Der aaronitische Segen – Gott sagt Ja zu dir

Segen ist eine besondere Form des Zuspruchs. Er wünscht dem anderen nicht nur alles Gute, sondern Gottes Hineinwirken in sein Leben. Ein besonders verbreiteter Segenswunsch steht am Anfang des Alten Testaments: der sogenannte aaronitische Segen.

Segen ist eine besondere Form des Zuspruchs. Er wünscht dem anderen nicht nur alles Gute, sondern Gottes Hineinwirken in sein Leben. Ein besonders verbreiteter Segenswunsch steht bereits am Anfang des Alten Testaments: der sogenannte aaronitische Segen.Gott selbst erklärt Mose, wie sein Bruder Aaron als Priester das ganze Volk segnen soll, nämlich mit den Worten: «Der Herr segne dich und behüte dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig! Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden!» (4. Mose, Kapitel 6, Vers 24-26). Bis heute ist dieser Segen ein wichtiger Bestandteil jüdischer und christlicher Gottesdienste.

Gott ist der Segnende

Viele halten den ersten Teil der Bibel für denjenigen, in dem hauptsächlich von einem strafenden und rächenden Gott die Rede ist. Doch tatsächlich ist die älteste uns bekannte Überlieferung im Alten Testament dieser Segen. 1979 wurden in einem Familiengrab im Hinnomtal (das ironischerweise Namensgeber der «Hölle» ist) zwei winzige Schriftrollen aus fast reinem Silber entdeckt, und eine von ihnen enthält den aaronitischen Segen. Die alten Bibelhandschriften stammen aus dem 7. Jahrhundert vor Christus und sind damit rund 400 Jahre älter als die bekannten Bibelhandschriften aus Qumran. Dieser alte Fund unterstreicht deutlich, welche Bedeutung Segen im Allgemeinen und der aaronitische Segen im Besonderen bereits damals hatte. Gott war und ist der Segnende.

Gott schenkt Frieden

Der Segen selbst ist in drei Teile gegliedert und auf hebräische Art gereimt. Diesen Gedankenreim nennt man Parallelismus. Alle drei Aussagen beginnen mit der Ansprache Gottes als Jahwe (Herr). Es folgen parallele Segenszusagen (segne dich; lasse sein Angesicht leuchten über dir; erhebe sein Angesicht auf dich), die sich inhaltlich nicht wirklich unterscheiden. Parallel betonen sie Gottes Zuwendung, Nähe und Segen.

Für den Abschluss der drei Segensverse betont der Theologe Martin Werth: «Hier steigern sich die Zusagen. Die Reihenfolge ist mit Bedacht gewählt und einzuhalten. Mit dem ‚behüte dich’ wird zuerst der Bereich des alltäglichen Lebens mit seinen Gefährdungen unter die schützende und segnende Zusage Gottes gestellt. Mit dem ‚sei dir gnädig’ wird der Bereich der Gottesbeziehung selbst angesprochen. Wenn uns der Segen zugesprochen wird, ist uns bewusst, dass wir Gnade brauchen, dass wir uns als Sünder nie die Nähe und Zuwendung Gottes verdienen können. Ohne das Wissen um einen gnädigen Gott, der uns vergibt, könnten wir seine Nähe weder suchen noch aushalten. Das Schlusswort nennt den Schalom. Damit ist die Gesamtheit unserer Lebensbezüge genannt: Sein Friede ist höher als alle Vernunft. Er eröffnet uns Lebensraum in der Beziehung zu uns selbst, zu unserer Umwelt und zu unserem Schöpfer. Sein Friede atmet schon die Luft des Paradieses…»

Ein Segen für alle

Die Verse aus dem 4. Buch Mose bilden heute noch den Abschluss jüdischer Gottesdienste und sind gleichzeitig wichtiger Teil der wöchentlichen Sabbatfeier in den Familien. Seit der Reformation ist der priesterliche Segen ebenfalls fester Bestandteil in den evangelischen Kirchen und heute auch vieler Freikirchen. Der aaronitische Segen ist dabei viel mehr als eine Segensformel. Er ist der Zuspruch: Gott ist da, auch wenn wir uns verlassen fühlen. Seit damals schöpft der Einzelne Trost und Stärkung daraus. Gleichzeitig ist der Segen nicht an den Einzelnen gerichtet, sondern an alle: an das ganze Volk Israel wie die gesamte Gemeinde der Glaubenden. Komplett erfahrbar wird der aaronitische Segen mit seinem angebotenen Schalom also erst in Gemeinschaft.

«Der Herr segne dich und behüte dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig! Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden!»

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