Selten so gedacht – Erschütterndes Beispiel von Gier und Stolz

Die Netflix-Dokumentation «Absturz: Der Fall gegen Boeing» zeigt die teuflische Dynamik, die entstehen kann, wenn der Mammon eine Unternehmenskultur zerstört. Bei Boeing führte dies tragischerweise zu zwei Flugzeugabstürzen mit 346 Todesopfern.
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Absturz: Der Fall gegen Boeing

Die Netflix-Dokumentation «Absturz: Der Fall gegen Boeing» zeigt die teuflische Dynamik, die entstehen kann, wenn der Mammon eine Unternehmenskultur zerstört. Bei Boeing führte dies tragischerweise zu zwei Flugzeugabstürzen mit 346 Todesopfern.

Es ist die tragische Geschichte von zwei tödlichen Flugzeugunglücken im Abstand von nur fünf Monaten: Im Oktober 2018 stürzte eine Boeing 737 MAX kurz nach dem Start in Jakarta ab. Im März 2019 kam es zu einem weiteren Absturz desselben Modells in Äthiopien, wieder kurz nach dem Abflug in Addis Abeba. In beiden Fällen erfolgte der Absturz aufgrund fehlerhafter Daten des Anstellwinkelsensors, der automatisch ein System aktivierte, das in die Steuerung des Flugzeugs eingreift und die Nase des Flugzeugs nach unten drückt.

Dies ist die rein technische Erklärung. Dahinter stecken aber Geldgier, Missmanagement, mangelnde Konkurrenzfähigkeit und ein Betriebsklima der Angst. Und das alles zu Lasten der Sicherheit der späteren Passagiere.

Profit um jeden Preis

Nachdem Boeing über Jahrzehnte ein angesehenes, für höchste Sicherheitsstandards bekanntes US-Unternehmen war, änderte sich 1997 durch die Übernahme des Flugzeugbauers McDonnell Douglas und die Rockwell International alles. Unter der neuen Führung wurde der Aktienkurs zum entscheidenden Kriterium, nicht die Sicherheit der Flugzeuge. Überall wurden die Kosten gedrückt. Beim 737 Max bedeutete das, dass man sich Schulungen sparen wollte, um so billiger bleiben zu können. Dabei hätte es die dringend gebraucht, um die Piloten über Besonderheiten der Maschine aufzuklären. Ohne dieses Wissen kämpften diese in den entscheidenden Momenten gegen ein Programm, von dessen Existenz sie nicht einmal wussten.

Hunderte von Menschen zahlten für den Kostendruck der Airline mit ihrem Leben. Und als wäre das nicht schrecklich genug, reagierte Boeing, wie Unternehmen in solchen Fällen häufig reagieren: leugnen, verheimlichen, lügen.

Warum ich diese Dokumentation empfehle

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Florian Wüthrich

Es ist schockierend und einfach nur traurig zu sehen, wie die Geldgier und der Stolz der Unternehmensführung um Dennis Muilenburg 346 Menschen in den Tod und ihre Hinterbliebenen in tiefe Trauer versetzten. Der absolute Tiefpunkt ist für mich der Moment, als Muilenburg am 30. Oktober 2019 vor einem Ausschuss des US-Kongresses aussagen und dabei den Angehörigen der Verstorbenen in die Augen blicken musste. Selbst nachdem das Versagen, ja das Verbrechen des Boeing-Managements der Öffentlichkeit preisgegeben war, zeigte dieser Mann kaum Gefühlsregungen. «Der müsste doch in Tränen ausbrechen und all die Angehörigen um Vergebung bitten», dachte ich mir, als ich mir das Gewicht seiner Schuld nochmals vor Augen führte. Und ich fragte mich: «Wie kann ein Mensch mit dieser Schuld weiterleben?»

«Absturz: Der Fall gegen Boeing» ist ein erschütterndes Anschauungsbeispiel über den Stolz, die Ursünde des Menschen. Der Stolz, der das Ego in den Mittelpunkt des Seins stellt. Oder, wie es C.S. Lewis in «Pardon, ich bin Christ» schreibt: «Der Hochmut freut sich nicht an dem, was er hat, sondern daran, dass er mehr hat als ein anderer. Wir sagen, die Menschen seien stolz auf ihren Reichtum, ihre Klugheit oder ihre Schönheit. Aber das ist nicht richtig. Sie sind stolz, weil sie reicher oder klüger oder schöner sind als andere.»

Was bringt mich zum Weinen?

Die Menschheitsgeschichte hat leider genügend Beispiele von starken Männern, die nicht mehr fähig sind, über menschliches Leid zu weinen. Für sie scheinen Menschen nur noch «Human Resources» zu sein. Ich stelle mir selbst immer wieder die Prüffrage nach Römer Kapitel 12, Vers 15, ob ich mich freuen kann mit den Fröhlichen und weinen mit den Weinenden.

Unweigerlich kommt mir zu diesem Thema und mit Blick auf die jüngsten Ereignisse in Osteuropa das Lied von Peter Reber «Buebe tüe nid briegge» in den Sinn. Der Berner Liedermacher hat in seinem kurzen Lied vieles auf den Punkt gebracht. Lassen wir dies doch zum Ende dieser Kolumne wirken und beten wir, dass Gott unser Herz vor Stolz, Gier und anderer Verblendung schützen möge:

Liedtext (Übersetzung: F. Wüthrich, Livenet):
Jungs weinen nicht, nein, das gehört sich nicht. Die jungen Seelen gefroren und die Gefühle in Reih und Glied.
Darum haben sie nie zu trauern gelernt, darum fällt es ihnen auch so schwer. Und wenn sie mal traurig sein wollen, dann bleiben die Augen leer.

Männer weinen nicht, weil es Jungs nie getan haben. Würde einer zu heulen beginnen, ja, das wäre doch kein richtiger Mann. Weil sie nicht mehr fähig sind zu trauern, ist die Welt, seit sie besteht, voller starker Männer, auch wenn dabei die Welt zum Teufel geht.

Die Präsidenten weinen nicht, so einer wäre ein Clown. Ein Staatsvertrag mit Tränen drauf, das wäre gegen die Staatsraison. Darum können sie noch so wollen, es hat ja doch keinen Zweck. Am guten Willen würde es nicht fehlen, nur am Herz auf dem richtigen Fleck.

Die Soldaten weinen nicht, ja, das wäre noch ein Ding. Würde einer, anstatt zu schiessen, plötzlich weinen wie ein Kind. Darum fliegen die Bomben noch immer, und die Welt bleibt wie sie ist. Weil die Männer erst traurig sein können, wenn der Zug bereits abgefahren ist!

Zur Dokumentation:
Absturz: Der Fall gegen Boeing

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