NT-Wörterbuch – Dienen (seinen Mitmenschen)

Dienen heisst: sich einem Grossen zur Verfügung stellen In diesem Weltzustand: Wille zum Herrschen; im Reich Gottes: Wille zum Dienen Dienen heisst: sich einem Grossen zur Verfügung stellenEin Jünger Jesu soll daran kenntlich sein, dass er seinen ...

Dienen heisst: sich einem Grossen zur Verfügung stellen

Ein Jünger Jesu soll daran kenntlich sein, dass er seinen Mitmenschen dient. Dieser Ausdruck ist ernst zu nehmen.

Dienen bedeutet bei Jesus nicht: allerlei tun oder sich mit schweren Verrichtungen mühen, abgesehen davon, wem die Mühen gelten. Dienen heisst: sich unter einen Grossen beugen, jemand anders höher achten als sich selbst und sich darum zur Verfügung stellen. So soll der Jünger seine Mitmenschen ansehen; er soll mit Ehrfurcht zu ihnen aufblicken und jederzeit mobil sein, um ihnen zu helfen.

Diese Ehrfurcht mutet Jesus seinen Jüngern nicht ohne Grund zu: Ihre Mitmenschen, die Schwachen, Unansehnlichen ebenso wie die Hochstehenden von göttlichem Adel, sie stammen von oben; Gott ehrt sie so, dass er ihretwegen ständig das Heer der Engel dienstbereit hält (Matth. 18,10). Wieviel mehr soll unsereiner sie ehren!

Unsere Stellung zu unseren Mitmenschen ist nicht die von Gönnern oder »Wohltätern«, sondern die von Dienern. Der Dienst am Bruder bezieht sich unmittelbar auf Jesus. Epheser 6,7: »Tut euren Dienst mit gutem Willen als dem Herrn und nicht den Menschen.« So sind auch nach Hebräer 2,14 die Engel ausgesandt zum Dienst derer, die ererben sollen die Seligkeit.

Aus der brüderlichen Liebe entfaltet sich die allgemeine Liebe, nicht umgekehrt (2. Petr. 1,7). Das Heil Gottes in Jesus Christus begründet ebenso den Dienst der Engel wie unseren Dienst an den Menschen.

In diesem Weltzustand: Wille zum Herrschen; im Reich Gottes: Wille zum Dienen

Das Gegenteil von Dienen ist »Hinabherrschen«, seinen Zwecken unterwerfen. Damit bezeichnet Jesus scharf die Trennungslinie zwischen Reich Gottes und Welt (Matth. 20,25-28).

In den Weltzuständen, so mannigfaltig sie sonst aussehen mögen, ist es doch durchweg so, dass der Stärkere den Schwächeren seinen Zwecken dienstbar macht, ihn geringachtet, ihn als einen Fussschemel für die eigene Grösse ansieht.

Gleichviel, ob es sich um politische, wirtschaftliche, geistige, gesellschaftliche, sittliche oder religiöse Überlegenheit handelt: jede Übermacht wird dazu gebraucht, den anderen zu zwingen, ihn in eine abhängige Stellung zu bringen. »So soll es bei euch nicht sein«, sagt Jesus. Sondern jeder soll sich mit seiner Überlegenheit den andern zur Verfügung stellen, ihre Zwecke zu fördern; nicht sie unter die Füsse treten, sondern sie höher heben; nicht sie abhängig machen, sondern ihnen zur Freiheit verhelfen.

Das Evangelium betreibt keine Gleichmacherei. Es gibt auch im Reich Gottes Menschen, die über andere hervorragen (stärkere, reinere, frömmere, klügere, gesündere) - und es soll auch solche geben. Aber je mehr Gaben, Vorzüge, Besitz einer hat, umso mehr ist er gehalten, sich andern zur Verfügung zu stellen, ihnen »aufzuwarten«, ihre Lasten zu tragen, sich als leibeigener Sklave den Geringen und Elenden zu verschreiben (Matth. 20,25-28; Mark. 10,42-45; Luk. 22,25-27).

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