Land of Hope and Glory – Brückenbau ins Hoffnungsland

«Mein Reich ist nicht von dieser Welt», erklärte Jesus gegenüber Pilatus. Doch diese Aussage stösst immer wieder auf Gegenwind und Unverständnis. Was bedeutet das für uns? Gedanken von Regina Fischer.
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Brückenbau

Jeden Sommer wird die Royal Albert Hall, Londons berühmter Konzertsaal, Gastgeber für ein besonderes musikalisches Ereignis. Die roten Samtsessel werden von Musikliebhabern aus aller Welt besetzt, das Scheinwerferlicht auf der Bühne fängt die grossen Künstlerinnen und Künstler der klassischen Musik ein: Ann-Sophie Mutter, Yo-Yo Ma, Eric Whitacre, Sol Gabetta und Sir Simon Rattle sind nur ein paar der bekannten Namen, die in diesem Jahr während der traditionsreichen Proms aufgetreten sind.

Während des Abschlusskonzertes kommt dann der ganze britische Nationalstolz zutage: Das Publikum schwenkt begeistert die britische Flagge (inzwischen sieht man auch andere Flaggen auf den internationalen Zuschauerrängen) und auch im Orchester entdeckt man diese Fliege oder jenes Einstecktuch in den Farben der Union Jack.

Land der Hoffnung und des Ruhmes

Eines der Musikstücke, das jedes Jahr an diesem letzten Abend erklingt, ist «Land of Hope and Glory», ein pompöser Marsch von Edward Elgar aus dem frühen 20. Jahrhundert, der mit der Zeit zu einer inoffiziellen Nationalhymne des Vereinigten Königreiches geworden ist. Nach dem mitreissenden Beginn des Marsches stimmt das ganze Publikum in den mächtigen Refrain ein: «Land of Hope and Glory, / Mother of the Free, / How shall we extol thee, / Who are born of thee? / Wider still and wider / Shall thy bounds be set; / God, who made thee mighty, / Make thee mightier yet.» (Land der Hoffnung und des Ruhmes, Mutter der Freien, wie sollen wir dich loben, die wir aus dir geboren sind? Immer weiter sollen deine Grenzen gezogen werden. Gott, der dir Macht gegeben hat, möge dich noch mächtiger machen.)

Derartige Proklamationen sind mir vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte sehr fremd und Grossbritannien hatte und hat natürlich auch eine eigene Geschichte an Leid, das aus einem übermässigen Nationalstolz erwuchs und in Gier oder Hass gegenüber dem Anderen umschwang.

Zwischen den Welten

«Mein Reich ist nicht von dieser Welt», erklärt Jesus dem Pilatus (Johannes Kapitel 18, Vers 36f). Eine Aussage, die nicht nur die damaligen Machthaber nicht begriffen, sondern mit der Menschen immer wieder ein Problem hatten: Während die einen sich in ihrer weltlichen Macht bedroht fühlten durch die neuen Prinzipien, die Jesus für sein Reich der Hoffnung aufstellte, meinten die anderen, dieses Reich mit menschlichen Eroberungszügen auszuweiten. Wenn man sich von Gott dazu beauftragt und gerechtfertigt sieht, ein Reich auf der Erde zu schaffen und zu vergrössern, führt das zwangsläufig zu Interessenskonflikten. Schliesslich fühlten sich nicht nur die britischen Herrscherinnen und Herrscher von Gott gesandt, ihre Macht zu vergrössern.

Doppelte Staatsbürgerschaft

Jesus zeigt uns den Weg in ein Hoffnungsland, das keine Gewalt braucht, um sein Gebiet zu sichern. Es schafft auch keine Interessenskonflikte, sondern hat vielmehr Potenzial, sie aufzulösen. Es ist so viel mehr Raum in Gottes Reich für Lebensgeschichten und kulturelle Hintergründe, als wir oft glauben – man denke nur an Paulus‘ begeistertes Plädoyer für die Einheit in Christus (Galater Kapitel 3, Verse 26–29).

Als Christin habe ich eine doppelte Staatsbürgerschaft: Mein Personalausweis weist mich als Deutsche aus, das Siegel des Heiligen Geistes in meinem Herzen als Bürgerin von Gottes Reich. Ich kann eine Brücke zwischen beiden Ländern schlagen. Ich habe die Chance, Frieden in meiner Nachbarschaft zu verteilen. Denn die Hoffnung, die wir in uns tragen, kann auch für meine Umgebung heilsam sein.

Gott segne Sie beim Brückenbau ins Hoffnungsland!

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