Unterstützung – Die Freude, zum Leben anderer beizutragen

Der Mensch ist von Natur aus kein Einzelgänger. Trotzdem bewältigen viele ihren Alltag und ihre Herausforderungen allein. Kerstin Hack erklärt, welche Gefahren sie darin sieht und wie man Unterstützung findet.

Der Mensch ist von Natur aus kein Einzelgänger. Trotzdem bewältigen viele ihren Alltag und ihre Herausforderungen allein. Kerstin Hack erklärt, welche Gefahren sie darin sieht und wie man Unterstützung findet.

Je klarer die Zielvorstellung, desto klarer der Erfolg. —Vera Birkenbihl

«Alles hängt an mir», «Niemand hilft mir», «Immer muss ich alles allein machen» – diese Sätze kennen viele. Manchmal hören wir sie von anderen. Oft sagen wir sie selbst, wenn wir nicht die Unterstützung bekommen, die wir uns wünschen. Mangelnde Unterstützung kann frustrierend und entmutigend sein.

Früher hielt ich das vor allem für ein Problem der jeweiligen Lebenssituation. Ich dachte lange, Singles leiden besonders oft unter mangelnder Unterstützung. Das schien mir klar. Schliesslich haben wir niemanden, der uns mal den Einkauf abnimmt, bei der Elektrik oder im Garten hilft.

Doch dann sprach ich mit verheirateten Freundinnen und Freunden, mit Angestellten und Freiberuflern und stellte fest, dass Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen den Gedanken «Ich werde nicht unterstützt» kennen. Und fast allen sind auch die Gefühle vertraut, die mit diesem Gedanken verbunden sind: Traurigkeit, Einsamkeit und Hilflosigkeit.

Unterstützung finden und geben

Jemanden unterstützen bedeutet, zur Verbesserung seiner Lebenssituation beizutragen. Es kann auch bedeuten, zu helfen, eine Krise oder schwierige Situation zu bewältigen. Unterstützung braucht jeder.

Es gibt Wege, wie man auf gute, positive Art und Weise die Chance erhöhen kann, diese zu bekommen. Das Wichtigste ist, sich darüber klar zu werden, welche Art von Unterstützung man sich wünscht.

Die nötige Unterstützung kann, je nachdem, in welcher Situation man sich befindet, ganz unterschiedlich sein. Es tut gut, sich Gedanken darüber zu machen, über welche Ressourcen man verfügt oder welche man benötigt. Je klarer man das weiss, um so klarer kann man um Unterstützung bitten oder Hilfe anbieten.

Praktische Unterstützung: Zu manchen Zeiten braucht man ganz praktische Unterstützung: technischen Support für den Computer und andere Geräte. Oder Hilfe bei anstehenden Tätigkeiten. Das schenkt zeitliche Entlastung, wenn jemand einem Aufgaben abnimmt, für die die Zeit fehlt.

Als der Mann einer Freundin aus beruflichen Gründen mehrere Monate weg war, machte sie eine Liste mit Bereichen, in denen sie Unterstützung brauchen könnte und fragte Freunde konkret an: «Falls etwas Technisches kaputt geht, darf ich dich anrufen?» «Falls ich krank werde, würdest du mein Kind zur Schule bringen?» usw. Zu wissen, dass sie im Bedarfsfall Hilfe haben würde, entlastete sie sehr.

Emotionale Unterstützung: Manchmal kann man an einer schwierigen Situation nur wenig ändern. In solchen Zeiten wünschen sich Menschen Trost, Mitgefühl und Anteilnahme. Oder einfach nur, dass jemand ihnen zuhört oder sie in den Arm nimmt. All das sind mögliche Formen der emotionalen Unterstützung.

Ratgebende Unterstützung: «Was würdest du denn machen?» Diese Frage hört man oft von Ratsuchenden. Der gewünschte Rat kann sich auf Fachwissen beziehen, z. B. die Bitte um technischen oder juristischen Rat. Häufiger ist jedoch die Frage nach dem «richtigen» Verhalten in einer Situation. Rat, der sich auf die Lebenserfahrung bezieht.

Unterstützung mit Ressourcen: In manchen Situationen braucht man Unterstützung durch materielle Ressourcen: Dinge, Geräte, Maschinen, die man nicht hat, um Schwierigkeiten zu bewältigen. Einen Kleinbus, um Möbel zu transportieren. Oder eine besondere Küchenmaschine. Oder Fachwissen, Finanzen, Kontakte und Gegenstände. Es tut gut, sich darüber bewusst zu werden, welche Dinge man hat, die anderen Menschen von Nutzen sein könnte.

Wer diese Ressourcen anderen zur Verfügung stellt, kann oft dazu beitragen, Krisen zu lösen – eine von vielen wertvollen Formen der Unterstützung.

Praxistipps

■ Überlegen Sie: In welchen Situationen sehnen Sie sich besonders oft nach Unterstützung? Welche Art der Unterstützung brauchen Sie aktuell: emotionale, praktische, ratgebende oder ressourcenspendende Unterstützung?

■ Notfallliste: Erstellen Sie eine Liste mit den Namen von Menschen, die Ihnen in Krisen helfen könnten. Dann haben Sie sie im Bedarfsfall griffbereit.

Medientipps

■ Gleich anfangen? Die Arbeitsgemeinschaften der Freiwilligenagenturen bietet viele Informationen über Einsatzmöglichkeiten Ihrer Talente und Fähigkeiten: www.bagfa.dete

■ Kerstin Hack: Unterstützung. Impulse, Hilfe zu erfahren. Down to Earth, 2011.

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