Äusseres vs. Herz – Eine Handtasche, ein Obdachloser und eine Riesenportion Vertrauen

Den anderen nicht nach seinem Äusseren zu beurteilen, ist häufig nicht einfach, vor allem, wenn man ihn gar nicht kennt. Und doch ist es unheimlich wichtig – wie Renee Williams nach eine Football-Spiel erkannte.

Den anderen nicht nach seinem Äusseren zu beurteilen, ist häufig nicht einfach, vor allem, wenn man ihn gar nicht kennt. Und doch ist es unheimlich wichtig – wie Renee Williams nach eine Football-Spiel erkannte.

Als Renee Williams vor wenigen Wochen ein American-Football-Spiel in Ohio besuchte, lernte sie etwas fürs Leben. Nicht vom Spiel, sondern von dem, was vorher und hinterher geschah. Renee hatte eine Handtasche mit, die zu gross war – sie durfte diese nicht mit ins Stadion nehmen. Der Weg zurück zum Auto war zu weit. Sie war drauf und dran, die Tasche einfach wegzuschmeissen, als ein Ehepaar sie auf einen Obdachlosen hinwies – er könne doch auf die Handtasche aufpassen.

Ein Vorschuss an Vertrauen

«Zuerst zögerte ich, aber dann dachte ich, ich würde sie ja eh wegschmeissen, um ins Stadion zu kommen, also warum nicht?», beschreibt das Mädchen auf ihrer Facebookseite. «Meine Freundin reichte dem Mann einen 5-Dollar-Schein und fragte ihn, ob er bis zum Ende des Spiels auf die Tasche aufpassen könnte – er stimmte zu. Ich wusste nicht, ob er immer noch dasitzen würde, wenn wir rauskamen, aber ich vertraute ihm. Und tatsächlich: Als wir wieder rauskamen, fand ich ihn, mit meiner Handtasche!»

Renee beschloss, diesen Mann nicht nach seinem Äusseren, seiner Situation zu beurteilen, ein Mann ohne jeglichen Besitz, ohne Zuhause, einen Mann, dem alles egal sein konnte. Nein, sie beschloss, ihm zu vertrauen. «Es geht mir nicht um die Handtasche. Es geht um das Prinzip, dass jemand noch weiss, wie wertvoll es ist, sein Wort zu halten», hält sie in ihrem Bericht fest.

Wie leicht ist es aber, Menschen eben doch nach ihrem Äusseren zu beurteilen, gerade wenn man schon früher schlechte Erfahrungen gemacht hat. Einfach dem anderen ohne irgend eine Garantie oder Absicherung zu vertrauen, das geschieht heute kaum noch. Und doch ist es genau das, was unserer Gesellschaft heute fehlt – das Gute im anderen zu sehen, ihm einen Vorschuss an Vertrauen zu schenken.

Trotz unserer Vergangenheit…

Gott macht genau das mit den Menschen. Wie oft hat er schon schlechte Erfahrungen mit uns gemacht, weil wir nicht auf ihn hören, nichts von ihm wissen wollen? Wie oft war er enttäuscht, weil er so gerne in unser Leben treten würde, wir ihn aber nicht lassen? Und dennoch gibt er uns immer wieder eine neue Chance. Denn er beurteilt eben nicht nach dem Äusseren, nicht nach dem, was für andere sichtbar ist. In der Bibel (1. Samuel, Kapitel 16, Vers 7) erklärt Gott selbst dem Propheten Samuel: «Ich urteile nach anderen Massstäben als die Menschen. Für die Menschen ist wichtig, was sie mit den Augen wahrnehmen können; ich dagegen schaue jedem Menschen ins Herz.»

…schenkt Gott eine zweite Chance

Bei Gott bekommt jeder eine zweite Chance, weil er sich nicht von den Umständen oder unserer Vergangenheit abschrecken lässt. Wenn wir zu Gott kommen, dann schaut er uns ins Herz und sieht, was unsere Beweggründe sind und ob wir es ehrlich meinen. Er verurteilt uns nicht, egal, was zuvor gelaufen ist. Und wenn wir ihn bitten, uns unsere Fehler zu vergeben, wird er das tun und uns unvoreingenommen annehmen.

Doch damit geht auch eine Verantwortung für uns einher: Wenn wir nicht gerichtet und verurteilt werden, sollten wir andere auch nicht richten. Jesus sagte sogar (Die Bibel, Matthäusevangelium, Kapitel 7, Vers 1):  «Urteilt nicht über andere, damit Gott euch nicht verurteilt. Denn so wie ihr jetzt andere verurteilt, werdet auch ihr verurteilt werden. Und mit dem Massstab, den ihr an andere legt, wird man euch selber messen.» Andere nicht nach ihrem Äusseren zu beurteilen, ist also nicht einfach nur etwas Gutes, was man tun sollte, sondern ein richtiges biblisches Gebot. Wie wäre es, wenn wir in dieser Woche versuchen, genau diesen Massstab anzuwenden und anderen zu vertrauen, statt sie zu verurteilen?

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