihr Ordnungssinn. Für manche kann es nicht ordentlich genug sein; andere kämpfen mit ihrer Unordnung oder haben das Thema längst abgehakt, weil es ihnen zu anstrengend ist. Ehepartner und Wohngemeinschaften können ein Lied davon singen, wie anstrengend es sein kann mit diesen Unterschieden klar zu kommen.

Eine Frage mit Zündstoff

Denn für den einen ist ordentlich, was der andere als Chaos empfindet. Unterschiede gibt es auch in den Bereichen, in denen einem Menschen Ordnung wichtig ist. Wo Menschen zusammenleben, ist der unterschiedliche Sinn für Ordnung oft Anlass für Streit und bietet nicht selten krassen Zündstoff, im Extremfall so sehr, dass das Miteinander gar nicht mehr funktioniert.

Ordnung ist darüber hinaus auch eine Frage der Lebenssituation: Manch einer hatte immer Ordnung in seinen Sachen, bis die Kinder kamen... Andere sind krank, vielleicht depressiv oder gehen durch eine Krise, weshalb sie sich schwertun mit Ordnung. Nicht selten ist so die äussere Unordnung ein Spiegel des Inneren.

Für Jesus ist unsere Unordnung kein Problem

So hilfreich Ordnung ist, ist sie kein Gebot Gottes. Und Unordnung ist auch keine Sünde. Dennoch haben viele Menschen ein schlechtes Gewissen, weil sie mit ihrer Unordnung kämpfen. Für Jesus ist Unordnung aber kein Problem. Er weiss um alles, was uns ausmacht, kennt uns und liebt uns wirklich so, wie wir sind. Er wartet nicht darauf, dass wir erst Ordnung schaffen, bevor wir zu ihm kommen (dürfen). Vielmehr sagt er zu unserer Unordnung und zu unserem Frust: «Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch plagt und von eurer Last fast erdrückt werdet; ich werde sie euch abnehmen.» (Matthäus-Evangelium, Kapitel 11, Vers 28)

Trotzdem hat Unordnung durchaus handfeste Nachteile: Wer keine Ordnung in seinen Sachen hat, braucht Zeit zum Suchen, zudem kostet das Aushalten der Unordnung zusätzlich Kraft und der Betroffene kommt oft nicht dazu, Aufgaben anzupacken, weil er zunächst etwas suchen muss, um es angehen zu können.

Ein paar Hilfen und Tipps

Doch es gibt ein paar nützliche Hinweise, die helfen können:

  • Ein fruchtbarer Boden für Unordnung ist, dass du viele, vielleicht zu viele Dinge besitzt. Reduziere also deinen Besitz. Trenne dich von Dingen, auch wenn es schwerfällt.

  • Schau zunächst einmal, ob der vorhandene Platz zu der Menge an Dingen passt, die du hast. Wenn du zu wenig Platz hast, wird es dir kaum gelingen, Ordnung zu halten.

  • Wenn du damit beginnst, Ordnung zu schaffen, dann setze dir unbedingt kleine Ziele. Gehe Schritt für Schritt vor. Auch wenn es nur jeweils 15 Minuten sind, in denen du aufräumst. Das ist besser, als alles auf einmal schaffen zu wollen und dann vor der Riesenaufgabe zu kapitulieren.

Leidige Papierberge

Stichwort Unterlagen: Unterscheide möglichst sofort zwischen Dingen, die wichtig sind, und Unwichtigem wie Werbung (gleich wegwerfen) oder etwas, was du vielleicht mal später lesen willst. Mach dir ein System, das deinen Anforderungen genügt und achte darauf, dass bereits beim Eingang des Papiers (aus dem Briefkasten, von einem Treffen etc.) die Dinge sofort ihren Platz haben.

Ordnung halten durch Aufräumroutinen

Es gibt die Redensart «Ordnung machen ist nicht schwer, Ordnung halten aber sehr». Entscheidend ist: Du brauchst immer wieder Zeiten zum Aufräumen, auch wenn es nur ein paar Minuten am Tag sind. Es ist wichtig, Ordnungmachen in den Alltag zu integrieren.

  • Plane deinen Tag und deine Aufgaben so, dass du nicht ständig unter Druck bist und dir Zeit bleibt, Dinge weg- und aufzuräumen.

  • Beim Kochen kann man meist auch aufräumen und spülen, weil man nicht permanent gefordert ist.

  • Versuche dir anzugewöhnen, Dinge möglichst gleich nach dem Gebrauch wieder wegzuräumen. Sei es die Einkaufstasche, Werkzeug, Schuhe, Kleider etc.

  • Prüfe, ob alle deine Dinge einen festen Platz haben. Solange das nicht der Fall ist, kannst du nicht wirklich Ordnung halten.

Einfach nur peinlich

Für manche ist die Ordnungsfrage regelrecht peinlich. Sie fühlen sich schwach, weil sie es nicht schaffen, ordentlich zu sein. Das kann so weit gehen, dass das Thema bei ihnen Scham auslöst und sie es vermeiden, zu sich nach Hause einzuladen. So kann Unordnung – zumindest mittelbar – sogar einsam machen.

Lass es nicht so weit kommen! Stehe dazu, wie du bist, hör auf, dich mit Ordnungs-Fetischisten zu vergleichen und geh das Thema aktiv an.

Und vergiss nicht: So, wie du bist, egal ob ordentlich oder nicht, genau so liebt Jesus dich!

Dieser Artikel erschien im Dezember 2022 auf Jesus.ch.

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