Gestorben mit 76 Jahren – Glaubte Stephen Hawking an Gott?

Der Astrophysiker Stephen Hawking is am 14. März mit 76 Jahren gestorben. Wenn seine Aussagen auch gern von Atheisten als Argument genommen werden, bleibt eine letzte Unsicherheit, ob das «Jahrhundertgenie» an Gott glaubte oder nicht.

Der Astrophysiker Stephen Hawking is am 14. März mit 76 Jahren gestorben. Wenn seine Aussagen auch gern von Atheisten als Argument genommen werden, bleibt eine letzte Unsicherheit, ob das «Jahrhundertgenie» an Gott glaubte oder nicht.Stephen Hawking hat das öffentliche Bewusstsein und unsere Kultur auf bemerkenswerte Weise beeinflusst. Einer der Gründe ist sicher, dass da ein geniales Gehirn in einem gelähmten Körper auftrat: eine Gestalt im Rollstuhl, unfähig zu sprechen und Augenblick für Augenblick von der Technik abhängig, aber mit einem Denken, das Galaxien umspannte. Er verstand die Faszination, die er auf Menschen ausübte, und spielte gern damit – bis dahin, dass er in Shows wie «The Big Bang Theory» auftrat.

Vage über Religion

Wenn Hawking über Religion sprach, war er immer aufreizend vage. In seinem Buch «Eine kurze Geschichte der Zeit» sagt er sinngemäss: «Wenn wir je die 'Theorie des Ganzen' entdecken, wäre das der ultimative Triumph des menschlichen Verstandes – denn dann würden wir das Denken Gottes kennen.» Auf diese Aussage hin folgten ein Schwarm von Spekulationen über seine religiösen Ansichten. Aber später präzisierte er in einem Interview mit der spanischen Zeitung El Mundo: «Bevor wir die Wissenschaft verstehen, ist es natürlich zu glauben, dass Gott das Universum erschuf. Aber jetzt bietet die Wissenschaft eine überzeugendere Erklärung. Was ich mit der Aussage 'Wir würden das Denken Gottes kennen' meinte, ist: Wir würden alles wissen, was Gott weiss, wenn es einen Gott gäbe, was nicht der Fall ist. Ich bin Atheist.» An anderer Stelle erklärte er: «Zu fragen, was war vor dem Beginn des Universums, ist so sinnlos wie die Frage: Was ist nördlich vom Nordpol?»

«Ich sage gar nichts»

Es mag sein, dass sich solche Ansichten im Laufe der Zeit ändern. Offenbar besuchte er gelegentlich die St. Andrews-Baptistenkirche in Cambridge, und seine erste Frau Jane war Christin. Der Journalist Andrew Graystone erinnerte sich in einer Twitter-Botschaft an ein Interview mit Hawking: «Ich fragte ihn ausführlich, ob er an die Existenz eines Gottes glaubte. Er weigerte sich, die Frage zu beantworten. Als ich ihn fragte, warum, erklärte er: 'Wenn ich sage, dass ich an Gott glaube, wird jedermann sofort beanspruchen, dass ich an den selben Gott glaube wie er. Darum sage ich darüber nichts.'»

Kein Gott, der eingreift

Sicher scheint er nicht an einen Gott geglaubt zu haben, der in die Welt eingreift. In einem Reuters-Interview sagte er 2007: «Ich glaube, dass das Universum durch die Gesetze der Wissenschaft regiert wird. Diese Gesetze mögen durch Gott erlassen worden sein, aber Gott greift nicht ein, um sie zu brechen.» Und gegenüber «El Mundo» erklärte er: «Meiner Meinung nach gibt es keinen Aspekt der Wirklichkeit, die das menschliche Denken nicht erreichen kann.»

Hawking war klug genug, sich vor definitiven Aussagen über das Allerletzte zu hüten. Die meisten seiner Statements über Gott sind eher agnostisch als atheistisch. So meinte er zu einem berühmten Zitat von Albert Einstein: «Einstein lag falsch, als er sagte 'Gott würfelt nicht'. (...) Er hat die Würfel manchmal nur dorthin geworfen, wo wir sie nicht sehen.»

Spätestens heute, am 15. März 2018, weiss Hawking mehr.

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