Massgeblich beteiligt – Christen trugen zum Ende der Sklaverei bei

Der Brite William Wilberforce trug erheblich zum Ende der Sklaverei bei – doch auch andere Christen waren an vorderster Front dabei. Samuel Hopkins nannte in seinem Freiheits-Pamphlet die Sklaven «unsere Brüder und Kinder».
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Hand an Stacheldraht

Der Gemeindeverband der Quäker – ein vergleichbarer Gemeindename in der Schweiz würde heute nicht so schnell eine angemessene Mehrheit finden – war die erste Kirche, die offiziell gegen die Sklaverei auf die Barrikaden ging; dies mittels einer Petition im Jahr 1688.

Im folgenden Jahrhundert befreiten die Quäker Sklaven aus Rhode Island und gründeten extra für sie die «Providence Society for Abolishing the Slave Trade». Weiter war der Verein publizistisch tätig, unter anderem durch die Zeitschrift «Genius of Universal Emancipation».

Ebenfalls in die Tasten griff der Puritaner Samuel Sewall. Bereits im Jahr 1700 verfasste er das Werk «The Selling of Joseph», eines der ersten Bücher gegen Sklaverei. Anhand von Bibelstellen zeigte er auf, dass solche Passagen, die damals noch als Legitimierung für die Sklaverei herangezogen wurden, diese eigentlich widerlegen: «Es ist ganz sicher, dass alle Menschen, da sie die Söhne Adams sind, Miterben Gottes sind und das gleiche Recht auf Freiheit haben.»

Vom Saulus zum Paulus

Samuel Hopkins (1721-1803) wiederum hielt zwar selbst einige Haussklaven, wandte sich aber mit der Zeit dagegen und führte seine Kirche dazu, die erste aufgezeichnete Bekenntniskirche zu werden, die offen gegen die Sklaverei predigte.

1776 veröffentlichte Hopkins ein Pamphlet mit dem Titel «A Dialogue Concerning the Slavery of the Africans» (dt. Ein Dialog über die Sklaverei von Afrikanern), in dem er die Sklaven als «unsere Brüder und Kinder» bezeichnete. Es sei die Pflicht der neuen Vereinigten Staaten, sie zu befreien. Später gründete er eine Ausbildungsstätte für freigelassene Sklaven.

«Eine der Hauptsünden!»

Lyman Beecher (1775 -1863) nannte die Sklaverei eine der Hauptsünden, die ausgerottet werden müsse. Zusammen mit anderen initiierte er eine moralische Revolution – und seine Tochter Harriet Beecher Stowe (1811-1896) verfasste den einflussreichen Anti-Sklaverei-Roman «Onkel Toms Hütte».

Im gleichen Zeitraum erlebten die Methodisten einen enormen Aufschwung. Sie wurden von ihrem Gründer John Wesley (1703-1791) ermutigt, sich gegen die Sklaverei auszusprechen. Im Jahr 1800 wurde auf der Generalkonferenz der Methodisten festgehalten, dass die Sklaverei «den unveräusserlichen Rechten der Menschheit und dem Wesen der bürgerlichen Freiheit zuwiderläuft».

Aus den Methodisten gingen Nebenkonfessionen wie die «African Methodist Episcopal Zion Church» hervor, deren Pastor Frederick Douglass zu einer der stärksten Stimmen der Abschaffung der Sklaverei wurde.

Öffentliche Meinung geprägt

Auch der presbyterianische Erweckungsprediger Charles Finney (1792-1875) setzte sich gegen die Sklaverei ein. Er schrieb: «In meinen Gebeten und Predigten habe ich die Sklaverei oft angeprangert. Sklavenhalter können keine geeigneten Mitglieder für die christliche Gemeinschaft sein.»

Robert Fogel (1926-2013) war einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Sklaverei, für seine Forschungen wurde er 1993 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Er bezeichnete sich als «säkularen Juden» und kam zum Schluss, dass Christen die Sklaverei beendeten. Sie prägten die öffentliche Meinung und ebneten den Weg anno 1860 für einen Präsidenten, der gegen die Sklaverei war und damit die Kette der Ereignisse in Gang setzte, die zum Ende dieses Leides führte.

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