Die Fragen, die Jesus stellte – Für wen haltet ihr mich?

Jesus stellte viele Fragen, etwa 230 sollen in der Bibel stehen. Sie brachten Menschen ins Nachdenken und veränderten Leben. Wie sprechen seine Fragen zu dir? Was antwortest du darauf? In einer Serie wollen wir einige der Fragen genauer betrachten.
Facebook / @InsideTheChosen
Jesus fragte seine Jünger: Für wen haltet ihr mich? (Szene aus der Serie The Chosen)

Distanzierte Beschreibung

Es gibt Fragen, die man auf Distanz gut beantworten kann: Sachverhalte, Daten und Meinungen kann man recherchieren und mehr oder weniger objektiv zur Darstellung bringen. Zum Mond sind es ca. 380'000 km, der FC Bayern wurde im Jahr 2023 Deutscher Fussballmeister. Auf dem Weg nach Cäsarea verwickelt Jesus seine Jünger in ein Gespräch mit drei Runden. In der ersten Runde bleibt es zunächst einmal distanziert und sachlich: «Wer sagen die Menschen, wer ich bin?» (Markus Kapitel 8, Vers 27). Diese Frage kann man gut in der 3. Person beantworten: «Manche sagen dies, andere sagen das...». Eine unerschöpfliche Frage!

Zu keiner theologischen Frage wurden vermutlich mehr Bücher geschrieben. Wer war Jesus? Darüber gehen die Meinungen extrem weit auseinander, und in jedem Jahr kommen neue Meinungen und neue Erkenntnisse dazu. Für Jesus war diese erste Frage jedoch nur ein Wachmacher und Aufrüttler, denn er legt nach. Meinungsstatistik und Umfrageergebnisse interessieren ihn nur am Rande. Er zielt tiefer.

Existenzielles Bekenntnis

Es gibt andere Fragen: Bei denen schlägt uns sofort das Herz bis zum Hals. Da spüren wir, jetzt müssen wir Farbe bekennen. Wir können uns nicht mehr hinter den klugen Antworten der Sachverständigen verstecken. Wir sind persönlich gefragt. Wir schauen in ein Gesicht und haben uns persönlich zu verantworten: Wollen wir miteinander gehen? Liebst du mich noch? Bist du gerne mein Papa? Wie viel ist dir unsere Freundschaft wert? Nach der ersten Frage wendet Jesus das Gespräch, und jetzt wird es ernst: «Wer bin ich für euch?» Hier hilft nicht der Blick nach rechts oder links. Wer über Jesus immer nur in der 3. Person spricht, kann eine anerkannte Fachperson sein, die durch ihre Kenntnisse beeindruckt. Aber die entscheidende Frage lautet: «Wer bin ich für dich?»

Diese Frage fordert ein existenzielles Bekenntnis. Dieses muss nicht im Widerspruch stehen zu theologischem Wissen – aber es geht darüber hinaus. Petrus beantwortet diese Frage mit einem mutigen Bekenntnis: «Du bist der Messias!» Bis heute bekennen Christen ihren Glauben mit ähnlichen Worten. Aber weiss Petrus deshalb wirklich, wer Jesus ist? Hat der die Bedeutung seines eigenen Bekenntnisses verstanden?

Lebenslange Nachfolge

Es gibt Fragen, die wir nicht ein für alle Mal beantworten, sondern immer wieder neu buchstabieren müssen. Petrus hat ein vollmundiges Bekenntnis vorgetragen, theologisch korrekt bis heute. Und er hat das auch ehrlich so gemeint. Aber was er damit gesagt hat – hatte er längst nicht verstanden! Jesus fährt unmittelbar fort, dass er leiden und sterben muss. Und Petrus korrigiert ihn: «Das kommt doch für dich überhaupt nicht in Frage!» Der Jesus, den er bekannt hat, war nicht der Jesus, den er wenig später verleugnet hat. Sein Bekenntnis beinhaltet einen nicht für möglich gehaltenen Schmerz und erforderte eine radikale Transformation.

Es ist schön und wichtig, wenn wir mit unseren Liedern und Gebeten bekennen, wer Jesus für mich und uns ist: mein Hirte, mein König, mein Retter, mein Heiler, mein Promisekeeper, meine Liebe, mein Leben, mein Ein und Alles! Auch ich ringe immer wieder um Worte, Bilder, Gesten, um Jesus gegenüber zum Ausdruck zu bringen, wer er für mich ist! Aber mein Leben verändert mich und stellt die alte Frage immer wieder neu: Wer bin ich für dich?

Ich will mich nicht hinter früheren Bekenntnissen verstecken, sondern mit meinem Leben neue Antworten finden. Bekenntnisse sind nicht billig, sie kosten uns etwas. Denn sie zielen nicht nur auf unsere Worte, sondern auf unser Leben. Das gilt übrigens nicht nur für den persönlichen Bereich, sondern auch für die Kirche insgesamt: Wer Jesus für uns im 21. Jahrhundert ist, beantworten wir vielleicht mit theologisch korrekten Bekenntnissen. Aber dass wir ja nicht der Frage ausweichen, was das heute für mich und für die Kirche wirklich bedeutet!

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