Ausflugs- und Filmtipp – Durch Kloster Christentum erneuert

Klöster haben eine gewisse Anziehung. Ohne Verpflichtung sucht der postmoderne Mensch die Stille, den Rückzug in sakralen Gemäuern. Cluny war das Vorzeigemodell, trotz wachsender Schwierigkeiten. Die Doku enthält auch einen Schweizer Ausflugs-Tipp.
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Abtei Romainmôtier im Grünen

Klöster haben eine gewisse Anziehung. Ohne Verpflichtung, sucht der postmoderne Mensch die Stille, den Rückzug in sakralen Gemäuern. Cluny war dasVorzeigemodell, trotz wachsender Schwierigkeiten. Die Doku enthält auch einen Schweizer Ausflugs-Tipp.

Der Film «Macht und Armut» zeigt, weshalb Cluny als Vorbild wirkte und was der heutige Christenmensch davon lernen kann. Bei der pittoresken Schwester in Romainmôtier kann der Besucher ein Stück dieser Geschichte erfahren – in grün-kühler Kulisse.

Zweitgrösstes Sakral-Bauwerk und seine Lektionen

Die Geschichte von Cluny lehrt uns vor allem:

  • Gemeinschaftliche Regeln – Geistliches Leben pflegen und «Unmoralisches» meiden

  • (Gemeinde) Bauen – Physische Präsenz mit Einfluss vor Ort

  • Diakonie – Bedürftige unterstützen

Cluny und seine Reformbewegung, die sich weit verbreitete, hatte nichts Geringeres zum Ziel als das Abendländische Christentum zu erneuern. Sie übten einen immensen Einfluss auf die christliche Religion aus, mit dem grössten Kirchenbau – nur der Petersdom in Rom überragte ihn später. Doch Macht und Reichtum wurden zur Saat ihres Niedergangs.

Mit den heutigen Überresten der Bauten, ist es kaum denkbar, wie riesig das Kloster damals war. Teilweise wurde es wieder aufgebaut, weil nur Weniges die Zeit überdauerte; zum Beispiel ein Wachturm und der Kornspeicher.

5 Kirchenschiffe in 50 Jahren

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Die Überreste in Cluny

Cluny wurde zur Klosterhauptstadt, ein zweites Rom. Der Abt Hugo hatte den Auftrag zum Bau schnell ausgeführt, nämlich in rund 50 Jahren, was damals ein Rekord war. Es entstanden fünf Kirchtürme, fünf parallele Kirchenschiffe, ein Gotteshaus der Superlative.

Das gigantische Bauwerk war mit vielen Bildern ausgekleidet, welche biblische Geschichten erzählten – denn nur wenige Gläubige konnten damals lesen.

Church-Planting nach Cluny Art

Das Mönchtum war zu stark von den Adligen geprägt. So war es revolutionär (ums Jahr 900), die Einflüsse von aussen zu meiden: weniger luxuriöse Kleidung, schöne Schuhe tragen oder Fleisch essen. Dafür mehr Ora et labora, beten und arbeiten – vor allem aber Gebet.

Abt Mayolus hatte viele Mönche nach Cluny gezogen. Er kam jung ins Amt und blieb 40 Jahre. Es wurde zum Zentrum für fortschrittliche Gläubige; auch durch die zentrale Lage nahe Lyon. Auch darf der Einfluss der Äbte bei weltlichen Würdenträgern nicht unterschätzt werden; gerade in Vermittlerrollen. Es wurden mehr und mehr andere Klöster gegründet.

Regeln machen die Runde – bis in die Schweiz

Von Frankreich über England bis Italien wurden die Ideen und Regeln von Cluny verbreitet. Man wollte das ursprüngliche, vorbildliche Klosterleben übernehmen. Viele Adelige fragten nach diesem Ideal, um die Benediktiner-Klöster zu perfektionieren.

So auch in der Schweiz: 888 ging das Kloster Romainmôtier an Gräfin Adelheid, Frau des Burgunder-Herzogs. Sie gab es wiederum 928 an die Gemeinschaft von Cluny weiter. Eswurde zum Cluny-Clon, eine zweite Kirche und praktisch identisches Abbild. Jetzt pilgern Cluny-Interessierte dahin, weil das alte Original nicht mehr existiert. Die Besucher treffen auf speziell gut erhaltene Fresken, wie das Bild des Lammes Gottes.

Täglich 8 Gottesdienste und 138 Psalme

Doch sollte vor allem das Geistliche weitertransportiert werden. So zelebrierte man in Cluny täglich acht gemeinsame Gottesdienste, durchwoben mit persönlichen, geistlichen Zeiten. Und anstelle von 150 Psalmen pro Woche, wurden hier 138 Psalmen am Tag gesungen.

Jedoch wuchs das Geschäft, dass mit Geld Seelenheil und Gebetsersatz (Fürbitte) gekauft werden konnte. Es entstanden exzessives Totengebete, die vor ewigen Höllenqualen bewahren sollten, und tägliche Totenmessen.

Cluny war im 10. und 11. Jahrhundert ein epochales Zentrum der Spiritualität. Ebenso wichtig war den Mönchen die Armenfürsorge, die beispielsweise Mahlzeiten für Mittellose sicherstellte.

Ein Ur-Netzwerk von Gemeinschaften

Die cluniazensische Gemeinschaft war direkt dem Papst unterstellt. Sie machte sich daran, andere Klöster zu integrieren, um sie zu reformieren. Ein Abt lebte eine gewisse Zeit im Kloster, um Regeln und Moral zu bringen und festigen.

Doch einigen Adligen und Mönchen passte es nicht, ihre Sitten und Annehmlichkeiten abzustreifen. Beim zweiten Kloster war der Widerstand so stark, dass der Abt mit Steinen beworfen wurde. Dies war aber eine Ausnahme.

Da entstand das erste Netzwerk von Klöstern mit Schwerpunkt Spiritualität. Es wurde später sogar zum «nichtmateriellen Unesco-Welterbe» ernannt, mit über 50 Klöstern und Tochtergemeinden von England bis zur heutigen Türkei.

Planting Nr.2: Aus Kirche entsteht Siedlung

«La Charité sur Loire» wurde zum bedeutendsten Tochterkloster von Cluny, auch weil es Bedürftige aufnahm. Grosszügige Schenkungen und die Lage direkt am Jakobsweg liessen die Gemeinschaft und Bauten wachsen.

Wie häufig, wuchs aus dem Kloster eine ganze Siedlung mit Dorfbewohnern, wo sich besonders gebildete und talentierte Handwerker austobten. Die grosse Baustelle zog auch viele Besucher und Pilger an.

Im 12. Jahrhundert war sie die zweitgrösste Kirche der Christenheit, nach Cluny. Ungefähr 200 Mönche lebten zum Höhepunkt dort.

Erster offizieller Orden in der Geschichte

Die Zisterzienser wurden zur Konkurrenz und später zum ersten offiziellen Orden der Christenheit, im Gegensatz zum losen Netzwerk Clunys. Paradoxerweise hatten sie dieselben Vorwürfe und Reformziele, welche vormals die cluniazensischen Mönche umtrieben.

Durchs Leben über die Verhältnisse hinaus versank Cluny dann im Meer der Bedeutungslosigkeit, im 18. Jahrhundert wurde es völlig aufgelöst und durch die Französische Revolution endgültig an den Staat verkauft. Stück für Stück.

Das Erbe eines internationalen, europäischen Netzwerkes bleibt weiter bestehen; ein Vorreiter und Flaggschiff der Einheit Europas über mehrere Länder.

Zur Doku:
«Macht und Armut»

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