El Salvadors Jugendgangs – «Nur mit Jesus kommst du hier raus»

Brutale Jugendgangs wie MS-13 und 18th Street haben dem mittelamerikanischen Land die höchste Mordrate der Welt beschert; ein Bericht in «The Guardian» zeigt nun, wie Pastoren Bandenmitgliedern helfen, ein Leben in Freiheit zu finden und zu behalten.

«El Salvador» heisst «Der Retter». Brutale Jugendgangs wie MS-13 und 18th Street haben dem mittelamerikanischen Land die höchste Mordrate der Welt beschert; ein Bericht in «The Guardian» zeigt nun, wie Pastoren Bandenmitgliedern helfen, ein Leben in Freiheit zu finden – und zu behalten. «Wir sind nicht typische Christen», berichtet ein Ex-Gangmitglied im packenden Report aus El Salvador. «Wir haben viele schlimme Dinge getan.» Und ein Pastor erklärt: «Jeden Tag suchen in diesem Land Dutzende von Gangmitgliedern den Ausstieg aus ihren Banden und finden den richtigen Weg in den Armen des Herrn Jesus.»

71 Jahre Strafe

Der Bericht zeigt Hunderte von Männern, die in weissen Kleidern in einem Gefängnis mit Liedern Gott loben – alles frühere Mitglieder der berüchtigten Gang MS-13 in El Salvador. «Wir sind noch im Gefängnis», sagt einer von ihnen zu seinen Kollegen. «Wenn wir mal rauskommen sollten, gibt es viele Versuchungen; aber wir wissen, dass wir Söhne Gottes sind; darum können wir jetzt anderen helfen, weil Gott uns verändert hat.»

«Sie haben mich zu 71 Jahren Strafe verurteilt, neun Jahre habe ich jetzt abgesessen», berichtet ein anderer. «Ich war 25 Jahre lang aktiv, seit 1990. Ich hätte mir früher nie vorstellen können, dass ich mich je ändern könnte.» Und er fährt fort: «Ich habe schlimme Sachen gesehen – Jungen, die mit 14 oer 15 sterben mussten, weil sie einem Gangführer nicht gehorcht haben.»

Nur drei Wege raus

Der Distrito Italia in San Salvador ist so total von Gangs beherrscht, dass Regierungsbeamte sich weigerten, ihn zu betreten. Pastor William war jahrelang Mitglied der Gang und hat seit sechs Jahren eine kleine Kirche in dem Viertel. «Es gibt nur drei Auswege aus der Gang: Tod, Spital oder Gefängnis. Der einzige Weg, wirklich lebendig rauszukommen, ist der Weg Gottes – und die Gangs wissen das genau», berichtet er. 

Mit 13 Jahren schloss er sich der Gang MS-13 an, als einer der ersten. «Ich wollte, dass man mich respektiert. Meine Mutter hatte nie Zeit für uns, und mein Vater war dauernd von Drogen high oder betrunken.» Mit sieben Jahren begann er selbst, Drogen zu nehmen. Nach neun Jahren in der Gang kam er ins Gefängnis, wo er Gott versprach, sein Leben zu ändern, wenn er rauskäme. «Am Tag, an dem ich im Jahr 2000 entlassen wurde, gab ich mein Leben dem Herrn.» Heute versucht er, so viele junge Männer wie möglich vor dem Gangleben zu bewahren oder sie herauszuholen.

Auch bei der Konkurrenz

Auch aus der Konkurrenz-Gang «18th Street» haben sich Mitglieder Jesus zugewandt. Die kleine Ebenezer-Gemeinde betreibt eine Bäckerei, in der Ex-Gangmitglieder sich Geld verdienen können. «Wir haben elf Jungs, die hier bei uns wohnen», erklärt Pastor Gomez, «alle von ihnen Ex-Gangmitglieder. Wir bieten ihnen eine vorübergehende Bleibe, bis sie sich wieder ihren Familien anschliessen können. Denn wenn sie gar niemanden haben, fallen sie immer wieder ins Gangleben zurück.»

Gomez war selbst im Gefängnis in den USA und wurde nach El Salvador deportiert. Eines Tages besuchten ihn Christen im Gefängnis. «Wow – ich hatte niemanden, und da war plötzlich jemand, der mich gar nicht kannte und mich kennenlernen wollte.» Das veränderte sein Leben. «Und dann dachte ich: Warum mach ich nicht dasselbe für andere?»

Wenn die jungen Männer aus dem Gefängnis kommen, gibt es praktisch keine Programme, die ihnen helfen können. Hier setzen Christen wie die Ebenezer-Gemeinde an. «Als ich Christ wurde, waren nur sieben oder 9´neun von uns Christen», berichtet Pastor Gomez. «Heute sind es über 1'500 Gang-Mitglieder, die Gott anbeten.»

Gomez träumt davon, ein Zentrum für junge Männer aufzubauen, in denen sie die Liebe Gottes erleben können. «Ich hatte solchen Hass in mir, ich wollte eine Bombe auf die Leute werfen», erinnert er sich. «Aber heute will ich nur noch davon reden, dass Jesus die Menschen liebt».

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